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Fingerspiele in der Performance „Pulp“.

Frankfurt LAB

Und dann kommt auch noch klebriger Schleim ins Spiel - Frankfurt LAB feiert 

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Das Frankfurt LAB feiert Zehnjähriges und blickt in die Performance-Zukunft.

„Zwanzig Jahre Frankfurt LAB“ lautet die Losung der zweiten Ausgabe des FLAB Festivals for Performing Arts – aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der von fünf Institutionen – dem Ensemble Modern, der früheren Forsythe- und heutigen Dresden Frankfurt Dance Company, dem Mousonturm, der Hessischen Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst – gemeinschaftlich gegründeten Produktions- und Spielstätte, die sich als ein spartenübergreifendes Laboratorium für das Futur in den Künsten definiert. Zwanzig Jahre... – das ist eine antizipatorisch-appellative Parole mit Blick auf die Verwirklichung eines Kulturcampus in Bockenheim, an dem auch das LAB künftig seinen Platz haben soll.

Zur Eröffnung der fünf Festivaltage hat das Ensemble Modern unter dem Titel „Improvisation Visionaire“ ein Konzert im LAB gegeben, unter Nutzung eines wechselseitigen Livestreamings haben die von Jacopo Godani in Szene gesetzten Tänzerinnen und Tänzer der Dresden Frankfurt Dance Company am Ort des projektierten Kulturcampus zu der über Kopfhörer zugespielten Musik getanzt, die Bilder wiederum sind ins LAB übertragen worden. Das ist zunächst gescheitert, weil des zur gleichen Zeit in der Nähe stattfindenden Zieleinlaufs des Marathons wegen das Handynetz überlastet gewesen ist. 

Auch nach dem verspäteten Beginn „hingen“ die Bilder anfänglich noch ruckartig. So brillant ausgewählt wie furios und tatsächlich in einem improvisatorischen Gestus gespielt erschien die Folge der zum Großteil aus der Produktion des 21. Jahrhunderts stammenden Musiken von den Komponisten Jörg Widmann, Claus-Steffen Mahnkopf, Hanspeter Kyburz, Chikage Imai, Oliver Knussen, Ondrej Adámek, Frank Zappa und Bernhard Gander. Interessant auch die Architekturstudie vom alten Campus der Universität samt Passanten, die zu Statisten wurden. Ausgerechnet der Tanz allerdings blieb in seinen Körperwindungen, mal in zerstreuter, dann in geballter Gruppe, zu zweit oder zu viert, spannungsarm und unverbindlich.

Frankfurt LAB: Festival noch bis zum 16. Juni. www.flabfestival.com

Weitaus formbewusster präsentierte sich später an diesem Abend die gemeinsam mit einem fünfköpfigen Ensemble entwickelte Tanzperformance „Pulp – History As a Warm Wet Place“ von Carolina Mendonça, hervorgegangen aus einem Studienprojekt am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Am Anfang liegen alle fünf Performer, gekleidet in bizarre Kostüme zwischen Couture und Vergangenheit, am Boden; wie in einem Ritual heben vier von ihnen gemeinsam den fünften hoch und legen ihn nach einer Weile wieder ab. Solange, bis jeder mal an der Reihe gewesen ist.

Später kommt es zu immens variationsreichen Aktionen mit den Händen. Irgendwann kommt ein klebriger Schleim ins Spiel der sich nun eng umeinander wälzenden Körper. Das Geschehen wirkt kryptisch, die Stichworte im Programmheft lauten: „eine intuitive Archäologie (…), die Überreste und Referenzfetzen des 17. und 18. Jahrhunderts verdaut“. Jedenfalls ist dieses über weite Strecken stille Stück von einer unerhörten Dichte und Intensität.

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