Hölderlin-Preis

„Feinfühligkeit und Witz“

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Anke Stelling erhält den Hölderlin-Preis.

Als Anke Stelling jüngst den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, war ihr aktueller Roman „Schäfchen im Trockenen“ tagelang vergriffen. Die Ehrung kam so überraschend, dass ihr Verlag hastig 3000 Exemplare nachdrucken lassen musste.

Nun wird der 1971 geborenen Autorin bereits der nächste renommierte Literaturpreis zugesprochen. Wie die Stadt Bad Homburg am Mittwoch mitgeteilt hat, erhält Stelling den diesjährigen Friedrich-Hölderlin-Preis. Der Förderpreis geht an Eckhart Nickel.

Stellings Prosa analysiere „auf hoch sensible Weise die Mittelstandsgesellschaft der Gegenwart“, begründete die Jury unter Leitung der FAZ-Redakteurin Sandra Kegel ihre Entscheidung. Speziell in ihrer zuletzt erschienenen Trilogie „Bodentiefe Fenster“, „Fürsorge“ und „Schäfchen im Trockenen“ mache sie „mit soziologischer Präzision“ deutlich, in welcher Form die heutige Bürgerlichkeit von den Werten der 68er „infiziert“ sei. So konfrontiert sie in „Schäfchen im Trockenen“ das Bohème-Milieu im Berliner Szene-Bezirk Prenzlauer Berg mit den ökonomischen Realitäten des kapitalistischen Wohnungsmarktes. Das tue sie „mit Genauigkeit, Feinfühligkeit und Witz“, lobt die Jury.

Bei den Immobilienpreisen kann Bad Homburg sicher mit dem Prenzlberg konkurrieren, was die Form der Bürgerlichkeit angeht, dürfte Anke Stelling einige feine Unterschiede feststellen, wenn sie den Hölderlin-Preis am 9. Juni in der Schlosskirche von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) überreicht bekommt. Die Laudatio wird Literatur-Professor und Jury-Mitglied Heinz Drügh halten.

Dotiert ist der Friedrich-Hölderlin-Preis mit 20 000 Euro. Immerhin noch 7500 Euro wird der 1966 geborene Eckhart Nickel erhalten, für sein Romandebüt „Hysteria“ mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Darin verknüpfe er „überaus anspielungsreich und mit abgründigem Humor den Biowahn unserer Zeit mit der schwarzen Romantik“, heißt es in der Jury-Begründung. Der 1966 geborene Nickel arbeitet als Journalist und hat zuvor bereits Erzählungen veröffentlicht. Sein Laudator ist der Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn.

Der Friedrich-Hölderlin-Preis wird seit 1983 jährlich von der Stadt Bad Homburg gemeinsam mit der Stiftung Cläre Janssen vergeben. Die Liste der bisherigen Preisträger liest sich wie ein Who is Who der deutschsprachigen Literatenszene – von Sarah Kirsch über Wolf Biermann bis zu Ernst Jandl, Martin Walser und Monika Maron. Im vergangenen Jahr wurde Daniel Kehlmann ausgezeichnet.

www.bad-homburg.de/kultur

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