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„Krass“-Autor Martin Mosebach, hier 2019 bei einer Ortsbegehung zu seinem Roman „Westend“. Foto: Rolf Oeser
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„Krass“-Autor Martin Mosebach, hier 2019 bei einer Ortsbegehung zu seinem Roman „Westend“.

Lesung

Männer in wehenden Mänteln

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Martin Mosebach und Bernd Eilert sprechen in der Reihe „Frankfurter Premieren“ über „Krass“.

In der live gesendeten Kulturamts-Reihe „Frankfurter Premieren“ sprachen Martin Mosebach und Bernd Eilert über das Personal in Mosebachs neuem Roman „Krass“, wie man über Menschen spricht, die man kennt, aber nicht so gut, dass man sie völlig durchschaut. Menschen, die einen immer noch neugierig machen.

Dasselbe galt letztlich für die Konstruktion des Romans selbst, dessen Motivreichtum Mosebach gelegentlich selbst zu überraschen schien (so viel zu dem Thema, dass häufig der Eindruck entsteht, bei diesem Autor falle keine Feder vom Wellensittich, ohne dass er es will). Eilert zog zum Beispiel eine Linie vom Spiegelbild eines Sterbenden in dem Alexandermosaik, das heute in Neapel ausgestellt wird, und dem Spiegel, den Lidewine Schoonemaker sehr viel später einem Toten vorhalten wird. Man selbst war vielleicht schon froh, einen Zusammenhang zwischen dem Alexander-Bild und der sich im Wasser spiegelnden Bachstelze bemerkt zu haben.

Mosebach erklärte, der Titelheld Ralph Krass – eine Figur, die durch ihren Namen mitgeformt worden sei, erst dadurch überhaupt erste Umrisse bekommen habe – sei ein Fantast, ein Illusionist, der sich auf dünnem Eis bewege. Ein „Don Quijote der Macht“, sagte Mosebach, was in diesem Fall ein unstimmiges Bild ist, aber ein fesselndes. Mosebach hatte auch nichts dagegen, dass Eilert auf Donald Trump zu sprechen kam. Der wehende Mantel, der zugleich über dem Bauch nicht mehr zu schließen ist (oder vielleicht noch nie zu schließen war), lieferte hier ein gemeinsames äußeres Merkmal. Ebenso der Popanz des geschäftlichen Erfolgs, der zugleich bei näherer Hinsicht total in Frage steht.

Dass das alles so wirkte, als ginge es um das Leben und nicht um künstlerische Finesse: bemerkenswert und ein besonderes Vergnügen gerade für die, die das Buch schon kennen und denen es ähnlich vorkommen dürfte. So war auch die Beobachtungsgabe des Dr. Jüngel ein Thema. Mosebach: Nur der unsichere, ständig um seine eigene Außenwirkung besorgte Mensch könne ein guter Beobachter sein. Krass sei dazu sicher nicht in der Lage (wie im letzten der drei Romanteile auch praktisch vorgeführt wird). Eilert: Natürlich wisse man zugleich nicht, was Jüngel objektiv betrachtet sehe und ob er es also richtig schildere. Aber auch er, Eilert, falle auf ihn herein.

Man fällt übrigens auch herein, wenn man Eilert so ohne weiteres abnimmt, dass Hella (am Anfang des Romans die Freundin des Dr. Jüngel) „unattraktiv“ sei. Projektionen und Vorbehalte blieben ansonsten aus beziehungsweise blieben im Roman. Eilerts Strategie, so zu tun, „als würden wir über den Inhalt reden“, ohne diesen zu verraten, wurde zudem fast perfekt eingelöst.

Die „Frankfurter Premieren“ können über Youtube weiter angeschaut werden. Im Radio wird der Mitschnitt auf hr2 am 16. Februar, 22 Uhr, gesendet.

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