+
Charlotte von Lenthe arbeitet im Lektorat bei Hanser

Buchmesse Newcomer

Im Gespräch mit ... Charlotte von Lenthe

  • schließen

Für den Hanser Verlag lektoriert Charlotte von Lenthe als Lektoratsassistentin internationale Titel. Die Buchmesse ist einer der wichtigsten Termine für sie im Jahr, entdeckt sie hier neue Stimmen  und kommt mit Autor*innen und Verleger*innen aus der ganzen Welt in Kontakt.

Das Wetter in Frankfurt bleibt trüb. Während es draußen leicht regnet, sitze ich in der großen Halle des Pressezentrums so gut wie alleine. Sonntag ist die Messe für die meisten einfach schon vorbei – die großen Lesungen, Partys, Empfänge passé. So ist auch Charlotte von Lenthe nicht mehr vor Ort, meine letzte Interviewpartnerin für die Newcomer-Reihe.

„Ich bin gerade noch in Darmstadt bei einer Freundin, um mich ein bisschen von der Messe erholen“, erzählt die 30-Jährige mir am Telefon. Von Mittwoch bis Freitagabend war sie auf der Buchmesse und hatte einen straffen Terminkalender. „Die meiste Zeit habe ich bei den Agenturen verbracht, die mir neue Titel gepitcht haben, oder in Halle 5 und 6, wo die internationalen Verlage sitzen.“ Als Lektoratsassistentin schließt sie keine Deals mit Agenturen oder Autor*innen ab wie die Lektor*innen bei Hanser, ansonsten deckt sich ihr Aufgabenfeld. Neben Englisch spricht sie fließend Italienisch, so ist sie bei Hanser vorwiegend für italienische Titel zuständig. „Kanada ist nächstes Jahr das Gastland, deshalb habe ich mich mit vielen kanadischen Agent*innen und Verleger*innen unterhalten.“ Ich notiere mir: Lit-Trendsetterin. Klar, Lektor*innen sind natürlich immer der gerade erschienen Literatur voraus. „Im Unterschied zum deutschsprachigen habe ich es im internationalen Lektorat mit Texten zu tun, die schon einige Arbeitsschritte durchlaufen haben und somit häufig weniger roh sind. Dadurch habe ich natürlich weniger Gestaltungsmöglichkeit, andererseits sind die Texte oft auch schon weiter“, fährt sie fort. Besonders eng arbeitet Charlotte von Lenthe mit den Übersetzer*innen zusammen, die sich wiederum mit den Autor*innen austauschen, „Neben dem Handwerk am Text ist das Zwischenmenschliche und eine gute Kommunikation wahnsinnig wichtig. Man arbeitet ja als Team und möchte, dass das Endergebnis so gut wie möglich wird.“ Schon früh hat sich die studierte Politikwissenschaftlerin für Literatur interessiert und einige Praktika in dem Bereich gemacht, bevor sie 2018 ein Volontariat im Lektorat bei Hanser Berlin machte.

Literatur ist für sie Zufluchtsort, intellektuelle Herausforderung und Bereicherung. „Natürlich kann ich nicht mit jedem Ton oder jeder Geschichte etwas anfangen. Auch ich habe persönliche Vorlieben oder einen Geschmack. Aber wir suchen uns in der Regel ja die Titel aus, die wir machen möchten, deshalb kommt das eher selten vor. Und ich habe natürlich Glück - bei Hanser ist die Qualität der Texte meist sehr hoch.“

Die eigentliche Messearbeit fängt für Charlotte von Lenthe und ihre Kolleg*innen bereits nach der Sommerpause an, wenn die meisten Agenturen Texte für die Buchmesse geschickt haben, „Lesen, lesen, lesen, heißt es dann“, erzählt sie, „erzählt sie, „und danach auch. Während der Messe bespricht man ja mögliche neue Titel, für die ich dann die Texte zugeschickt bekomme.“ Momentan sitzt sie an einem Erzählband von Roberto Bolaño, der Titel hat allerdings nichts mit der Frankfurter Buchmesse zu tun, sondern ist Tagesgeschäft.

In der Rubrik "Unter Dreißig" berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse.

Im Gespräch mit ...

Nicht alle Menschen auf der Frankfurter Buchmesse sind alte Hasen im Literaturbetrieb. Wir stellen die Newcomer und Literaturprofis von morgen vor und sprechen mit Agent*innen, Autor*innen, Journalist*innen, Lektor*innen und Verleger*innen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion