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Die Krisen der Welt, seien mitunter sexistischen Machtkonstellationen zu verdanken.

Streiterinnen

„Etwas für die Gegenwart“

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Streiterinnen-Reihe von ARD und FR im Gespräch mit Luisa Neubauer und Pia Klemp über das Versagen der Politik.

Luisa Neubauer und Pia Klemp, das sind zwei Namen, die man in Deutschland mittlerweile kennt. Beide wollen sie nichts Geringeres, als die Welt verändern. Und auf dem Weg noch dem Rest der Menschheit klarmachen, warum sie sich verändern muss. Neubauer ist Klimaaktivistin und eine der Hauptorganisatorinnen der deutschen Fridays for Future Bewegung. Klemp engagiert sich als Kapitänin der Sea-Watch für die Seenotrettung im Mittelmeer. Beide gelten sie als Hoffnungsträgerinnen des Aktivismus, den Deutschland derzeit erlebt.

„Sind es also die Frauen, die es jetzt richten werden?“ fragte HR-Moderatorin Bärbel Schäfer und verwies damit auf den Titel der Veranstaltungsreihe „Streiterinnen“. Für Neubauer liegt die Rolle der Frauen auf der Hand. Die großen Schalthebel der Vergangenheit seien nicht von Frauen betätigt worden. Die Krisen der Welt, seien mitunter sexistischen Machtkonstellationen zu verdanken. Auch für Klemp laufen die Fäden der heutigen Krisen im „patriarchalen Kapitalismus“ zusammen. Sie betonte aber auch die Notwendigkeit einer Gesamtanstrengung der Gesellschaft, alle Geschlechter eingeschlossen.

Einig waren sich die beiden vor allem darüber, dass es nicht nur einzelne Probleme seien, deren Lösungen die Politik derzeit versäume. „Es geht schon lange nicht mehr um das Klima. Das Klima hat keine Krise, die Menschheit hat konkret multiple Krisen,“ so Neubauer. Das klaffende Missverhältnis zwischen dem was politisch getan werden müsse und dem was getan werde, zeige laut Klemp keine Überforderung der Politik. „Was sich für mich ganz klar entlarvt, ist ein politisches System, das genau diese Probleme haben möchte, die Kluft zwischen sogenannter erster, zweiter und dritter Welt erhalten möchte.“

Die Kapitänin wird derzeit sehr persönlich mit politischem Widerwillen konfrontiert. Die italienische Regierung wirft ihr Beihilfe zu illegaler Einwanderung vor, damit drohen ihr 20 Jahre Gefängnis und horrende Geldstrafen. Zum Aufhören hat sie das allerdings nicht bewegt: „Das heißt, dass wir irgendetwas richtig gemacht haben.“

Sowohl Klemp, als auch Neubauer wirkten entschlossen, während sie Schäfers Fragen beantworteten. Beide wissen, dass sie jede Aufmerksamkeit für ihre Anliegen nutzen müssen. Deutlich wurde aber auch der Frust, den die Aktivistinnen im Angesicht des täglichen politischen Stillstands verspüren. Neubauer kam nicht umhin zu hinterfragen, wie sinnvoll Veranstaltungen wie diese tatsächlich sein können. Bei der Anzahl an Talkshows, die hinter der Studentin liegen, kann man es ihr kaum verübeln. Sie wendete sich daher direkt an das Publikum, das in Scharen vor der Bühne erschienen war. „Wenn es gerade eins lehrt, ist es, dass wenn du die Ungerechtigkeit nicht angehst, nun mal die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass es niemand anders macht.“ Es brauche eine Portion Selbstvertrauen und auch Selbstbewusstsein über das eigene politische Handeln.

„Sind Sie die Zukunft?“ hatte HR-Moderatorin Bärbel Schäfer die beiden Gäste noch zu Beginn der Runde gefragt. „Ich wäre viel lieber etwas für die Gegenwart,“ hatte Klemp entgegnet. Bleibt zu hoffen, dass die Gegenwart ausreicht, um die Zukunft zu retten.

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