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Emma Stonex. Foto: Melissa Lesage
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Emma Stonex.

„Die Leuchtturmwärter“

Emma Stonex: „Die Leuchtturmwärter“ – Das, was zurückbleibt

  • VonPetra Pluwatsch
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Emma Stonex zeichnet in „Die Leuchtturmwärter“ meisterhaft die Katastrophe nach, wenn Menschen ohne Spur und Nachricht verschwinden.

Helen Blacks Erinnerungen an ihren Mann sind nur noch „Bruchstücke, verdorrte Schuppen, die sie umwehten wie Laub, das durch die Küchentür getrieben wurde. Manchmal bekam sie eine zu fassen und konnte sie genauer betrachten, aber meist sah sie nur, wie diese Blätter um ihre Knöchel wehten, und fragte sich, wie um aller Welt sie die Energie aufbringen sollte, sie zusammenzukehren“. Vor 20 Jahren ist der Leuchtturmwärter Arthur Black zusammen mit zwei Kollegen spurlos verschwunden. Hunderte Geschichten kursieren seit jenem 30. Dezember 1972 in dem englischen Örtchen Mortehaven, vor dessen Küste, weit draußen im Meer, groß und bedrohlich der Ort des Geschehens aufragt: der Maiden-Rock-Leuchtturm.

Ihn fand ein Rettungstrupp einen Tag vor Silvester leer und offensichtlich in Eile verlassen. Die Eingangstür von innen verschlossen, der Tisch in der Küche für zwei Personen gedeckt. Beide Wanduhren waren um Viertel vor neun Uhr stehengeblieben. Hatte eine Welle die drei Männer ins Meer gespült? Hat einer der drei die Kollegen und sich selbst getötet? Sind sie gar von Außerirdischen entführt worden, wie sich die Spinner im Ort hinter vorgehaltener Hand zuraunen?

Emma Stonex’ wunderbarem Roman „Die Leuchtturmwärter“ liegt eine wahre Geschichte zugrunde: Im Dezember 1900 verschwanden auf der Hebrideninsel Eilean Mor unter mysteriösen Umständen drei Wärter von einem abgelegenen Leuchtturm. Ihr Schicksal wurde bis heute nicht aufgeklärt. Stonex, 1983 in Northamptonshire geboren, maßt sich beileibe nicht an, das Rätsel gelöst zu haben. Klug erzählt sie eine von vielen möglichen Geschichten. Ja, genau so könnten sich die letzten Stunden auf dem legendären Maiden-Rock-Leuchtturm zugetragen haben. Aber vielleicht war es auch anders.

Das Buch

Emma Stonex: Die Leuchtturmwärter. Roman. A. d. Eng. v. Eva Kempter. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2021. 432 S., 22 Euro.

Arthur Black, Bill Walker und Vincent Bourne lassen drei Frauen zurück, die sich auch 20 Jahre später nicht mit ihrem Verschwinden abgefunden haben. Wie auch? „Es gab keine Erkenntnisse, keine Klarheit und keinen Abschluss“, sagt Helen Black, die tagtäglich gegen ihre Verbitterung ankämpft. Michelle, die Freundin von Vincent Bourne, hat mit einem Mann, den sie nicht liebt, eine Familie gegründet. Das Leben müsse schließlich weitergehen, sagt sie. Für Jennifer Walker hingegen ist die Zeit vor 20 Jahren stehengeblieben. Noch immer wartet sie darauf, dass Bill zurückkehrt.

Sie wurden zurückgelassen

Eindringlich schildert Stonex die Versuche der Frauen, endlich abzuschließen mit der Vergangenheit und gemeinsam zu etwas Neuem zu finden. „Die drei haben uns drei zurückgelassen, und ich interessiere mich für das, was zurückbleibt“, erzählt Helen Black einem Schriftsteller, der ein Buch über das Drama auf dem Leuchtturm schreiben will. „Für das, was wir daraus machen können, wenn es noch möglich ist.“

Auch die Männer kommen zu Wort. In zahlreichen Rückblenden beschreibt Emma Stonex deren letzte Tage auf dem abgelegenen Leuchtturm und lässt sie von ihrer Einsamkeit und ihren Lebensängsten erzählen, von Enttäuschungen und geplatzten Träumen. Jeder von ihnen hat Schuld auf sich geladen. Und jeder hätte einen Grund, der Enge des Leuchtturms und des eigenen Daseins zu entfliehen, um abzutauchen in ein anderes, ein besseres Leben. Schicht um Schicht entblößt Emma Stonex die Seelen ihrer Protagonisten, bis wir, die Leserinnen und Leser, Arthur Black, Bill Walker und Vincent Bourne jede noch so schändliche Tat zutrauen. Das ist meisterhaft gemacht und zeugt von großem psychologischem Gespür.

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