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Fasching mal anders

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Von: Florian Leclerc

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Wer am Samstag über die Buchmesse gelaufen ist, dem begegneten Hunderte von Cosplayern. Bei den meisten Verkleideten handelt es sich um junge Menschen, die viel Mühe in ihre teils aufwändigen Kostüme gesteckt haben.

Ein gelbes Stoffknäuel steht vor der Messe. Es heißt „Naruto“. Wer? „Naruto. Kennt doch jeder.“ Für die, die in der Welt der japanischen Mangas und Animes nicht heimisch sind: Naruto ist ein Weltenritter. Naruto alias Sven Schirmmacher aus Herne muss nun telefonieren.

Lolita, Kaito und Miku

Neben ihm steht „Maka Albarn Soul Eater“ im Schulmädchenkostüm. Sie tut keiner Seele was zuleide, sondern verteilt Umarmungen. Kostenlose Umarmungen. „Free Hugs“ steht auf dem Schild, das die 18-Jährige Angela Hilse um den Hals trägt. Das Schwert der Waffenmeisterin hat einen Namen: „Soul“. Es kann Seelen fangen. Sie bekämpft damit das Böse in der Welt.

Am Wochenende läuft niemand über die Buchmesse, ohne Hunderte von Cosplayern zu begegnen. Bei den meisten Verkleideten handelt es sich um junge Menschen. Häufig sind es Mädchen, die mit viel Freude in das Kostüm einer Figur aus einem Comic, einer Serie oder einem Film schlüpfen.

Wie Lolita, Kaito und Miku. Sie heißen eigentlich Josha, Anastasia und Lisa und tragen aufreizend hübsche Kleider. Alle selbst genäht. Entschuldigen Sie die Frage, das ist nicht anzüglich gemeint, aber hat Ihr Outfit etwas mit Sexualität zu tun? „Das ist ein Vorurteil“, sagt Lolita sofort. Sie habe sich schon als Kind gerne verkleidet. Das mache sie heute noch. „Andere nennen das Fasching.“ Fürs Kleid hat sie 160 Euro ausgegeben. Es gibt auch welche für 300 Euro. Kaito und Miku nähen selbst. Die rothaarige Katarina aus „League of Legends“ schwingt zwei Schwerter. „Ach, Kata“, sagt einer, der ihre Figur erkennt. Kata, die eigentlich Anna-Katharina Peine heißt und 21 Jahre alt ist, wird ständig fotografiert. Sie hat eine Facebook-Seite für ihre Figur angelegt. Dort teilt sie Fotos. „Cosplay ist eine Hobby wie jedes andere auch“, sagt sie. Ein Schild, das zum Umarmen auffordert, trägt auch die 15-jährige Sophie alias Ezio Auditore. Oft sei sie heute noch nicht umarmt worden. Dann drückt sie jemand. „Jetzt geht es mir besser“, sagt sie strahlend.

In der Cosplay-Ecke wühlen Jugendliche in aufeinander gestapelten Manga-Plakaten wie Jugendliche früher in den Alben eines Schallplattengeschäfts. Es gibt Manga-Tassen, -Kontaktlinsen, -Kissen, -Perücken. Ein Mann mit Schlangenaugen lässt sich Hörner aufkleben.

„Leute treffen, Fotos machen, nähen“

Ist das nicht total kommerziell, wenn Figuren aus Comics nachgestellt werden? In Deutschland sei Cosplay noch nicht so stark kommerzialisiert wie in Japan, weiß die 30-jährige Mira. Hier komme der Trend gerade erst an. Mira trägt eine Art Hochzeitskleid. Wobei Hochzeitskleid nicht stimme, korrigiert sie. Sie sei eine Puppe. Eine von acht aus „Rozen Maiden“. Valeria im roten Kleid ist auch eine Puppe.

Um was geht es Ihnen beim Cosplay? „Leute treffen, Fotos machen, nähen.“ Ein Kleid bereiteten sie ein Jahr lang vor. Alles muss sitzen. „Cosplay macht man mit Leib und Seele.“ Dass die beiden fotografiert werden, finden sie in Ordnung. Aber vorher gefragt zu werden, das wäre angebracht.

Mitten im Verkleidungstrubel sitzt die 95-jährige Ilse Arndt im Rollstuhl. Ihre Enkelin hat sie mit auf die Messe genommen. Aufreizend findet sie die Kleider der Jugendlichen nicht. „Ich bin für die Mode.“ Jede Zeit habe etwas für sich. Sie habe früher selbst Klamotten geschneidert, für sich und ihre Kinder. „Früher waren wir zugeknöpft bis zum Hals.“ Heute sei das eben lockerer.

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