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Riad Sattouf in der Ausstellung.

Comiczeichner Riad Sattouf

Ein erfolgreicher Anti-Held

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Das Pariser Centre Pompidou widmet dem franko-syrischen Comiczeichner Riad Sattouf eine Ausstellung – ein gemeinsamer Rundgang.

Ein Comic-Autor stellt sein Werk in der Bibliothek des Centre Pompidou aus, Frankreichs bedeutendstem Museum für moderne Kunst – das ist eine seltene Ehre. Die französischen Medien würdigen dies sogar als „Weihe“ eines „Superstars“. Und doch sagt der Comic-Autor selbst: „Das heißt nicht, dass ich es geschafft habe. Mit dem Erfolg kann es jederzeit vorbei sein. Ich verlasse mich auf nichts.“

Bescheidenheit, Untertreibung und eine sympathische Unsicherheit als Gegenteil von Star-Allüren gehören zu den Markenzeichen von Riad Sattouf. Vor allem mit seinem inzwischen vierbändigen Werk „Der Araber von morgen“, das laut seinem Verleger Guillaume Allary eine Gesamtauflage von zwei Millionen erreicht hat und in rund 20 Sprachen übersetzt wurde, gehört er zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Comicautoren überhaupt. Es ist eine autobiografische Serie über die – nicht immer lustige – Kindheit Sattoufs zwischen zwei Welten, der arabischen und der französischen. Wuchs er zunächst in Syrien, dem Land seines Vaters, und in Libyen auf, so zog er mit zwölf nach Frankreich, in die Heimat seiner Mutter.

Reißenden Absatz findet auch die Serie „Esthers Tagebücher“ über eine Heranwachsende in einer Pariser Vorstadt. Sattoufs boshaft-humorvoller Blick, seine alltäglichen Beobachtungen sprechen Erwachsene wie Jugendliche an. „Ich stelle mir beim Zeichnen immer vor, was meine bretonische Großmutter interessieren würde“, sagt Sattouf. „Einfach Dinge, die jeden betreffen. Alltag.“

Trotzdem wirkt der 40-Jährige bei einem Rundgang durch die Ausstellung über sein Werk fast verblüfft über den Erfolg und darüber, dass ihm das Centre Pompidou nach Größen in der Welt der Comics und Cartoons wie Hergé, dem Schöpfer von Tim und Struppi, Claire Bretécher und André Franquin diesen Raum zur Verfügung stellt. Dass einige seiner Werke sogar neben denen seiner Idole wie Art Spiegelman hängen. „Das war die Idee der Kuratoren! Ich selbst hätte das nie gewagt.“

Nur eine Vorgabe für die Kuratoren

Als einzige Vorgabe habe er den Kuratoren Emmanuèle Payen und Jérémie Desjardins gemacht, dass die Ausstellung wie ein Labyrinth aufgebaut sein solle, in Anspielung an einen Alptraum seines Helden im „Araber von morgen“. Ansonsten überließ er ihnen freimütig seine Kartons mit alten Fotos, Skizzen und Entwürfen, teilweise aus der Schulzeit, die die breite technische Palette des Absolventen einer Kunsthochschule in Rennes zeigen.

Auch Ausschnitte aus seiner Arbeit für das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ sind darunter, sowie zahlreiche Projekte, für die er nie Abnehmer fand – zig französische Verlagshäuser hatten ihm erklärt, eine Serie mit „Araber“ im Titel sei unverkäuflich. Guillaume Allary vom Verlagshaus Allary Éditions, das sich eher auf Belletristik spezialisiert hat und dessen einziger Comicautor Riad Sattouf ist, bewies schließlich das Gegenteil. Zugleich stellt er fest, dass selbst in Frankreich trotz seiner vergleichsweise stark ausgeprägten Comic-Kultur diese weiterhin für sich bleibt.

Das Centre Pompidou zeigt die Ausstellung nicht in den eigentlichen Museumsräumen, sondern in der Bibliothek. Der Eintritt ist gratis und daher kommt ein jüngeres Publikum. Allerdings ist das Renommee nicht dasselbe. Sattouf hingegen freut sich, handele es sich bei einer Bibliothek doch um einen „magischen Ort“: Hohe Bücherregale faszinierten ihn bereits in seiner Kindheit.

An einem anderen Ort hätte er eine Ausstellung womöglich abgelehnt, so wie er es sonst immer tut. Denn ganz wohl sei ihm nicht, seine Werke so exponiert zu sehen: „Comics sollten in Ruhe zu Hause im Bett gelesen werden und nicht nackt an den Wänden eines Museums hängen.“

Jetzt aber werden sie hier ausgebreitet – Passagen aus dem „Araber von morgen“ oder nie Veröffentlichtes wie das Projekt über einen „Weltraum-Araber“ („L’Arabe du futur“). Es geht auch um die beiden Filme Sattoufs, von denen der erste ein Erfolg war und der zweite ein Flop. „Nach dem Misserfolg rief mich keiner mehr an, ich hatte keine Freunde mehr, war unten durch“, seufzt Sattouf. Also bleibt er lieber bescheiden und auf der Hut, auch bei viel Erfolg. Bis heute.

Centre Pompidou, Paris: bis 11. März. www.centrepompidou.fr

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