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Ja, man wartet auf die Rückkehr zum Gewusel.
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Ja, man wartet auf die Rückkehr zum Gewusel.

Leipziger Buchpreis

Földenyi und Pitts: Unterwegs mit Melancholie

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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László Földényi und Johny Pitts in Leipzig ausgezeichnet, wo das große Lesen ohne Buchmesse begonnen hat.

Die Überreichungen der Leipziger Buchpreise zur Europäischen Verständigung 2020 und 2021 gehörten noch einmal ganz und gar ins Fach des Pandemie-Arrangements. Dass zur Messezeit 2020, daher die Doppelung, keinerlei Veranstaltungen möglich waren, gab zusammen mit sinkenden Infektionszahlen dem Patchwork jetzt immerhin einen optimistischen Grundton. Ein paar Menschen in der Leipziger Nikolaikirche applaudierten zudem kräftig.

Die Laudatio auf den Preisträger 2020, László Földényi, wurde nur noch gedruckt nachgereicht, dafür saß Laudator Adam Soboczynski im Publikum, und Földényi konnte sich direkt bedanken. Der Preisträger 2021, Johny Pitts, wiederum war aus England zugeschaltet, Laudatorin Elisabeth Ruge lobte in Leipzig.

Földényis „Lob der Melancholie“ (2019 bei Matthes & Seitz) und Pitts’ „Afropäisch“ (2020 bei Suhrkamp) passen gut zueinander, indem sie theoretisch und praktisch ihren Zweifel und ihre Verzweiflung an den Gegebenheiten konzentriert ausformulieren und erforschen. Der Ungar Földényi, Jahrgang 1952, erklärte in Leipzig, in der Melancholie deute sich „der dunkle Schatten der jeweiligen Welt an“, deren Einrichtung „Melancholiker nie als eine endgültige sehen“. Die Melancholie werfe „den Schatten des Zweifels auf jede noch so selbstsicher anmutende Erklärung“.

Der Engländer Pitts, 1987 als Sohn einer weißen britischen Arbeiterin und eines schwarzen Soulmusikers aus New York geboren, schildert auf seiner „Reise durch das schwarze Europa“ eine Desillusionierung. Das Wort „afropäisch“, die Verheißung eines bindestrichlosen Komplettseins und Dazugehörens, wie Ruge betonte, habe sich aus der Sphäre der Musik und Mode keineswegs in die europäischen Gesellschaften übertragen lassen. Denn dort, lehrt „Afropäisch“, sind Schwarze keineswegs als nicht großer, aber einfach vorhandener Anteil anerkannt und wahrgenommen, geschweige denn respektiert.

Er sei mit Melancholie gereist, sagte Pitts in seinen Dankesworten vor einem krass schicken und völlig ineffizienten Bücherregal-Blickfang. Der Autor und Fotograf erinnerte daran, was es für Schwarze in Europa bedeutet habe, als nach Jahren der (noch so illusionären) Hoffnung politischerseits (auch durch Angela Merkel) das Scheitern der multikulturellen Gesellschaft erklärt worden sei. Mit Blick auf England betonte Pitts, wie mit Finanzkrise und Brexit die für die Insel so besonders wichtigen Errungenschaften der Vorjahre – er nannte das volle Durchschlagen der Erasmus-Programme für Studierende – wieder zerstört worden seien. Er aber lasse sich dadurch erst recht nicht das Gefühl nehmen, Europäer zu sein.

In einer kleinen vorgeschalteten Gesprächsrunde blickte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, recht optimistisch nach vorne. Mit Blick auf die zurückliegenden Monate sagte sie: „Wir pflegen im Moment, finde ich, nicht zur Genüge den intellektuell differenzierten Diskurs, für den unsere Branche eigentlich steht und stand und stehen wird und stehen sollte.“ Das sei durch die blank liegenden Nerven in der Krise zwar nachvollziehbar. Fragen jedoch, ob Wörter auch in Anführungsstrichen unverwendbar seien, wie weit Satire gehen und wer wen übersetzen dürfe, müssten zwar verhandelt werden. Aber „wir sollten es nicht auf Twitter tun. Wir müssen wieder miteinander sprechen, wir müssen uns wieder in die Augen schauen“.

„Leipzig liest extra“ vor Ort und im Stream: bis 30. Mai. Das Video der Preisverleihung ist via Youtube weiter zugänglich. Heute, Freitag, 16 Uhr, werden die Preise der Leipziger Buchmesse vergeben. www.leipziger-buchmesse.de

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