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Auf dem Frankfurter Hautpfriedhof. epd

Kriminalroman

Elsemarie Maletzke: „Magnolienmord“: Wenn die Blausterne wieder blühen

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„Magnolienmord“, Elsemarie Maletzkes feiner Krimi für Garteninteressierte, aber auch andere.

Es ist kein Nachteil für die Lektüre von Elsemarie Maletzkes „Magnolienmord“, wenn man sich fürs Gärtnern interessiert. Es kann das Vergnügen an diesem Buch intensivieren. Aber auch wenn man eine Magnolie nicht von einer Hortensie, eine Platane nicht von einer Flatterulme unterscheiden kann, so wird man den Kriminalroman doch flott finden, gleichzeitig nicht allzu nervenaufreibend. Der Dendrologe Simon verunglückt, Elinor, Hauptfigur der Verwicklungen, wird niedergeschlagen und bestohlen, Schüsse fallen, aber die Bösen drohen lediglich mit dem Mord an einer sehr seltenen Pflanze. (Selbstverständlich ist das schlimm genug, keinesfalls soll ein solcher Giftanschlag hier kleingeredet werden.)

Die Frankfurterin Maletzke interessiert sich sehr für Britisches. Da konnte es kaum ausbleiben, dass unter Elinors Dach – im fiktiven „Blauhaus“ direkt neben dem Hauptfriedhof, mit einem diskreten Türchen zum Jüdischen Friedhof – Frau Hensel mit ebendiesem Fimmel Mieterin ist. Dass außerdem noch ein vorlautes Mädchen mit Austen-Faible mit seinen Eltern einzieht. Die kluge, kühle Elinor arbeitet in der nahen Nationalbibliothek. Und bis sie den polnischen Dendrologen (Baumkenner) Simon Jankowski kennenlernt, besteht ihr größtes Verbrechen darin, streng geschützte Blausterne, Scilla siberica, nebenan auf dem Friedhof auszugraben und in den eigenen Garten zu pflanzen.

Ein brisantes Päckchen

Das Buch:

Elsemarie Maletzke: Magnolienmord. Kriminalroman. Schöffling & Co., Frankfurt 2020. 242 S., 18 Euro.

Simon aber soll hier ein Päckchen übergeben, seine Erpresser drohen mit, nun ja, „Magnolienmord“. Also legt er das Päckchen, wie gefordert, hinter einem Grab ab. Also ist aber der Fuchs, dem Elinor in diesem trockenen Sommer immer Wasser hinstellt, schneller als der Gauner. Also ist der Inhalt des Päckchens erstmal weg, Simon so nervös, dass er vom Baum fällt, Elinor zuerst beunruhigt und zutiefst erschrocken, als sie überfallen und ihre Wohnung verwüstet wird. Bald weiß sie, was der Einbrecher suchte, aber wie kommt sie dazu, es der Polizei zu erzählen? Gar nicht kommt sie dazu. Schon zweimal nicht, nachdem sie einen Teil des Päckcheninhalts verscherbelt hat.

Elsemarie Maletzke: Magnolienmord.

Dies selbstverständlich für eine gute Sache, nämlich um ihr Elternhaus zu retten vor ihrer kapriziösen kleinen Schwester. Deren zwischenzeitliche Flamme, der Künstler Nelson, eigentlich ja schuld ist an Simons Unfall.

Elsemarie Maletzke hat einen hübsch beschwingten Erzählton. Es ist klar, dass dies kein problemwälzender Kriminalroman ist. Aber durchaus sind Schrullen und menschliche Schwächen scharf beobachtet. Und mit feinem Humor geschildert. Simons Schwiegertochter, die die Disziplin einer Tänzerin hat, aber nicht tanzt. Simons ansprechend galanter Sohn, der Elinor doch nur aushorchen will. Kommissar Baer, der Elinor, wie sie genau weiß, kein Wort glaubt, aber höchstens innerlich seufzt und mit den Augen rollt.

Das liest sich ganz vorzüglich. Fast möchte man sagen, man gleitet mit diesem Text elegant durch einen Nachmittag und Abend.

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