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„Dass der Blickwinkel interessant ist, das ist für mich die halbe Miete beim Lesen“, sagt Else Laudan.

Ariadne-Krimiverlag

Else Laudan: „Frauen erzählen Geschichten aus anderen Blickwinkeln“

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Else Laudan, Verlegerin von Ariadne, über den Krimi als Literatur der Krise und die bleibende Notwendigkeit eines Orts für Autorinnen.

Frau Laudan, ein Verlag nur für Krimi-Autorinnen, war das 1988, als Ariadne gegründet wurde, notwendig? Ist es heute auch noch notwendig?

Ja. Unbedingt ja. Ich stecke ja mit meinem Leben in diesen Zeiten drin und habe eine starke Wahrnehmung des Genres, weil ich es immer geliebt habe. 1988 war die Situation von Frauen im Genre noch ärgerlicher als heute. Noch völlig unwidersprochen war die Selbstverständlichkeit, dass in 99 Prozent der Kriminalliteratur Frauen lediglich Kulisse waren, wie im Kulturkolonialismus, einfach Verzierung. Die Rolle der Protagonistin mussten die feministischen Autorinnen im Genre erst erobern, das geschah damals in den 80ern. Es waren die Feministinnen aus dem anglophonen Raum wie Liza Cody, Sara Paretsky, Sue Grafton, die vorangegangen sind. Sie haben gute, ja hervorragende Kriminalliteratur als Gegenwartsliteratur mit weiblichen Hauptrollen besetzt. Das musste erstmal passieren. Wir haben dann in den 90ern erlebt, wie das so nach und nach die ganze Kultur durchdrang. Und plötzlich gab es auch Fernseh-Kommissarinnen, das war ja bis dahin keine Selbstverständlichkeit. Von heute gesehen besteht für mich die Notwendigkeit, an diesem Konzept energisch festzuhalten, es ist sehr kostbar geworden auf verschiedene Weise. Wie wir immer wieder bei den „Frauen zählen“-Aktionen sehen, ist ja noch keine kulturelle Gleichgewichtigkeit erreicht. Das andere ist, dass ich mit meinem zugespitzten Ariadne-Programm in den letzten 15 Jahren immer wieder festgestellt habe, dass wir, also wir Frauen und eben nicht nur meine Autorinnen, die ganze fehlende zweite Hälfte der Großen Erzählung beizusteuern haben. Das ist ein Motto, das die Schriftstellerinnen mit Energie erfüllt und kühn macht.

Es geht Ihnen also mehr um spezifische Inhalte, als darum, verkannten Autorinnen, die anderswo vielleicht abgelehnt wurden, einen Platz zu geben?

Es geht natürlich um die Inhalte. Ich habe zwar häufiger in den letzten zehn Jahren festgestellt, dass grandiose Autorinnen unverlegt sind, weil Verlage sich nicht mehr um sie gekümmert haben, und da springe ich natürlich rein. Aber meine Kriterien als Programmmacherin sind ganz klar inhaltliche. Diese Spitzenautorinnen, von denen ich früher nicht geträumt hätte, sie einmal zu verlegen, schreiben halt so, wie ich mir wünsche, dass geschrieben wird. So passen sie auch gut in mein Programm.

Meinen Sie da zum Beispiel Sara Paretsky?

Ja. Auch Liza Cody war unverlegt. Oder Malla Nunn – da wurden vom Aufbau-Verlag zwei Bücher gemacht, dann wurde sie fallengelassen, weil sie sich wohl nicht gut genug verkauft hat. Das ist eine historisch arbeitende Autorin, die trägt so viel zum Genre bei. Es gibt viele Autorinnen, die aus dem kommerziellen Radar der großen Verlage rausfallen. Das gilt übrigens ähnlich auch für die Schottin Denise Mina, sie ist erst bei Knaur, dann bei Heyne verlegt worden, die haben aber nicht die Aufmachung, das Marketing, die Qualität der Übersetzung und des Lektorats bereitgestellt, die man für eine so hochkarätige Autorin gebraucht hätte. Deswegen ist sie nicht gebührend bekannt geworden. Und wir als Winz-Verlag ohne Werbebudget haben Denise Mina den richtigen Ruf verpasst – was für eine Ironie.

Sie haben inzwischen vermutlich den Vorteil, eine kleine, aber gut eingeführte Nische zu besetzen.

