Hajo Seppelt

Hajo Seppelt auf der Buchmesse: Der Spielverderber des Sports

  • schließen

Der Journalist Hajo Seppelt stochert in der scheinbar heilen Welt der Athleten, sein Buch erzählt davon. Dabei könnte doch alles so schön sein.

Hajo Seppelt ist keiner, der abends mit den besten Sportlern in der Kneipe sitzt und deren Erfolge feiert. „Ich bin weder ihr Freund noch ihr Feind“, sagt er. „Ich bin Beobachter.“ Und in dieser Funktion stößt er dann auch schon mal auf Dinge, die die besten Sportler und ihre besten Freunde lieber für sich behalten hätten. Doping zum Beispiel.

„Feinde des Sports“ (Ullstein-Verlag) heißt das Buch, das der Sportjournalist Seppelt auf der Messe vorstellt. Es erzählt von den Recherchen des Mannes, den man „den Enthüller“ nennt. Er geht Dingen so auf den Grund, dass ihm Russland die Einreise zur WM 2018 verweigerte – aus Angst vor mehr Enthüllungen.

Dabei, sagt FR-Sportredakteur Jan Christian Müller beim Gespräch am Stand der Frankfurter Rundschau, „dabei müsste man Ihnen doch dankbar dafür sein, dass Sie das alles an die Öffentlichkeit bringen.“ – „Wir sind eher gefürchtet, als dass wir unterstützt werden“, entgegnet Seppelt. Er weiß auch genau, warum das so ist. „Solange Doping unentdeckt bleibt, ist das doch super für alle“, sagt er, und alle Zuhörer wissen, dass er natürlich das Gegenteil meint. Die Sportler könnten mit den verbotenen Substanzen bessere Leistungen abrufen, das Fernsehen habe schönere Übertragungen, die Zuschauer freuten sich, die Funktionäre freuten sich ganz besonders, denn tolle Bilder von tollen Leistungen sorgen für höhere Werbeeinnahmen, und die Sponsoren verkaufen mehr von ihren Produkten.

Er muss dazwischenfunken

„Das Beste wäre doch: Doping bleibt unentdeckt“, sagt der 56-jährige, vielfach ausgezeichnete „Sportjournalist des Jahres 2018“, vom „Medium Magazin“ gekürt. Und wer will denn dazwischenfunken, wenn mit Doping alles so schön ist? Hajo Seppelt will. Oder besser gesagt: Er muss. „Ich schaue mir das an, denn es ist meine Aufgabe, das ist mein Beruf.“

Es gehe um die Wahrheit, sagt er. „Es geht um Korruption, Ausbeutung, es geht um sexuellen Missbrauch, diese Geschichten gehören in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dafür ist das Geld gut angelegt.“

Dafür machen er und das Team auch schon mal die Nacht zum Tag, wenn etwa eine Recherche in den USA ansteht. Wenn er wieder in ein Korruptionsnest gestochen hat. Wenn er wieder der Spielverderber ist, obwohl doch alles so schön sein könnte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion