Kriminalroman

Ernest Hemingway und Batman

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Heinrich Steinfest betrübt mit dem letzten Fall seines einarmigen, halbchinesischen, ansonsten echt Wienerischen Detektivs Markus Cheng

Heinrich Steinfests Landsmann Wolf Haas hat seinen Brenner zuerst beerdigt, dann nach dem Motto „Sag niemals nie“ doch wiederauferstehen lassen. Steinfest gibt dem jüngsten Abenteuer seines einarmigen, halbchinesischen, ansonsten echt Wienerischen Detektivs Markus Cheng jetzt den trotzigen Untertitel mit: „Chengs letzter Fall“. Am Ende freilich ist man sich als Leserin nicht ganz sicher, ob der Autor – und Maler – sich nicht doch das sprichwörtliche Hintertürchen offen gelassen hat.

Cheng jedenfalls hat den Beruf an den Nagel gehängt und hütet die Tochter seiner Lebensgefährtin Ginette – oder eigentlich: steht dem Teenager Lena als Begleiter und Geldbörse zur Verfügung, etwa für den Kauf neuer Stiefel. Aber, wie viele seiner fiktionalen Kollegen kann auch Cheng sein Privatiersdasein nicht auf Dauer genießen. Ein erfolgloser Künstler namens Red, der vor Jahren beim falschen, sprich: skrupellos mörderischen Unternehmer als Sekretär anheuerte, glaubt, er soll eines der nächsten Opfer werden. Und weil er Lena, auf die von einer Baustelle ein Steinbrocken zufliegt, das Leben rettet, kann Cheng schlecht Nein sagen, als er von Red um Hilfe gebeten wird. Es geht um einen Killer, der seinen Opfern eine Briefmarke auf die Zunge legt – und einen Cheng-Krimi ins Regal stellt. Das kann der Detektiv ja nur persönlich nehmen.

Steinfest-Krimis, hier auch als im Krimi erwähnter Krimi, liest man eher nicht wegen ihrer Handlung. Sie haben in der Regel keine Auflösung im Hier und Jetzt, sie sind versponnen, surreal, schräg. Beim Titel „Batmans Schönheit“ fängt es diesmal an – Batman ist ein von Cheng getauftes, nun ja, Salzkrebschen. Bei der Geschichte, wie Red zuerst Ernest Hemingway heißt, dann Ernst Hemingway, dann nur noch Red, geht es weiter. Und es endet noch lang nicht mit einem äußerst kuriosen Buchladen, der nach einer äußerst einsamen Insel benannt ist, Bouvet, und einen äußerst dünnen , exzentrischen Besitzer hat.

Steinfest packt das alles in messerscharfe Formulierungen, würzt mit zielgenauen Alltagsbeobachtungen, mit Wahrheitskörnchen, die er in hinreißende Ironie hüllt. Zum Beispiel: „Fast alles in der Welt ist ein Gerücht.“ Stimmt zweifellos. Aber kein Gerücht ist, dass dieser Roman Spaß macht.

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