Das ist richtig. Ich kann tatsächlich mein Glück nicht fassen, dass die 30 Jahre Lehrzeit, die ich in dem Genre und in dieser Branche haben durfte, so nach vorne losgehen, dass ich nun tatsächlich eine Glaubwürdigkeit für Ariadne erlangt habe, die wie ein Leuchtturm ist. Andererseits muss ich sagen, das ist für mich ein Beleg dafür, dass wir auf der richtigen Fährte waren mit der Entscheidung, das Politische nach vorne zu stellen, Krimis als ein Fenster zur Welt und als Spiegel der Gesellschaft aufzufassen. Ich glaube, dass die gute politische Literatur, und da besonders die Kriminalliteratur mit ihren immer wieder dazwischen versteckten Gegenwartsanalysen, so dringend gebraucht wird wie nie zuvor, wenn man kulturell den Gedanken von Gesellschaft gestalten weiterverfolgen will. Der Krimi, sagt Dominique Manotti, ist die Literatur der Krise – und ich finde, das kann man so stehen lassen.

Auf der Ariadne/Argument-Verlagsseite im Internet fand ich die Formulierung vom „sozialkritischen Biss“: Sie schauen gezielt darauf bei Ihren Autorinnen?

Else Laudan.

Absolut. Das ist für mich Voraussetzung dafür, dass mich ein Buch überhaupt interessiert. Dass der Blickwinkel interessant ist, das ist für mich die halbe Miete beim Lesen, egal ob Genre oder außerhalb. Der Blickwinkel in dem Sinne, dass es eine Gewärtigkeit für Unrecht – es ist ja die Hauptaufgabe des Genres, über Unrecht zu schreiben – und Ungerechtigkeit gibt. Frank Göhre (Krimi- und Drehbuchautor, d. Red.) hat immer gesagt: Der Krimi ist die einzige Literatur von unten, die wir haben. Da muss ich auch schmunzeln, weil ich denke, er hat bestimmt keinen feministischen Ansatz damit gemeint, aber gerade die Frauen haben aufgrund ihrer Sozialisation und ihres Alltags oft den Blick von unten.

Ein von Ihnen verlegter Krimi muss also relevant sein, eine politische Position beziehen. Wie wichtig ist Ihnen dabei formale Innovation?

Ich feiere sie und begrüße sie, wenn ich sie vorfinde. Ich finde sie nicht zwingend. Wir haben ja eben schon über Sara Paretsky gesprochen, die auf Innovatives ein Stück weit verzichtet, zugunsten einer aufwendigen und unglaublich redlichen Aufarbeitung wichtiger Themen, zu denen sie recherchiert und daraus richtig große klassische Plots macht. Die Innovation ist für mich also nicht Voraussetzung, sondern so etwas wie ein Bonus, ein Zeichen dafür, dass es den Autorinnen gut geht – weil sie Wagnisse eingehen. Wie Merle Kröger. Ich bin ja sozusagen die Hebamme der guten Bücher, die ich mache, und ich sehe meine Aufgabe auch darin, ein kulturelles Umfeld zu schaffen, das Autorinnen ermutigt, Courage zu entwickeln, etwas Neues zu versuchen, ein Risiko einzugehen. Ich gehe jedes Risiko mit, wenn ich erkennen kann, dass es ein sinnvolles ist. Ich bin nicht darauf fixiert, dass ein Buch von den Verkaufszahlen her eine sichere Sache sein muss. Das ist mir eigentlich egal. Das kann man gerade schön beim Krimi von Sarah Schulman sehen, den habe ich letzten Sommer übersetzt. Die Übersetzung war wirklich eine Qual, denn als Übersetzerin ist man ja noch dichter dran an Hauptfiguren, und Sarah Schulman hat eine Hauptfigur namens Maggie Terry, die zu übersetzen fast körperliche Schmerzen macht.

Inwiefern?

Sie ist süchtig und desorientiert. Ihr Weg durch dieses Buch ist ein Weg der endlosen Schleifen und des mühsamen Ringens. Ich habe gedacht, das ist ein tolles Buch, aber auch ein absolutes Nischenbuch, selbstverständlich werden wir damit nicht auf die Bestenliste (der Krimijury, d. Red.) kommen und es wird kaum Rezensionen geben – und ich erlebe genau das Gegenteil. Was mich noch einmal darin bestätigt, dass der Gedanke gerade verstärkt ankommt, dass wir die Schwierigkeiten mit dieser Gesellschaft zu fassen kriegen im Genre.

In der Krimijury, der ich angehöre, haben wir öfters eine Diskussion über Bücher hart an der Grenze zwischen Krimi und „normalem“ Roman oder bereits drüber. Gibt es für Sie einen Punkt, an dem Sie sagen: Da hört für mich der Krimi auf?

