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Fotobuch

Europäische Illustratoren und ihre Situation

Dass kommerzielle Illustration nicht vom Himmel fällt, hat dem weiten Publikum die Ausstellung über die Titelblätter des Spiegel vorgeführt. Es braucht nur

Von ULF ERDMANN ZIEGLER

Dass kommerzielle Illustration nicht vom Himmel fällt, hat dem weiten Publikum die Ausstellung über die Titelblätter des Spiegel vorgeführt. Es braucht nur wenige Cover, um einen Zeichner im Gedächtnis der Leser zu etablieren. Je suggestiver die Bildsprache ist, desto schneller wird der Stil zum Markenzeichen und als Eigenschaft des Mediums wahrgenommen. Dieses Schicksal teilen Illustratoren mit Fotografen: Ihre besten Bilder gelten als eine Art von Volkskunst. Niemand kennt die Urheber, mit Ausnahme der Kollegen.

Daran kann natürlich auch die Publikation unter dem Titel Freistil nichts ändern, im Gegenteil: Das Kompendium über "Best of Commercial Illustration" wendet sich an Art-Directors, Verleger und Bildredakteure. Trotzdem, auch der zweite Band - innerhalb von zwei Jahren! - ist so ausgelegt, dass ihn jedermann verstehen kann. Erstens, weil er alphabetisch organisiert ist, und zweitens, weil er von sicherer Hand gestaltet wurde. Mit Blick in die Zukunft hat Freistil 2 achtzig Seiten mehr als das erste Buch und einen Leineneinband hinzu bekommen.

Es ist allerdings nicht nur ein Katalog von Autoren, sondern zugleich ein gelehrter Blick in die Geschichte und Praxis der Gestaltung. Aus der Sicht einer Agentur in Tokio plädiert John C. Jay für Kompromisslosigkeit im Gewerbe. Helmut Merschmann portraitiert den Kinoregisseur Tim Burton als Zeichner mit Hang zum Absonderlichen. Ein Fachbeitrag skizziert die Rolle des Storyboards im Film, ein anderer konzentriert sich auf die Illustration im Computerspiel.

Die Beiträge sind nicht als Unterhaltung gemeint, auch wenn sie so gelesen werden können. Sie öffnen den Blick für das, was Illustration ausmacht. Nicht anders als die Fotografie, ist auch die Illustration in einem medialen Übergang begriffen: Man kann, aus Lust oder Prinzip, bei der Gouache bleiben - aber auch konventionell erstellte Illustrationen sind im digitalen Genre zu gebrauchen. Eine Bildunterschrift im Artikel zu den Computerspielen lautet: ",PaRappa The Rapper' wurde vom Illustratoren Rodney Alan Greenblat entgegen dem Trend zweidimensional angelegt." (Ein Beispiel für die lästigen falschen Dativbeugungen, die demnächst wahrscheinlich im Duden als gebräuchlich gelistet werden.)

Nicht, dass der Unterschied zwischen bewegten und stillen Illustrationen neu wäre, aber die Anwendung verschiebt sich. Die handgezeichnete Illustration macht das digitale Medium, visuell gesehen, archaisch; die digitale Anwendung spült die "virtuelle" Welt in die stille Illustration. Das aber sagt nichts über die Illustration selbst; denn die handgemachte Illustration kann komplex, die computergenerierte primitiv sein. Unsere Abbildung stammt von Yenz (c/o www.moccu.com).

Freistil 2 kann zeigen, was der Stand der Dinge ist, ästhetisch, technisch, kommerziell. Vor allem impliziert er - als Buch - die These, dass Illustrationen immer wieder stillgestellt werden können und wohl auch müssen, um in ihrer Essenz geprüft zu werden. Die europäische Szene der Illustratoren hat jedenfalls alles, was es braucht, von Kinderpunks bis zu altmeisterlichen Virtuosen.

Schade, dass Tageszeitungen sich ihrer kaum bedienen. Dort gilt - und es wird nicht besser - die Regel: dass keine Seite ohne Bild gedruckt wird, aber das Bild darf nichts kosten.

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