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Die Flucht vor dem Sellerie-Bratling

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Neue Kinderbücher, auch mit Tieren.
Neue Kinderbücher, auch mit Tieren. © REUTERS

Unglaubliche Kraftgürtel, blaue Hirsche, komische Kuchen und andere Wunder der fantastisch-realistischen Kinderliteratur: Neue Bücher von Craig Silvey, Edward van de Vendel, Matthias De Leeuw, Eva Muszynski und Karsten Teich.

Von Cornelia Geißler

Er könnte Superman heißen, wegen seiner besonderen Fähigkeiten. Liam, zwölf Jahre alt, nennt sich aber „der maskierte Rächer“, wenn er seinen „unglaublichen Kraftgürtel“ anlegt, den Umhang überwirft und für Ordnung sorgt.

Im Tonfall von Heldenberichten erzählt Craig Silvey über den Jungen, der seine Fantasie einsetzt, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Der Autor lässt seine Leser mit Liams Augen sehen, der Blitze vorausahnen kann und seinen Hund mit Blicken steuern.

Er gibt diesem Jungen eine Rolle, die in der Kinderwelt fast verschüttgegangen ist unter Computerspielen und Lego-Großbaustellen: Er ist ein Guter, ein junger Robin Hood, ein Partisan im Dienste der Schwachen. Das ist ein großes Thema für ein kleines – übrigens detailverliebt gestaltetes – Buch.

Selbst wenn Liam Nachbarn auf platte Autoreifen hinweist oder lose Gartentor-Scharniere verschraubt, umgibt Craig Silvey das mit der Aura des Abenteuers. Eine schöne unglückliche Frau versorgt Liam mit einem besonderen Amulett; allerdings aus dem Nachttisch seiner Mutter. Dadurch bringt er sich selbst in Not – und muss noch über sich hinauswachsen.

Craig Silvey: Liam und das Amulett. A. d. Engl. von Bettina Münch. Ab 10 Jahre. Rowohlt Rotfuchs 2014, 96 S., 12,99 Euro.

Was Lena sieht, wird lebendig

In diesem Buch steckt ein poetischer Zauber, der noch nach dem Lesen bleibt. Edward van de Vendel erzählt in kurzen, rhythmisierten Sätzen als fürchtete er, zu viele Worte könnten das Wunder zerstören.

Matthias De Leeuw zeichnet daneben die Menschen mit wenigen Strichen und setzt mit Pastellkreiden leuchtende Farben dazu. Manchmal verschmelzen Schrift und Zeichnung zu einem Bild. Es geht um „Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche“; ja, Lena sah solche Tiere, 13 blaue Minihirsche, die ihr folgten, für sie tanzten, sie gar „Meisterin“ nannten.

Die kurze Begegnung ändert alles. Die Mutter glaubt, ihr Mädchen sei gewachsen, doch der Vater kann am Maßband nichts sehen. Es verändert sich auch Lenas Verhältnis zum wilden, oft jähzornigen Bruder – nur mit ihm teilt sie das Geheimnis. Edward van de Vendel kann Kinder verstehen, das hat er auch mit früheren Büchern gezeigt. Aber er kann sogar mit Kinderaugen sehen, Gestalten aus ihrer Fantasie zum Fliegen bringen.

Edward van de Vendel / Matthias De Leeuw: Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche. Aus dem Niederländ. von Rolf Erdorf. Gerstenberg 2014. 160 S., 14,95 Euro.

Indianer Bitte-Recht-Freundlich

„Für alle Kinder, die darauf gewartet haben“ lautet die Widmung in diesem Buch. Das sind viele. Mit Cowboy Klaus hat sich das Autorenduo Eva Muszynski und Karsten Teich eine große Schar nachwachsender Fans erzogen.

Von Teich stammen auch die Bilder – mit kulleräugigen Gestalten aus Tier- und Menschenreich bevölkert, mit lustigen Pflanzen bestückt. Das Tollste aber sind die Texte, die mit Wildwest-Klischees wie den sprechenden Namen der Indianer spielen, Bitte-Recht-Freundlich heißt er hier.

Und doch purzeln die Geschichten aus dem Kinderalltag zwischen Spiel und Erziehung. Diesmal kommen mit gesundem Essen gepeinigte Leserchen auf ihre Kosten, weil Klaus vor Sellerie-Bratlingen flieht. Getröstet werden Kinder mit Problemen beim Lesenlernen, weil die Kuh Rosi alle Rauchzeichen fehldeutet, „komisch kalter Kuchen“ entziffert, wenn es „komm mich bald besuchen“ heißt.

Und wenn ein Bär die Zahnpasta klaut, verkürzt sich das Abendritual.

Eva Muszynski / Karsten Teich: Cowboy Klaus und das Präriehund-Pau-Wau, Ab 6 Jahre. Tulipan, München 2014. 48 S., 7,95 Euro.

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