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Durch die Kälte: Ein Schulbus auf dem einsamen Transcanada-Highway.
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Durch die Kälte: Ein Schulbus auf dem einsamen Transcanada-Highway.

Kriminalroman

Frauke Buchholz „Frostmond“: Nicht einmal eine Vermisstenanzeige

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Von indigenen Frauen, die entlang des Transcanada-Highways verschwinden, erzählt Frauke Buchholz in „Frostmond“.

Der Transcanada-Highway durchquert großartige Natur, doch hat er den Beinamen „Highway of Tears“ erhalten, Straße der Tränen. Auch im vergangenen Jahr haben Kanadierinnen (und ein paar Kanadier) demonstriert und dabei blutrote Frauenkleider hochgehalten – als Mahnung, endlich die Mörder all jener indigenen Frauen zu finden, die entlang des Highways verschwunden und später tot aufgefunden worden sind. Die behördliche Zählung der Ermordeten gibt 18 an; die Dunkelziffer muss viel höher sein, denn oft, wenn eine junge Frau ihr Zuhause verlässt (das Geld für den Bus sparend, sich als Anhalterin an die Straße stellend), wird sie von ihrer Familie gar nicht als vermisst gemeldet.

Frauke Buchholz, 1960 nahe Düsseldorf geboren, bekam schon 1980 durch ein Praktikum an einer Reservatsschule der Cree Kontakt zu kanadischen Ureinwohnern und hielt ihn. Das Thema ihres Kriminalromans „Frostmond“, die Morde an indigenen Frauen, habe sie gar nicht zu finden brauchen, schreibt sie, vielmehr habe es sie gefunden.

Zurecht beklagt wurde über die Jahre mit immer mehr Opfern/Verschwundenen – Amnesty International geht von bis zu 500 indigenen Frauen und Mädchen aus –, dass die Polizei nicht gerade gewaltige Anstrengungen unternahm, Täter zu ermitteln. Rassismus und Sexismus werden auch eine Rolle gespielt haben.

Päckchen an Vorurteilen

Das Buch:

Frauke Buchholz: Frostmond. Kriminalroman. Pendragon, Bielefeld 2021. 288 S., 18 Euro.

Roxanne Bouchard: Der dunkle Sog des Meeres. A. d. Franz. von Frank Weigand. Atrium 2021. 334 S., 20 Euro.

Auch Buchholz’ fiktive Beamte Jean-Baptiste LeRoux und Ted Garner sind nicht sehr motiviert, schon gar nicht, wenn sie in klirrender Kälte in ein abgelegenes Cree-Reservat reisen müssen, wo es noch nicht einmal ein Hotelzimmer für sie gibt. Aber da das jüngste Opfer, die 15-jährige Jeanette Maskisin, ausgerechnet in Montreal angespült wurde, gab es zu viel Aufmerksamkeit, als dass auch dieser Fall schnell hätte zu den Akten gelegt werden können.

Mit ausgewogenem Strich zeichnet die Autorin zwei Männer, die ihr Päckchen mit Vorurteilen immer dabei haben – mit Vorurteilen auch gegen den jeweils anderen übrigens: LeRoux wird, igitt, beim Saufen immer so melancholisch, denkt Garner; LeRoux wiederum hält Garner für einen kalten Fisch, einen Ignoranten, der „Kiss Loreen“ sagt. Aber dann entwickeln beide doch einen gewissen Ehrgeiz, Jeanettes Mörder zu finden. Und merken irgendwann, dass deren Cousin, Leon, wild entschlossen ist, seine Cousine zu rächen und sich in Gefahr begibt.

Das schwierige Leben im Reservat mit Armut, Alkoholismus und Drogenkonsum, junge Frauen, die in der großen Stadt Freiheit suchen, zur Prostitution gezwungen werden oder sich selbst prostituieren, junge Männer, die als „Indian Boy“ keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben – Buchholz packt eine Menge in diesen Roman, dennoch wirkt er nicht überfrachtet. Sie beschreibt, statt zu predigen. Und bekommt zuletzt einen spektakulären Showdown auf einer Insel im Sankt Lorenz hin, der die Glaubwürdigkeit nicht allzu sehr strapaziert.

Mit dem Hinweis, dass man nach Lektüre sofort an die See fahren möchte, wird Roxanne Bouchards Kriminalroman „Der dunkle Sog des Meeres“ beworben. Und in der Tat stellt sich die Frankokanadierin, die eine junge Frau auf den Spuren ihrer leidenschaftlich segelnden Mutter in die zu Québec gehörende Gaspesie reisen lässt, in die Tradition von Krimiliteratur, die an malerischen, touristisch begehrten Orten spielt. In den nicht fiktiven Ort Caplan packt sie eigensinnige Fischer, energische Gästehausbesitzerinnen, resolute Restaurantköche – und gerade ist auch ein Ermittler namens Morales hingezogen, der zum Erstaunen der Einheimischen fast akzentfrei Französisch spricht.

Ein eher gemütlich sich entwickelnder Roman, an dem freilich die zwar ambitionierten, aber bisweilen windschiefen Sprachbilder stören, die unbeholfenen Dialoge, die umso mehr erstaunen, als die Autorin auch Theaterstücke schreibt. Vollends für den melodramatischen Schluss hätte es aber eine Erzählerin mit feinstem Sprachgefühl gebraucht.

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