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Der Zug war pünktlich.
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Der Zug war pünktlich.

Frankfurter Buchmesse-Party #2/2016

In fremden Federn

Auf der Hanser-Party tummelt sich jährlich das Who-is-who der Literaturszene. Unsere Autorin war da und hatte eine rettende Begegnung. Ein Erlebnisbericht.

Von Bahareh Ebrahimi

„Darf ich was fragen?“, so hatte die Hanser-Nacht begonnen, als ich die nette Frau neben mir an der Bar ansprach, ob sie die Leute auf dieser Party kennen würde. Sie lachte und sagte Ja. Wir drehten eine Runde in Mantis Roofgarden und ich bekam meine erste Aufgabe. Ich sollte die Presseleiterin des Hanser Literaturverlages suchen, um ihr Grüße eines Journalisten auszurichten. Die Aufgabe war leicht zu lösen, ich kehrte an die Bar zurück, um meiner eigentlichen Profession nachzugehen: den Gästen seltsame Fragen stellen und gleichzeitig ein Auge auf die Uhr zu haben, um den letzten Zug nicht zu verpassen.

Außer einigen Journalisten kannte ich niemanden, ich stand einfach an der Bar und wenn jemand mich fragte, was ich mache oder wer ich sei, war die Antwort immer dieselbe. Ich bin eine iranische Journalistin, die auf der Buchmesse bloggt. Dann waren meine seltsamen Fragen dran: „Haben Sie vielleicht eine Idee, worüber ich schreiben könnte?“ – „Was wäre hier, an diesem Ort, am interessantesten?“ Die dritte Frage: „Und was machen Sie?“, war in diesem Fall kurios, denn Prominente fragt man normalerweise so etwas nicht. Aber woher sollte ich wissen, wer wer ist?

Ein Schriftsteller, mit dem ich bei einem Aperol Spritz ins Gespräch kam, meinte, die Autoren seien fast immer in einem Zimmer eingesperrt, um zu schreiben und einmal im Jahr haben sie dann die Möglichkeit, in Frankfurt Leute aus der ganzen Welt zu treffen. Eine anderer, der sich als René vorgestellt hatte, betrachtete es eher als Gewohnheit, hier dabei zu sein.

Danach kam ich, immer noch an der Bar, mit zwei Personen ins Gespräch. Der Mann erzählte mir von einem französischen Schriftsteller, der sich mit dem Iran beschäftigt und sogar in Teheran gelebt hat, die Frau war Fotografin der Süddeutschen Zeitung, mit der ich über Bilder aus dem Nahen Osten redete, denen die Normalität fehlt. Der Mann stellte mir dann ebenjenen französischen Schriftsteller vor, der sogar Persisch konnte. So kam es, dass auf der Hanser-Party Persisch gesprochen wurde. Und gerade in diesem erhebenden Moment merkte ich, dass ich dringend zum Hauptbahnhof musste, um den letzten Zug nach Gelnhausen nicht zu verpassen. Der Zug war jedoch pünktlicher als ich, und der nächste fuhr erst gegen fünf Uhr. Keep Calm, dachte ich, wird es eben eine schlaflose Frankfurter Nacht. Bleibe ich eben auf der Party, so lange es geht, und gehe danach am Main spazieren, Richtung Hauptbahnhof. Das würde dann schon bis fünf Uhr reichen. Mit dieser Entschlossenheit kehrte ich zur Hanser-Party zurück.

Die Geschichte hatte dann aber einen anderen Dreh als den, schlaflos den Main entlang zu spazieren. Es kam zu einer unerhörten Begebenheit. Eine nette Literaturredakteurin hörte meine Geschichte und versprach, eine Lösung zu finden. Meine Rettung war der Schriftsteller, der gerne Aperol Spritz trinkt. Er wollte gar nicht in sein Hotel, sondern woandershin. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich durfte statt seiner den Schlüssel zum Hotelzimmer in Empfang nehmen.

Am Tag darauf habe ich die Leute gegoogelt, mit denen ich an der Bar saß. Der Franzose, mit dem ich persisch sprach, war Mathias Énard. Der Mann, der ihn mir vorgestellt hat, Ijoma Mangold von der „Zeit“. Der René, den ich fragte, ob er Journalist sei, und der antwortete: „Ich mache Radio“, war René Aguigah vom Deutschlandradio Kultur. Und ich bekam heraus, dass der Schriftsteller, David Wagner, der mich vor der kalten Nacht gerettet hat, gerade ein neues Buch bei Rowohlt veröffentlicht hat: Ein Zimmer im Hotel. Ich musste lachen, als ich auf der Seite des Rowohlt Verlages las: „Ein Mann reist von Stadt zu Stadt, quer durch Deutschland und Europa bis nach China und in den Iran, aber Augen hat er immer nur für das: Hotelzimmer... Ein Buch für alle, die unterwegs sind oder anderen eine Bleibe geben.“

Als ich mich mit ihm bei der Abreise an der Lobby des Hotels traf, um den Schlüssel zurückzugeben, erzählte er, dass es in seinem neuen Buch lustigerweiser auch um dieses Hotel gehe. Die Geschichte hätte jetzt weitererzählt werden können, aber das Buch ist leider schon erschienen.

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