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Kathrin Bach

Buchmesse Newcomer

Im Gespräch mit ... Kathrin Bach

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Sie kennt den Literaturbetrieb aus den unterschiedlichsten Perspektiven: Kathrin Bach ist Lyrikerin, Buchhändlerin und seit neuestem auch Jungagentin.

„Übrigens, keine Gewähr, für die Aussagen, die ich hier gleich treffe, weil ich letzte Nacht sehr wenig geschlafen habe, ich war auf der KiWi-Party.” Kathrin Bach zeigt mir ihr Eintrittsbändchen. Schlafmangel ist ein Ding hier bei der Frankfurter Buchmesse. Ich für meinen Teil bin ausgeschlafen und habe keine Ahnung, was eine Literaturagentin eigentlich so macht. Deshalb haben wir uns auf dem Messegelände verabredet.

Eigentlich wäre ich gerne mit ihr in den Agent*innenbereich gegangen. Aber hier darf nur rein, wer einen ganz offiziellen Businesstermin mit einer Agentur hat. Im 30-Minuten-Takt treffen sich Agent*innen mit Verlagen und versuchen, ins Geschäft zu kommen. Die Plätze sind heiß begehrt und teuer. Kathrin und ich stehen mit einer Brezel im Außenbereich der Messe, immerhin auf einem roten Teppich.

Seit Januar 2019 macht die 31-Jährige ein Volontariat bei der Literarischen Agentur Michael Gaeb in Berlin, ein Jahr soll es dauern. Nachdem sie für viele befreundete Autor*innen in ihrer Freizeit sowieso schon versuchte, Kontakte zu vermitteln, entschied sie sich irgendwann dazu, damit auch Geld zu verdienen. Sie kündigte ihren unbefristeten Job in einer Buchhandlung, der ihr zwar Spaß machte, aber sie auch unterforderte und heuerte bei der Berliner Agentur an. „Wir akquirieren auf unterschiedlichen Wegen Autor*innen und versuchen, sie an Verlage zu vermitteln.“ Bis zur erfolgreichen Vermittlung verdient die Agentur damit kein Geld. Kommt es zu einem Deal zwischen Verlag und Autor*in, bekommt sie 15 Prozent Provision von dem Vorschuss, den der Verlag an die Autor*in zahlt.

Die Zusammenarbeit zwischen Agentur und Schreibenden entsteht auf unterschiedliche Art und Weise. „Mal wird man durch Wettbewerbe auf Autor*innen aufmerksam, mal durch Beiträge in Literaturzeitschriften, viele Schreibende reichen ihre Texte auch selbst bei der Agentur ein.“ Literaturagenturen seien in Deutschland mittlerweile üblich, weil ihre Vermittlungsarbeit vor allem unbekannte Autor*innen einen Schritt näher in Richtung Verlag bringe. „Verlage nehmen Titel auch einfach ernster, wenn sie von einer Agentur angeboten werden.“

„Oft sind wir die ersten Ansprechpartner für unsere Autor*innen, weil sie sich bei uns zu Hause fühlen“

Es ist eine Rundumbetreuung, die die Agentur Michael Gaeb ihren Autor*innen bietet. Auf Wunsch wird hier sogar lektoriert, das spart den Verlagen dann wiederum Arbeit. Aber ob sie sich in Zukunft ausschließlich auf das Agent*innendasein oder die Arbeit der Lektorin konzentrieren will, weiß Kathrin noch nicht: „Der Job der Agentin ist ein krasser Adrenalinjob, da geht es immer sehr viel ums Dealen und Pokern. Das ist sehr nervenaufreibend.“

Nervenaufreibend ist es auch auf der Messe. Denn Kathrin muss los, der nächste Termin wartet. Was anders ist, jetzt, da sie als Agentin hier ist? Freunde wollen sich auf der Messe mit ihr auf einen Kaffee treffen, dafür hat sie aber keine Zeit, weil sie jetzt Business macht.

In der Rubrik "Unter Dreißig" berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse. 

Im Gespräch mit ...

Nicht alle Menschen auf der Frankfurter Buchmesse sind alte Hasen im Literaturbetrieb. Wir stellen die Newcomer und Literaturprofis von Morgen vor und sprechen mit Agent*innen, Autor*innen, Journalist*innen, Lektor*innen und Verleger*innen.

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