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Die Redaktion von "Unter Dreißig" im Presseraum Fantasie 2

Adieu Buchmesse

Die „Unter Dreißig"-Redaktion verabschiedet sich

Das war's mit der Frankfurter Buchmesse 2019. Wir fahren müde, aber glücklich und voller neuer Eindrücke zurück nach Berlin. Eine kleine Kostprobe unserer Beobachtungen auf dem Weg zu unseren Presseterminen und vom Ende der Messe gibt es hier. Bis zum nächsten Jahr!

Der Mann mit dem dunkelblauen Maßanzug, der neben seiner feinen Ledertasche noch zwei Beutel über der Schulter trägt, einen Turnbeutel von „Frankurt Kids" mit einer pinken Krake und einen FAZ-Beutel mit der Aufschrift „Wissensträger“.

Die beiden Frauen am Spiegel-Stand , die über den sich optisch mehr und mehr einem Weihnachtsmann annähernden Reinhold Messner sprechen: „Alt ist er geworden.“ – „Aaach, der sieht schon noch gut aus!”

Der kle ine Junge , der vor seinem Vater auf der überfüllten Rolltreppe steht und von dessen Knien nach oben blickend ruft: „Hallo Papa, hier bin ich!“

Und der Vater, der auf der überfüllten Rolltreppe an seinem langen, hellbraunen Bart entlang herunter zu seinem kleinen Sohn blickt, lacht und ruft: „Wie schön! Da bist du!“

Die Frauen vom Brasilien-Stand , die geschenkte Bücher in Denis-Scheck-Taschen wegtragen.

Das Mädchen im Frankfurt Kids-Bereich , das von vier Sanitätern mit roten Rucksäcken umringt, beharrlich und mit leiser Stimme insistiert, nicht mitgenommen zu werden, während nebenan kleine Kinder an einem langen Tisch basteln.

Der Businessmann , der von einem versteckten Platz aus den Cosplayern zusieht und dabei so aussieht, als würde er von fremden Welten träumen.

Das Kleid der Cosplayerin , dessen Schleppe so lang ist und aus so viel Tüll besteht, dass beim Betreten der Rolltreppe vier Freund*innen gebraucht werden, um sie anzuheben.

Der Mann im Zuschauerraum der Cosplaymeisterscha ft, der sich vier längliche Tabletten einwirft, bevor das lila-pink illuminierte Spektakel beginnt.

Die Moderatoren ebenjenes Events , die in unsicheren Momenten fast immer in Sexismus verfallen.

Der Journalistenkollege, der wie gebannt auf die Live-Übertragung des Kostümwettbewerbs starrt, obwohl der nur eine Etage tiefer stattfindet.

Der junge Mann, der seinem Mitarbeiter lässig eine leere Plastikflasche herüberwirft, die der aber nicht fangen kann, sodass der Knall des Aufpralls zwölf Journalist*innenköpfe aus ihrer Pressewelt hochschrecken lässt.

Der kleine Junge, der mit vier Cosplayern vor zehn Menschen tanzt und sich umdreht, als jemand laut „Jason“ ruft.

Der ältere Herr, der durch den Gang läuft, mit seinem Gehstock auf den Teppichboden hämmert und im Takt „Das passt so nicht" murmelt.

Die sich leerende Halle 5.0, durch die Menschen mit Koffern und Kisten laufen, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Die junge, nur halb abgeschminkte Frau, die, umgeben von mehreren Koffern, aus denen Stoff- und Tüllfetzen eines Cosplaykostüms hängen, erschöpft im Gang zur U-Bahn sitzt und auf die Frage, ob sie Hilfe brauche: „Nö, passt schon", sagt.

Der rote Teppich, der sich durch die Hallen schlängelte und nun eingerollt wird, um woanders auf seinen neuen großen Auftritt zu warten. 

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