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Illustration aus Carsten Niebuhrs "Beschreibung von Arabien".

Sachbuch

Epochale Expedition

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1761 bricht Carsten Niebuhr nach Arabien auf - „Die Andere Bibliothek“ macht das Abenteuer wieder zugänglich

Carsten Niebuhr (1733-1815) fasst zusammen: „Überhaupt muss man eine Reise nach Arabien nicht als eine Lustreise ansehen.“ Wer die drei Bände gelesen hat, in denen Niebuhr von genau einer solchen Reise erzählt, weiß, was der Forschungsreisende damit gemeint hat. Am 7. Januar 1761 war er in Kopenhagen als Mitglied einer sechsköpfigen Spezialistengruppe aufgebrochen und erst am 20. November 1767 zurückgekehrt – als einziger Überlebender. Der dänische König Friedrich V. hatte die Expedition ins Morgenland finanziert. Mit dabei: der Philologe Hansen, der Naturwissenschaftler Forskal, der Arzt Cramer, der Kupferstecher Baurenfeind, der Diener Berggren – und eben der Kartograph aus Göttingen und Kassenwart der „Gelehrten Männer“.

Niebuhrs „Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegenden Ländern“ ist eine feine Kulturgeschichte und kompakte Darstellung der erstaunlichen Strapazen unterwegs. Mal ist er an Ruhr erkrankt, mal fehlen die Kamele am verabredeten Ort, mal wird er von neugierigen Frauen bestürmt. Doch nichts von alledem lässt ihn am Nutzen seiner Reise zweifeln. Das Wissen und die Erfahrungen, die er in Arabien sammeln kann, sind ihm alle Mühen mehr als wert. So ist er das Idealbild eines Reisenden.

Ursprünglich sollte es vor allem darum gehen, dem ebenfalls aus Göttingen stammenden Orientalisten Johann David Michaelis Belege für die Korrektheit des Alten Testaments zu liefern. Diese erhoffte er sich vor allem aus dem Jemen. Doch als die Gruppe längst unterwegs war, wurde ihr noch manche Fachfrage zur Klärung hinterhergesandt, insgesamt 100 auf 348 Seiten, wie Frank Tenne im Vorwort schreibt. Darunter auch diese: „Ob die Zahnschmerzen und hohlen Zähne in Arabien seltener sind als bei uns?“ Es könnte sein, so eine Spekulation, dass der Kaffee-Genuss dabei eine Rolle spiele. Und wie steht es „im Vaterland der Heuschrecken“ mit dem Verzehr derselben. Schließlich recht unverhohlen auch diese Frage: Findet man in Arabien noch Gold in beträchtlicher Menge?

Es war der Aufbruch in eine Welt, die nur wenigen bekannt war. Doch nicht hochmütig wollte man sich dieser nähern, sondern verbindlich. Ausdrücklich lautete die königliche Instruktion: „Die sämtlichen Reisenden haben sich gegen die Einwohner Arabiens der grössesten Höflichkeit zu befleissigen.“ Daran haben sie sich, soweit man Niebuhrs Schilderungen folgen darf, sehr strikt gehalten. Konflikte gab es gleichwohl nicht wenige, als die unterschiedlichen Kulturen aufeinandertrafen.

Ja, strapaziös und gefährlich war die Reise. Mit Meeresstürmen ging es los. Immer war mit Überfällen zu rechnen, mit Krankheiten sowieso, auch mit Misstrauen gegenüber christlicher Neugier. Niebuhr freilich macht in seinen Reisebeschreibungen, deren dritter Band erst posthum erschienen ist, aus den Misshelligkeiten keine große Sache. Auch nicht aus den Unpässlichkeiten. Beiläufig nur erwähnt er, dass er die Audienz beim Imam von Sanaa verlassen muss; viel spannender findet er, dass er in den Wandelhallen keine Ruhe findet, sondern mit Fragen nach Europa bestürmt wird.

Der Jemen wurde für die „Gelehrten Männer“ zum Scheidepunkt. Die Malaria raffte zwei von ihnen dahin. „Um unser Leben mit unsern Papieren in Sicherheit zu bringen“, schreibt Niebuhr, ist die Rumpftruppe von der jemenitischen Hafenstadt Mokka nach Bombay aufgebrochen. Doch die Flucht vor der Malaria kommt für die meisten zu spät. Auf See sterben zwei weitere Reisemitglieder und werden über Bord geworfen. In Indien erwischt es 1764 auch noch den Arzt Cramer.

Niebuhr machte sich alleine auf die Weiterreise. Doch strebte er nun nicht eilends heimwärts, sondern blieb weiterhin wach und neugierig. Ausführlich beschreibt er seine Stationen in Persien, Bagdad, Syrien oder auf Zypern. Recht sachlich und frei von Eitelkeit führt er an, was ihm auffällt. Begeisterung artikuliert er selten. Immerhin schwärmt er in Persien von den „prächtigen Überbleibseln von Persepolis“. Den Figurenschmuck und die Keilschrift hat er vor Ort ausführlich dokumentiert, was segensreich für die Forschung war. Es war der Höhepunkt seiner jahrelangen Reise.

Die Ausgabe der „Anderen Bibliothek“ folgt dem Ursprungstext, in dem von „Egypten“ und „Dännemark“ die Rede ist. Die zeitgenössischen Illustrationen, allesamt informativ und hoch attraktiv, sind komplett integriert. Dass dann ausgerechnet in einer solch exquisiten Ausgabe einige wenige Schreibfehler im Vorwort verblieben sind, macht im Grunde nur bewusst, was für ein sehr schöner, reicher Band hier aufs Ganze besehen vorliegt.

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