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Thema Islam: Es diskutieren Sahin, Schwarzkopf, Schröter und Gahler (von links).
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Thema Islam: Es diskutieren Sahin, Schwarzkopf, Schröter und Gahler (von links).

Expertendiskussion Buchmesse

Freiheit in Gefahr?

Experten diskutieren im FR-Programm auf der Frankfurter Buchmesse, ob radikale Kräfte in Staaten wie Irak oder Syrien die Freiheit hierzulande gefährden.

Von Timur Tinç

Bedroht der Islam unsere Freiheit? Unter dieser „zugegeben zugespitzten Fragestellung“, so FR-Redakteur und Moderator Andreas Schwarzkopf, diskutierte er am Samstagvormittag im Forum Internationaler Dialog vor rund 80 Zuhörern auf der Buchmesse mit Susanne Schröter, Ertugrul Sahin und Michael Gahler über das heikle Thema. „Es gibt nicht den Islam“, stellte Susanne Schröter von Anfang an klar.

Die geschäftsführende Direktorin des Instituts für Ethnologie an der Goethe-Universität in Frankfurt betonte, dass es nur eine Spielart des Islam sei, die bedrohlich sei. „Die ist gewissermaßen im Aufwind“, so Schröter und verwies neben den Terrororganisationen Al-Kaida, „Islamischer Staat“, Boko Haram auf Gruppierungen im Kaukasus und Südostasien. „Kriminelle Machenschaften werden von ihnen religiös legitimiert“, sagte Schröter.

Ertugrul Sahin, Dozent an der Uni Frankfurt mit Schwerpunkt europäischer Islam, pflichtete Schröter bei, dass ein „kleiner Teil“ der Muslime die Freiheit in Deutschland bedrohe. Sahin gab zu bedenken, dass die Radikalen in Ländern wie dem Irak oder Syrien in erster Linie Muslime bedrohten, „weshalb wir überhaupt so viele Flüchtlinge haben“.

Michael Gahler zeigte sich zuversichtlich, dass der Rechtsstaat stabil genug sei, mit den Problemen fertig zu werden. „Egal, ob es sich um einen muslimischen Radikalen oder Rechtsextremisten handelt“, erklärte der CDU-Europaabgeordnete aus Hattersheim. Als Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zum „Panafrikanischen Parlament“ (PAP) ist Gahler viel im nordafrikanischen Raum unterwegs und berichtete von seinen Erfahrungen aus Tunesien; er lobte, dass dort die Zivilgesellschaft es geschafft habe, den radikalen Kräfte eine Absage zu erteilen.

„Tunesien ist noch nicht über den Berg“, warf Susanne Schröter ein und erinnerte an den Anschlag in der Touristenhochburg Sousse. Sie bekräftigte auch, dass es sich nicht um ein Problem der Unterschicht handele. „Die höchste Anzahl der Konvertiten, die sich radikalen Gruppen anschließen, sind Mittelstandsjungs, die aus einer deutschen Genealogie kommen“, sagte Schröter und schlug den Bogen wieder nach Deutschland.

Kritik ist gewinnbringend

Wie so oft bei diesem umfassenden Thema wurden noch weitere sehr globale Punkte angeschnitten. Die unterschiedlichen Auffassungen bei der Trennung zwischen Religion und Politik in Ländern wie dem Iran, Saudi-Arabien im Vergleich zu Europa, das türkische laizistische Modell mit einer Religionsbehörde im Staatsapparat. Angesichts der Forderungen, der Islam brauche eine Reform, sagte Ertugrul Sahin, „dass wir einen Reformdiskurs brauchen, aber mit offenem Ende“. Der studierte Politikwissenschaftler ist der Überzeugung, dass man nicht jede Kritik als beleidigend, sondern auch gewinnbringend für die eigene Diskussion verwenden sollte.

„Es gibt zu wenig Auseinandersetzung von Verbänden mit einigen Themen“, findet Susanne Schröter. Sahin erklärte, dass in den Verbänden oftmals gar nicht die Kompetenz bestehe, sich mit allen Themen auseinanderzusetzen. Das habe sich erst in den vergangenen Jahren entwickelt und brauche Zeit.

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