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Autorin Vendela Vida und ihr Mann Dave Eggers bei einer New Yorker Party.
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Autorin Vendela Vida und ihr Mann Dave Eggers bei einer New Yorker Party.

Vendela Vida

Die falsche Doppelgängerin

Ganz schnelles Spiel mit Identitäten: Der herrlich unsentimentale, märchenhafte Roman „Des Tauchers leere Kleider“ von Vendela Vida.

Von Sabine Vogel

Eine Frau reist nach Casablanca. Sie läuft vor etwas davon. Beim einchecken ins vorgebuchte Hotel wird ihr Rucksack mit Pass, Geld, Kreditkarten geklaut. Ein Ärgernis, aber keine Tragödie. Sie sperrt die Karten, erstattet Anzeige und geht zu ihrer Botschaft, was man halt so machen muss in so einer Situation.

Damit ein Roman aus dieser simpel konstruierten Ausgangsposition wird, bekommt sie vom marokkanischen Polizeikommissariat Rucksack und Papiere einer anderen, ihr äußerlich nicht unähnlichen Frau. Unter der geliehenen Identität kann sie erst einmal in ein besseres Hotel ziehen, alles auf die Rechnung setzen lassen, die Kreditkarten funktionieren sogar noch. Was ist mit jener Person geschehen, dass sie nichts sperren ließ? Ist sie tot, wurde sie entführt, und führt ihre Spur auf die Protagonistin zurück?

Sofort atemlos

Sie hat keinen Namen. Die amerikanische Schriftstellerin Vendela Vida schreibt aus ihrer Perspektive, „Des Tauchers leere Kleider“ ist ein innerer Monolog in der Du-Form. „Du verlässt das Hotel. Du gehst in Richtung Botschaft. Du quetschst dich zwischen Absperrgittern hindurch, ein Polizist pfeift.“ Das verleiht der Erzählung vom ersten Satz an eine atemlose Unmittelbarkeit. Nach allen Regeln amerikanischer Creative-Writing-Kurses – die 44-jährige Vida ist die Frau des Schriftstellers Dave Eggers – wird schnörkellos das immense Tempo vorgegeben und mit schlau gesetzten „Plot Points“ weiter beschleunigt.

Die von ihrem Identitätsballast befreite Hauptperson stolpert von einem glücklichen Zufall in den nächsten – und landet als sozusagen falsches „Double“ in der ohnehin schon oszillierenden Welt eines Filmdrehs.

Das Spiel mit den Identitäten verdoppelt sich noch einmal, wenn wir nach und nach den Grund ihrer Flucht erfahren: Ihr Mann hat sie mit ihrer Schwester betrogen, während sie deren Kind als Leihmutter austrug. Aber psychologische Figurenlegende stört da schon fast. Bloß keine mütterlichen Sentimentalitäten jetzt.

Das märchenhafte Spiel vom Rollentausch und scheinbar mühelosen Identitätswechseln als Roadmovie durch ein Film-„Casablanca“ im Zwielicht von Glamour und Gassendämmerung macht so schon großen Spaß.

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