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Milena Michiko Fla?ar.

Japan

Falsche Hochzeit mit echter Braut

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Vom Leben träumen, das es nicht gibt: Milena Michiko Fla?ars Roman "Herr Kato spielt Familie".

Die Österreicherin Milena Michiko Fla?ar schreibt ungewöhnliche Geschichten. Wie bereits ihr 2012 erschienener Bestseller „Ich nannte ihn Krawatte“ handelt auch der neue Roman „Herr Kato spielt Familie“ von Menschen, die aus ihrer zugesprochenen Rolle gefallen sind. Handlungsort ist wieder Japan, das Herkunftsland der Mutter Fla?ars und wieder ist der Protagonist ein älterer Herr, der aus dem Arbeitsleben ausgeschieden ist.

Herr Kato ist Rentner, kerngesund und doch wiederum krank, denn er betrauert sein Leben, das dahinplätschert und keine Höhepunkte mehr verspricht. So ist selbst die eigentlich gute Nachricht nach einem Gesundheitscheck für ihn eine Enttäuschung: „Er hat gehofft, man würde etwas finden. Und auch wenn es ihm kaum bewusst gewesen ist, hat ihm die Hoffnung darauf ein Gefühl von Wichtigkeit gegeben: Man würde etwas finden und entsprechende Maßnahmen ergreifen.“

Sein Leben ist gefüllt von einer spießigen Alltagsehe, die auch dem Lesenden arg viel Langeweile zumutet. Man schläft schon lange in getrennten Zimmern und hadert mit dem Schicksal, an dem jeweils der andere Schuld zu haben scheint: Er verweigert den Umzug in eine andere Wohnung, sie verbietet ihm den Kauf eines Hundes. Die gemeinsame Reise nach Paris – schon lange ausgeträumt.

So plätschert jeder Tag dahin, gefüllt von täglichen einsamen Spaziergängen des Mannes, zu denen ihn seine Frau zwingt: „Seine Frau meint: um die Knochen in Schwung zu halten. Sie schickt ihn jeden Tag vors Haus. Er soll doch eine Runde drehen. Ihm nicht im Weg sein, will sie damit sagen. So gut kennt er sie.“ Struktur gibt ihm das Erstellen von Listen, auf denen Alltagsaufgaben stehen, wie die Kinder endlich anzurufen, das Radio zu reparieren oder die Plattensammlung zu ordnen.

Alle Protagonisten in diesem kleinem Band erträumen sich ein Leben, das nicht existiert; wie beispielsweise Herr Ito, ein ehemaliger Kollege, der stolz von seinen Motorradtouren durch die Welt berichtete, die aber nur in seiner Fantasie stattfanden.

Auf einem seiner Spaziergänge aber beginnt das monotone Leben des Herrn Kato eine neue Richtung einzuschlagen: Er trifft auf die junge Mie, die ihn nach einer heimlich beobachteten Tanzeinlage in ihre Agentur „Happy Family“ aufnimmt. Ihr Dienstleistungsunternehmen „spielt Familie“. Herr Kato übernimmt die Rolle des Großvaters, des Ex-Mannes, des Vorgesetzten – und er spielt seine Rollen sehr gut – besser, als die eigene ihm zugedachte Rolle seines Lebens. Seine Frau fängt zur gleichen Zeit einen Tanzkurs an und kompensiert auf diese Weise ihre unerfüllten Träume.

Auch wenn die Geschichte manches Mal etwas zu sehr ins Sentimentale abdriftet – besonders im Epilog – es sind die kleinen Momentbeschreibungen, die dieses Buch lesenswert machen. Sehr berührend ist die Szene, wenn Herr Kato als Gastredner auf der inszenierten Hochzeit einer Braut auftritt, die bald sterben wird. Alle Gäste sind von der Agentur gemietet, nur das Brautpaar ist echt. Denn die Angehörigen sind gegen diese Hochzeit ohne Zukunft. „...für ein paar Stunden, man erlaubt ihr nicht mehr als einen Nachmittag, aus dem Pyjama und in ein Brautkleid zu schlüpfen, für das Ja-Wort die Atemmaske abzunehmen und dem Bräutigam einen Kuss auf den Mund zu geben“, heißt es da, „und wenn niemand es gutheißt, dann wenigstens wir, die Falschen.“

So plötzlich, wie sie erschienen ist, so abrupt verschwindet Mie und seine Aufgabe auch wieder aus Herrn Katos Leben.

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