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Eva Menasse. ( Foto: Michael Schick,
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Eva Menasse. (

Literatur im Römer

Eva Menasse, Felicitas Hoppe und andere bei Literatur im Römer: Schachspiele gegen sich selbst

  • VonMarcus Hladek
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Lesungen im Viertelstundentakt bei „Literatur im Römer“.

Vorweg im Überflug: je vier Autoren und Autorinnen samt Roman reisten beim maskenpflichtigen Publikum zu „Literatur im Römer“ an, sofern man Katharina Volckmers Schlusslicht „Der Termin“ (Kanon) als Roman gelten lässt. Da sich ihr Monolog im Zahnarztstuhl abspielt, was 128 Seiten Text qua Zeitwahrnehmung schon mal strecken und dehnen kann, geht es aber durch.

Gerwig Epkes und Insa Wilke von hr2-Kultur hatten zwei Wahl-Frankfurter und vier Wahl-Berliner zu Gast, darunter eine Österreicherin und einen Israeli, dazu noch einen Schweizer aus der Schweiz: Peter Stamm. Ähnlich der Ratio beim Deutschen Buchpreis war der Kanon-Titel übrigens die einzige Kleinverlag-Ausnahme neben den „Großen“.

Viel Lob ging Eva Menasses Auftritt mit „Dunkelblum“ (Kiepenheuer & Witsch) voraus. Da die Wienerin mit schwarzgrimmigem Humor einem ganzen Dorf reihum in die Haut schlüpft, um von der Grenzöffnung 1989 aus ein Judenmassaker in Weltkriegszeiten auszugraben, das zuvor eisern beschwiegen wurde, zollte Epkes ihr Bewunderung für die Konzentrationsleistung. In der Tat, so Menasse, habe sie „ein Schachspiel gegen mich selbst“ führen müssen, von Kapitel zu Kapitel. Schön die Lese-Passage über das hellhörige Dorf und dessen dornröschenhafte Adels-Unterwürfigkeit im stillen Ländereck.

Tomi Garders „Eine runde Sache“ (Droschl), je hälftig deutsch und hebräisch verfasst und übersetzt, blitzt vor Assoziationsfreude, was mit dem sympathisch struppigen Äußeren Garders im Jackson-Pollock-Hemddesign zusammenpasste. Sich Berliner Intendanten beim Ausrutschen auf Spreegurken zu Feinden zu machen und sich selbst à la Philip Roth als Figur auf Reisen zu schicken, ist auch nicht übel, wobei der zweite Strang mit dem historischen indonesischen Maler in Europa beim Drüberreden zumindest Neugier weckte.

Leiser, bedächtiger, nostalgischer stimmte Peter Stamms „Archiv der Gefühle“ (S. Fischer). Manche deuten die Zugriff-Scheu des Helden vor der Liebe ja als Ausdruck fürs Covid-Jahr. Wir meinen: so blicken viele Autoren im Gehäus, oder in der Mupfel, auch ohne Covid aufs Leben, wie es ungelebt vorüberzieht und Beschreibungen anregt.

Henning Ahrens’ bäuerlicher Familienroman mit Geschichtspanorama „Mitgift“ (Klett-Cotta) ist mutmaßlich das Buch, das er schreiben musste. Danach kann er Bücher schreiben, die er schreiben will. Das Gespräch erbrachte weniger, doch seine weltglänzende Sprache und Bildhaftigkeit und die komplexen Figuren strahlten Schönheit aus.

Ulf Erdmann Zieglers „Eine andere Epoche“ (Suhrkamp), Felicitas Hoppes „Die Nibelungen“ (S. Fischer) und „Nastjas Tränen“ von Natascha Wodin vermochten im Viertelstunden-Format nur begrenzt zu überzeugen, sieht man von leuchtenden Details wie Zieglers Namensgebung Wegman Frost ab, die Robert Frosts Verszeile „and miles to go before I sleep“ zitieren dürfte.

Und Hoppe? Heiner Müller brachte das Deutsche am Epos ja auf den Begriff „NieGelungen“. Immerhin: so ernst wie Hoppe hat die Wormser Festspiele, ihren Leitfaden zum Nacherzählen, noch keiner genommen. Natascha Wodins „Nastjas Tränen“ schließlich (Rowohlt) entzündet ihr ukrainisches Wurzelwerk und erzählt zwischen Roman und Report von ihrer Ex-Putzfrau. Merkwürdig, wie sie „den“ Slawen eine „Wir-Identität“ und Neigung zum Heimweh attestierte.

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