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Die Fremde

Angela Krauß in Darmstadt

Eine Frau betritt ein Café und setzt sich neben einen Mann. Sie plappert drauf los. Von verlassenen Marktplätzen in böhmischen Dörfern springt sie über zum ewigen Regen in Boston. Der Mann hat irgendwann genug davon, packt die Zeitung ein und geht. "Entschuldigen Sie", ruft sie ihm nach, "ich habe versucht, mich brennend für Sie zu interessieren." Die Frau verlangt einfach zu viel. In einer Welt, in der jeder am liebsten mit sich alleine ist, eckt man schnell an damit. Dabei begann der Morgen noch so schön: Sie wachte auf mit dem Wunsch, verführt zu werden. In ihrem Überschwang erschienen ihr die Straßen voller Menschen, die sie sogar noch vor neun Uhr küssen könnten.

Schon die Eingangsepisode von Weggeküsst, Angela Krauß' neuer Erzählung (bei Suhrkamp erschienen), spielt virtuos auf der Klaviatur der Gefühle. Das bewies sie mit einer Lesung im Werkstatt-Café des Staatstheaters Darmstadt. Schnell wechseln Ausgelassenheit und Melancholie einander ab; nachdenkliche Innenschau folgt auf aberwitzigen Szene-Smalltalk.

Es sind die Menschen, die alles durcheinander bringen: zum Beispiel die übervitale Nette, die die Erzählerin gleich ganz in ihr Leben einbauen will. Oder Kay, ihr Ex. Der schwärmt von Maschinen aller Art, besonders dem Eingeweideverwirbelungsautomaten. Nur die Menschen, an denen der Erzählerin wirklich etwas liegt, sind nicht mehr da. Ihre Kindheitsfreundin Tine, die sie schmerzvoll vermisst, oder Jerzy, die Liebe ihres Lebens.

Und da sind die Tiere: Der Elcheber mit seiner rüsselförmigen Nase, der nur Eicheln und Blätter frisst. Oder der Brillenbär, zwar dick, aber immer auf Touren. Mindestens einmal im Jahr solle man in den Zoo, rät die Erzählerin. Da werde dem Mensch seine Fremdheit bewusst.

Mit einer lyrischen, leisen Sprache, die die Spannungen eher in den Zwischentönen sucht, knüpft Weggeküsst ein zartes Netz, das die Protagonistin zwar mitsamt ihrer Einsamkeit gefangen hält; doch immer dringen Stimmen von draußen. Zum Glück gibt es dort die Menschen und die Tiere. frs

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