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Der Ermittler, der nicht beichtet

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Von: Sylvia Staude

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Wolkenverhangenes und keineswegs ungefährliches Südtirol.
Wolkenverhangenes und keineswegs ungefährliches Südtirol. © © epd-bild / Rainer Oettel

Auch in Südtirol wird brav ermittelt: Elisabeth Florins „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“, in einer etwas überladenen, aber klug erzählten Geschichte.

Er heißt Pavarotti, Luciano Pavarotti, aber zum Singen bringen muss er andere. Arg erfolgreich ist er dabei nicht. Weder hat er Ahnungen und Intuitionen, wie doch eine erhebliche Zahl seiner Kollegen.

Noch hilft ihm seine „gebieterische“ Stimme, „mit der er die Leute weniger beeindruckte, als er vielleicht glaubte.“ Immer wieder hält er sich selbst „Feigheit und Bequemlichkeit“ vor, „diese beiden pelzigen Wesen mit spitzen Zähnen, die ihm zuflüsterten, es sei auch später noch Zeit für die Wahrheit.“ Und dann muss er, der Welsche (also Italiener, also Fremde), in einem Dorf in Südtirol ermitteln, in dem das Böse haust.

Elisabeth Florin lebt im Taunus, begann ihre journalistische Arbeit aber einst in Südtirol. Bereits ihr dritter, in der Gegend von Meran spielender „Commissario Pavarotti“-Krimi ist nun erschienen. Dem Commissario, der nicht eben durch Tatkraft glänzt, stellt sie eine entschlossene Amateurin aus Deutschland (Frankfurt!) zur Seite, Liselotte von Spiegel, von Freunden Lissie genannt. Dummerweise hat Lissie just große Teile ihres Gedächtnisses verloren, dummerweise, weil Pavarotti einmal im richtigen Moment handeln wollte und der in den Kopf schoss, die er doch retten wollte.

Florin häuft in „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ auch sonst arg viele Unwahrscheinlichkeiten aufeinander. Im kleinen Katharinaberg ihres Romans wurden Gewalttäter und Psychopathen gleich reihenweise großgezogen, sie verschwinden und tauchen nach Bedarf wieder auf (im Nachwort rühmt die Autorin die Idylle des realen Katharinaberg und die Freundlichkeit seiner Bewohner).

Pavarotti hat dort, 1997, schon einmal eine Ermittlung vermasselt. Und nicht nur Menschen werden gemordet, mindestens einen Hundehasser gibt es in der Gegend. Auch auf Lissies Hund Spock wird ein Anschlag verübt.

Es passiert wirklich etwas viel in diesem Kriminalroman. Dafür entschädigt ein sauberer, durchaus plastischer, Formulierungsklischees umschiffender Stil. Und eine ziemlich originelle Figurenzeichnung. Denn zwar ist Pavarotti dann nicht so feige und bequem, wie ihm sein Gewissen regelmäßig vorwirft, aber er ist doch ein eher unleidlicher Chef.

Mit dem zu Romananfang zum Vice Ispettore ernannten Emmenegger hat er trotzdem einen braven und im Notfall treuen Helfer. Und Liselotte von Spiegel steckt bereits wieder die Nase in Dinge, die sie in Gefahr bringen. Zu den unsympathischen Seiten des Commissario gehört es übrigens, dass er ihr nicht beichtet (es sich freilich wiederholt fest vornimmt), dass er schuld ist an ihrer Verletzung und also auch ihrem partiellen Gedächtnisverlust.

Das alles liest sich recht traditionell, das Krimi wird von Elisabeth Florin nicht neu erfunden. Aber man hat doch auch gar nicht so wenig Vergnügen und Nervenzittern dabei.

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