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Die Flamen und die Adjektive

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Von: Sylvia Staude

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Buchmesse-Schwerpunkt: Die flämische Autorin Saskia de Coster liest in der Frankfurter Romanfabrik.

In Frankfurt treffen die ersten Buchmesse-Gastland-Wellen auf, und die flämische Autorin Saskia de Coster – und bildende Künstlerin, Songtexterin, Journalistin, literarische Performerin ... – bot nun in der Romanfabrik eine gute Möglichkeit, ein paar Erklärungen zum Doppel-Auftritt „Flandern & Die Niederlande“ zu bekommen. Zum Beispiel anhand der Frage von Romanfabrik-Chef Michael Hohmann, wie denn in Belgien das kulturelle (nicht das politische, betonte er, das führe doch zu weit) Verhältnis zwischen Wallonen und Flamen sei. „Null existent“, sagte da Saskia de Coster forsch – durchs Publikum ging ein leises Raunen – und führte aus: Sie habe eigentlich keinen Kontakt zu Kollegen in Wallonien, es gebe doch eine deutliche Sprachgrenze. So würden nur fünf Prozent der Bewohner Brüssels Flämisch sprechen; als Flame dort etwa nach dem Weg zu fragen und zu erwarten, dass einem auf Flämisch geantwortet werde, sei „absurd“.

In Bezug auf das Verhältnis der Flamen zu den Niederländern wiederum sei es sehr wichtig, dass die gleiche Sprache gesprochen werde. Obwohl: „Die Niederländer finden das Flämische exotisch und niedlich“, so Saskia de Coster, die holländischen Kollegen schrieben eher „trocken und effizient“ und hätten, im Gegensatz zu den Flamen, kaum Verwendung für Adjektive.

Saskia de Coster durchaus, auch wenn es der deutschen Leserin keineswegs übertrieben erscheint. Verwendung auch für eine feine, manchmal kräftiger und leicht satirisch werdende Ironie. Die Autorin stellte in Frankfurt „Wir & Ich“ vor (Tropen), eine Familiengeschichte, aber auch ein relativ scharfer Gesellschaftsroman.

Es gibt eine grummelige, herrische und putzwütige Großmutter; ihre die Haushälterei ebenfalls übertreibende Schwiegertochter Mieke; den vom Bauernjungen zum Topverdiener mit Villa aufgestiegenen Stefaan, der sich für seine zu Beginn des Romans geborene Tochter Sarah auch nur irgendwas mit Top- vorstellen kann. Sarah aber wird im Verlauf des bis ins Jahr 2013 reichenden Romans Musikerin, gründet im Todesjahr von Lady Di eine Band namens „The Lady Dies“, geht später nach New York. Alles, Hauptsache ein Gegenentwurf zum Leben ihrer Eltern.

Über allem schwebt immer wieder ein erzählendes, unbestimmtes, geheimnisvolles „Wir“. Sie habe versucht, scherzte Saskia de Coster da, mittels dieses Stilmittels „einen misslungenen naturalistischen Roman zu schreiben“. Das sei ihr, findet sie, auch gelungen.

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