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Lässt sich vom Genre auf den Kleidungsstil von Autor*innen schließen?

Frankfurter Buchmesse Stilkritik

Ausdrucksstarker Stoff

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Buchmesse bedeutet auch Imagepflege. Aber wie prägt das Genre die Garderobe und die literarische Arbeit das Auftreten von Autor*innen? Ein Überblick in vier Typologien – natürlich mit Augenzwinkern.

Sachbuch-Autor*innen

Sachbuch

Alles ist Sachbuch-Autor*innen wichtiger als die Kleidung, aber trotzdem ist die irgendwie auch wichtig. Es geht ihnen um Effizienz und Kompetenz, also wird zu Anzug oder Kostüm gegriffen – stoffgewordene effiziente Kompetenz. Aufregend ist diese Wahl nicht, soll sie auch nicht sein. Sie soll dasselbe vermitteln wie die aufgeräumten Buchcover der Sachbücher: Hier wird sich nicht mit Nichtigkeiten aufgehalten, hier wird Wissen vermittelt, weitergedacht, diskutiert und priorisiert. Textil bedeutet das: blaue Blazer und weiße Hemden, kein Firlefanz, alles clean und clever ausgewählt. Die besonders imagebewussten Sachbuch-Autor*innen zeigen sich in eben dieser Garderobe in Denkerpose auf dem Cover ihrer Werke. Aber: Die männlichen Autoren immer ohne Krawatte. Die ist dann doch zu spießig.

Krimi-Autor*innen

Kriminalliteratur

Krimi-Autor*innen sind im Auftreten ebenso unberechenbar wie die Taten ihrer Mörder*innen. Und ebenso schwer zu kategorisieren. Sie tragen alles, was auch auf den Minigolfplatz, in die Schlange vorm Billigflieger oder in den Biergarten passen würde. Bluejeans, Polo-Hemden mit offenem Kragen, Slogan-T-Shirts und ausgelatschte Sneaker. Natürlich nicht das allerneueste Modell, denn es gilt ja, Morde aufzuschreiben und nicht Schuhe zu shoppen. Während das Cover des achten Skandinavienkrimis betont düstere Waldszenen abbildet, sind Krimi-Autor*innen – in ihren Lederjacken lustig-lässig am Biertrinken, natürlich aus der Flasche – fast schon zu auffällig unauffällig gekleidet.

Fantasy-Autor*innen

Fantasyliteratur

Die Stände sieht man schon vom anderen Ende der Halle: Es leuchten Sterne oder Girlanden oder Tücher oder alles über- und durcheinander. Die Buchcover sind grell und glitzern – das Visuelle ist bis zum Maximum aufgedreht. Die Autor*innen sind es auch. Hier geht es schließlich um Fantasie, um Haarfarben, die nur artifiziell sein können, Stirnbänder mit Katzenohren und Gliederketten wie Spinnennetze. Die Garderobe ist übernatürlich und natürlich drüber, denn wer sphärische Welten aufs Papier bringen will, muss das Paranormale ja irgendwo finden – vielleicht auch in sich selbst.

Kinderbuch-Autor*innen

Kinderliteratur

Jegliche Motive von Kinderzimmer-Tapeten gibt es auch in textiler Form. Die Wand zum Anziehen tragen, das ist das Charakteristikum der Kinderbuch-Autor*innen. Das grenzt mitunter an visuelle Reizüberflutung, soll aber wohl eigentlich beschwichtigend wirken. Ganz besonders beliebt sind deshalb die etwas abgeschwächten Versionen der Muster-Überladung: Punkte, Streifen, Blümchen, auf Blusen, Hemden, T-Shirts. Außergewöhnlich genug, um auch einem Sechsjährigen aufzufallen, und einförmig genug, um eben diesen Sechsjährigen nicht zu überfordern. Anders als die Kollegen, wollen Kinderbuch-Autor*innen möglichst nahbar rüberkommen und so universell für gut befunden werden – wie Geburtstagskuchen oder Hundewelpen oder eben Pünktchenblusen.

In der Rubrik "Unter Dreißig" berichten Studierende aus Berin von der Frankfurter Buchmesse.

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