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Der Stand der Indiecon auf der Buchmesse.

Indiemags #4/2016

Experimente auf Papier

Auf der Buchmesse stellen sich nicht nur Verlage vor. Sondern auch sogenannte Indiemags, also unabhängige Magazine. An dem Stand der Indiecon kann man gleich die Macherinnen und Macher treffen.

Von Maike Brülls

Bei manchen Dingen ist Geld nicht so wichtig. Bei Liebe zum Beispiel – oder bei Indiemags. Also Magazine, die unabhängig sind von Verlag, deren MacherInnen ihre eigenen ChefInnen sind, die für sich und ihre Themen einstehen, die maximalen Gestaltungsspielraum haben, weil sie an keine Hierarchien oder feste Arbeitsabläufe gebunden sind. Die transparent mit Werbung umgehen oder sogar ganz auf sie verzichten. Und die mit und wegen alledem kaum Geld verdienen.

Lust, ein solches Magazin zu machen, sich selbst auszuprobieren und zu verwirklichen, haben viele. Bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse haben die Gründer der Online-Plattform indiemags.de, die alljährlich auch die Konferenz Indiecon ausrichten, in Halle 4.1 einen eigenen Stand. Zwischen den sich ähnelnden Ständen der Verlage sticht er heraus: Aus schwarzen Gittergerüsten sind die Regale gebaut, in knalligem Giftgrün sind Logos und Plakate, aus Europaletten sind kleine Leseinseln gebaut. Ausgestellt werden verschiedene Magazine. 

„Hier soll es vor allem um den Austausch gehen“, sagt Malte Brenneisen. Zusammen mit Urs Spindler hat er indiemags.de gegründet. Die beiden und Malte Spindler wiederum haben „Die Brüder“ eröffnet, eine Agentur und Redaktion für Print- und Online-Medien. „Die Macherinnen und Macher sollen sich untereinander kennenlernen, Ideen austauschen und sich neu verknüpfen. Und natürlich neue Leserinnen und Leser finden.“

Der Plan geht auf. Die Leute stehen zusammen, trinken Orangenlimo und lachen, manche sitzen auf den Paletten und blättern in einer Zeitschrift oder zerschreddern die Flyer einer rechtsextremen Zeitung, die ihren Stand gegenüber hat. Dafür wurde extra ein Aktenvernichter aufgestellt, „Für braune Kacke“ steht darauf.

Eine Meinung vertreten, dafür eine eigene Ausdrucksform finden und wahrgenommen werden: Das ist nicht nur die Idee hinter dem Aktenvernichter, sondern auch jedes einzelnen Magazins. „Es geht uns darum, eine eigene Stimme zu bilden, die ungebunden ist“, sagt Malte Brenneisen. „Wenn die dann auch noch gehört wird, ist unser Job erfüllt.“ Als Third Wave of Print bezeichnet er das. Das Wissen darum, wie ein Magazin gemacht wird, kann man sich im Internet aneignen. Genauso, wie man alles über Crowdfunding finanzieren kann. Loslegen kann also jeder, der Ideen und Mut hat.

Und wer ist das so? „Viele Indiemags werden von Quereinsteigern gemacht“, sagt Brenneisen. „Sie sind nicht unbedingt gelernte Journalisten, sondern oft auch Kreative.“ Das zeigt sich in der Aufmachung der Magazine. Sie sind liebevoll gestaltet, mit Illustrationen und Grafiken, experimentellen Layouts und Spielereien wie verschiedenen Papiersorten innerhalb einer Ausgabe. Und wer macht ein solches Magazin nicht? „Businessfuzzis, die auf den großen Gewinn aus sind“, sagt Malte und nimmt noch einen Schluck von seiner Limo. Das große Geld ist nicht seine Vision, sondern noch mehr Leuten zu Stimme und Sichtbarkeit zu verhelfen – ob auf der Indiecon oder auf der Buchmesse.

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