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Femi Kayode „Lightseekers“: Der Brennstoff der Lügen

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Von: Sylvia Staude

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Rauch und Düsternis im nigerianischen Port Harcourt.
Rauch und Düsternis im nigerianischen Port Harcourt. © AFP

Femi Kayodes „Lightseekers“ erzählt von denen, die den Hass schüren

Nur ungern möchte Dr. Philip Taiwo, Spezialist für Massenpsychologie, erzählen, warum er nach Jahren die USA verlassen hat und mit seiner Familie zurückgekehrt ist nach Lagos, Nigeria: Er und seine Frau Folake waren schockiert, als die Söhne in der Schule lernen sollten, wie man sich bei Polizeikontrollen verhält – um sie als Schwarzer zu überleben. Da Femi Kayode, in Nigeria aufgewachsen, nun in Namibia lebend, Taiwo zur Hauptfigur eines Thrillers gemacht hat, kann er seine Heimat zwar zu einem weniger rassistischen, aber kaum zu einem friedlicheren Ort als die USA machen.

Der Psychologe soll herausfinden, warum drei Studenten von einem Mob gejagt, gequält, gelyncht wurden, der einflussreiche Vater eines der Getöteten, Kevin, bittet ihn darum und bezahlt ihn dafür. Angeblich waren die drei Diebe und Erpresser, angeblich gehörten sie einem Kult an, anderes hat die Polizei nicht herausgefunden über die „Okriki Three“. Zwar stehen jetzt einige Angeklagte vor Gericht, aber es wird sich kaum beweisen lassen, wer den jungen Männern zuletzt Reifen umhängte und sie anzündete. An der University of East Anglia hat Femi Kayode Creative Writing studiert, ein wenig schematisch geht er noch vor in seinem Debütroman. Es gibt einen Sidekick namens Chika, angeblich nur Chauffeur von Taiwos Auftraggeber, aber immer deutlicher wird, dass er etwas verbirgt. Es gibt eine äußerst attraktive Anwältin, der Psychologe lernt sie im Flugzeug von Lagos nach Port Harcourt kennen.

Das Buch:

Femi Kayode: Lightseekers. Thriller. Aus dem Englischen von Andreas Jäger. btb 2022. 464 S., 16 Euro.

Undurchsichtige Figuren

Aber will sie ihm wirklich helfen? Auch der Polizeichef Inspector Omereji ist undurchsichtig, zwar wurde er erst ein halbes Jahr nach dem Fall der Okriki Three ins zuständige Polizeirevier versetzt, aber sollte er da beim Vertuschen helfen? Kam der Mob den Beamten gelegen, da Kevin ihnen in den sozialen Medien vorgeworfen hatte, einem verhafteten, asthmakranken Freund nicht geholfen zu haben und also seinen Tod verantworten zu müssen?

Gemächlich geht es zunächst voran mit Taiwos und Chikas Recherche. Bald muss es ihnen aber auffallen, dass jemand ganz entschieden nicht möchte, dass sie etwas herausfinden: Der Hotelchef, anfangs begeistert von seinen Gästen, will sie plötzlich loswerden. Dann werden ihre Zimmer verwüstet, Papiere zerrissen, Taiwos Laptop wird zerstört. Sie müssen sich prügeln mit Halbwüchsigen, geschickt von Wem-auch-immer. Man entführt sie und sie landen im Krankenhaus.

Vor allem sein Schauplatz macht den Kriminalroman mit dem Titel „Lightseekers“ interessant, die Schilderung der offenbar noch arg patriarchalen nigerianischen Gesellschaft. Es geht aber auch um die leichte Manipulierbarkeit der Menschen durch soziale Medien, egal, in welchem Land. Nicht nur Donald Trump kommt einem in den Sinn, wenn ein weiteres Mal ein Mob aufgestachelt wird und Menschen zu Schaden kommen.

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