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Perfekter Alptraum, reale Kopfgeburt.

Comic

„Freaks“ – Was in uns steckt

  • vonMichael Schleicher
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Frank Schmolkes kraftvoller Comic „Freaks“, der auf dem gleichnamigen Drehbuch von Marc O. Seng basiert.

Es gibt eine Zeichnung von Frank Schmolke aus dem Jahr 1999. Von oben, aus dem Nichts, greift da eine Hand nach dem Kopf eines Mannes und schraubt ihn ab. „So, Feierabend!“, tönt eine Stimme aus dem Off. Obwohl diese Arbeit tatsächlich nichts damit zu tun hat, führt sie direkt hin zu „Freaks“, dem neuen Buch des Illustrators und Zeichners, der 1967 in München geboren wurde. Denn Schmolkes Comic-Roman, für den sich Marc O. Seng die Geschichte ausgedacht hat, dreht sich um die Frage, was geschieht, wenn unser Hirn abschaltet, Feierabend macht. Welche Kräfte werden da frei? Aber auch: Welche Dämonen schaufeln sich dann an die Oberfläche?

Im Zentrum der Erzählung steht Wendy. Der jungen Mutter wird eingeredet, dass sie ihr Leben nur mit Psychopharmaka im Griff habe. Als sie die Medikamente absetzt, brechen jedoch nicht nur Emotionen ungefiltert hervor, sondern auch übermenschliche Fähigkeiten. „Für jedes ungewollte Gefühl gibt es heutzutage die richtige Pille“, schreibt Autor Seng im Nachwort. „Doch was, wenn all die bunten Pillen nicht nur unsere unbequemen Emotionen im Zaum halten sollen – sondern noch viel mehr?“

Das Buch

Frank Schmolke: Freaks. Edition Moderne, Zürich 2020. 240 Seiten, 28 Euro.

Klar, das Thema ist nicht neu, gerade die (Pop-)Kultur variiert es gerne und oft. Das Besondere an „Freaks“ ist, dass Frank Schmolke damit zwar einen Superhelden-Comic vorlegt, das Genre aber reflektiert und pointiert erdet: Er zeigt schlicht Menschen, die schwer zu kämpfen haben mit dem, was mit und durch sie geschieht. Das ist spannend.

Kraftvoll wie immer ist der Stil des Künstlers, der, wie bei seinem Erfolgsbuch „Nachts im Paradies“ über seine Zeit als Münchner Taxler, schwarz-weiß zeichnet. Sein besonderes Interesse gilt hierbei den Gesichtern, in solchen Detailaufnahmen verrät Schmolke vieles über seine Figuren.

„Freaks“ basiert auf dem Drehbuch von Marc O. Seng, die Geschichte wurde zunächst in einer Kooperation von Netflix und ZDF verfilmt. Beim Streamingdienst läuft der Thriller bereits; das Zweite strahlt die Produktion, in der etwa Nina Kunzendorf, Cornelia Gröschel und Wotan Wilke Möhring mitwirken, 2021 aus. Schmolke hat den Film vorab nicht gesehen, um seine Version ungestört entwickeln zu können.

Das ist geglückt: wuchtig, düster, mitreißend. Wie sagte bereits 1999 der Typ auf der Zeichnung, als es vorbei ist und sein Kopf abgeschraubt? „Och, Menno. Jetzt schon?“ Berechtigte Frage.

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