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Fragen der Verteilung

Die Beziehung zwischen Wirtschaft und menschlichem Charakter ist nicht eindeutig. Max Weber behauptet, dass eine bestimmte religiöse Grundhaltung erst den

Von RUDOLF SPETH

Die Beziehung zwischen Wirtschaft und menschlichem Charakter ist nicht eindeutig. Max Weber behauptet, dass eine bestimmte religiöse Grundhaltung erst den Geist des Kapitalismus ermöglicht hätte. Karl Marx und später Michel Foucault sehen im Kapitalismus und in der Politik die Ursache für die Entfremdung des Menschen von sich selbst und die Deformierung seines Charakters.

Wolfgang Hantel-Quitmann und Peter Kastner folgen in Der globalisierte Mensch der Deformationsthese. Die Globalisierung als jüngste Stufe kapitalistischer Entwicklung würde den Menschen auf ein beziehungsloses Individuum reduzieren, das nur noch den Gesetzen des Marktes gehorche.

Die Aufsatzsammlung bietet aber keine fundierte Auseinandersetzung mit den Thesen, die Richard Sennett und andere schon seit längerem vortragen. Dazu sind die Beiträge zu disparat und dazu geht es auch um zu viel, als dass man die Fundamentalfrage über die Zukunft der abendländischen Vorstellung des Individuums als sich selbst bestimmendes Wesen, einfach abschließend behandeln könnte.

Vorherrschend in den Beträgen ist aber ein resignativer Ton, der das Diktat der Ökonomie bis in die Paar-Beziehungen hinein verfolgt. Am greifbarsten ist noch der Beitrag von Joachim F. K. Christopeit, der Überlegungen zur Persönlichkeitsveränderung und zu Entfremdungsprozessen von Managern in globalisierten Unternehmen anstellt. Gerade hier wäre allerdings eine empirische Basis für die Thesen nötig, sonst unterscheidet man sich kaum von der kulturkritischen Perspektive.

Das Recht auf Nahrung

"Hunger ist in erster Linie eine Verteilungsfrage." Und Verteilungsfragen sind bekanntlich Machtfragen. Auf dieser These basiert der jüngste Basistext von Attac, den Aktivisten des "FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk" (Fian) verfasst haben. Die Autoren beziehen sich dabei auf das Vorhaben des UN-Welternährungsgipfels, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Für den Hunger von mehr als 209 Millionen Menschen machen sie vor allem die Globalisierung verantwortlich.

Am stärksten von Hunger betroffen sind einige Länder Afrikas, in denen bis zu 70 Prozent der Bevölkerung nicht genügend zu essen haben, und Bangladesh mit einer Quote von 30 Prozent. Vor allem Kleinbauernfamilien und Landarbeiter leiden darunter. Als Ursache gilt besonders der fehlende Zugang zu den Ressourcen - zu Land, Wasser und Krediten.

Die Fian-Autoren werfen Weltbank, WTO und Industrieländern vor, diese würden eine Politik gegen die Hungernden betreiben. Als Lösung schlagen sie vor, die sozialen Menschenrechte weltweit zu stärken. Es müsse ein Recht auf Nahrung geben, das einklagbar ist.

Hier geraten die staatlichen Institutionen in den betroffenen Ländern ins Visier, die oft korrupt und ineffizient sind. Überdies sollen Staaten wie die Bundesrepublik, also die Geberländer, verpflichtet werden, bestimmte Handlungen zu unterlassen.

Der Inder Amartya Sen, Träger des Nobelpreises für Wirtschaft, hat gezeigt, dass Hunger auch durch Demokratisierung und funktionierende Institutionen bekämpft werden kann. Für ihn bedeutet Entwicklung vor allem die Freiheit der Menschen, ein Leben führen zu können, das sie schätzen. Und das beinhaltet auch die Teilnahme am Markt.

Wolfgang Hantel-Quitmann / Peter Kastner (Hrsg.): Der globalisierte Mensch. Wie die Globalisierung die Menschen verändert. Psychosozial-Verlag, Gießen 2004, 283 Seiten, 19,90 Euro.

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