Jein. Das hängt stark vom Inhalt und von der Erzählweise ab. Ich kann eine solche Grenze nicht in Beton gießen, sonst hätte ich ein Buch wie „Drift“ von Anne Kuhlmeyer nicht machen dürfen, weil es deutlich über den kriminalliterarischen Realismus hinausgreift. Aber die Erzählweise ist hervorragend auf Spannung ausgelegt und die Idee, die das Buch in die Köpfe trägt, hat im Genre durchaus Platz: Die Welten, die wir uns erlesen, können wir betreten, sie werden Teil unserer Wirklichkeit. Ich nehme es gern in Kauf, wenn ein Buch über den Rand des Genres hinausspaziert. Ich bin generell wohlwollend mit Blick auf die Experimente, die im deutschsprachigen Genre stattfinden – jetzt endlich (lacht). Und freue mich auch über tolle Autoren von anderen Verlagen. Es wäre ja für einen kleinen Laden wie uns gar nicht sinnvoll, wenn wir versuchten, alles zu machen. Spezialisierung ist sowieso klug.

Zur Sache

Else Laudan, geboren 1963 in Berlin, Verlegerin, studierte Soziologie undSozialökonomie in Hamburg und begann 1987 als Lektorin und Übersetzerin zu arbeiten. Seit 1988 betreut sie die Reihe der „Ariadne Kriminalromane“ im Argument Verlag, Hamburg.

Die Ariadne-Krimireihe, in der nurAutorinnen verlegt werden, war Ende der 80er Jahre von Else Laudans Mutter Frigga Haug unter dem Dach des Argument Verlags gegründet worden. Die Wurzeln des Argument Verlags als Haus linker Theorie und Wissenschaftskritik reicht bis 1959 zurück. 2019 wurde der „Argument Verlag mit Ariadne“ mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.

Schreiben Frauen, schreiben Ihre Autorinnen anders?

Ich finde, das ist dünnes Eis, und würde die Frage spontan erstmal immer mit „Nein“ beantworten. Ich glaube, die Antwort ist zu billig, zu sagen: ja, Frauen schreiben anders. Frauen schreiben nicht unbedingt anders, aber ich denke, Frauen erzählen Geschichten aus anderen Blickwinkeln, die sehr wichtig sind, kulturell und sozial.

Was gehört für Sie dazu, eine Autorin gut zu verlegen?

Lektorat und Übersetzung. An dem Punkt bin ich eisenhart und auch durchaus nicht ohne Arroganz, weil ich selbst viel und schon lange übersetze und mich immer wieder ärgere, was bei anderen Verlagen selbst in guten Büchern an sprachlichen Lieblosigkeiten in Kauf genommen wird. Ich habe seit 26 Jahren eine Lektoratskollegin, Iris Konopik, die genauso eisern dafür streitet, dass jede Übersetzung akkurat sein und die Stärken der Autorin in kompromisslos guter Weise rüberkriegen muss, Wort für Wort. Dann natürlich eine gute Präsentation, ein Cover, das zum Buch passt. Das geht bis zum Klappentext. Über Klappentexte ärgere ich mich schrecklich oft, weil viele der Autorin die Erzählung abnehmen – und die Inhaltsangabe ist gar nicht Sinn des Klappentextes. Er soll Menschen, die sich für das Buch interessieren, einen Hinweis geben, was sie erwartet. Mehr nicht.

Haben Sie das Gefühl, dass das Angebot an Qualität im Krimi über die Jahre gestiegen ist?

Ja, es gibt mehr gute Autorinnen, auch mehr gute Autoren. Die Rolle der Kritik ist dabei unterschätzt. Die Existenz der Krimibestenliste, auch wenn sie immer mal Gegenwind bekommt, wenn etwa behauptet wird, das wäre sowieso nicht das, was das Volk liest, ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Genres bei uns. Weil etwas anderes als das quantitative Marktmacht-Potential der Bücher gemessen wird, nämlich Qualität. Dadurch hat sich etwas verändert in der Rezeption. Und es stimmt auch nicht, dass die breite Masse sowieso etwas anderes liest als auf der Bestenliste steht. Es gibt eine Wirkung, und ich kann sie spüren als Verlegerin.

Wie sieht diese Wirkung aus?

Ermutigend. Es hängt ja immer alles mit allem zusammen. In den zehner Jahren sind die Druckmedien in die Krise geraten, haben sich dadurch auch ein bisschen mehr den populären Genres geöffnet in den Feuilletons. Das ist für den Kriminalroman ein guter Effekt gewesen. Intelligente Krimis sind sichtbarer geworden. Was aber immer noch nicht abgegolten ist, das sind die Geschlechterverhältnisse. Wenn es an die höheren Weihen geht, sind Männer immer noch stark bevorzugt, weil ihnen automatisch, auch durch den Bildungskanon, zugesprochen wird, dass ihre Perspektive die wichtige ist. Ich glaube, das passiert ganz unbewusst, man muss da an die Schullektüren ran. Es ist auch so, dass manche Kritiker und Kritikerinnen hierzulande Deutschsprachiges immer noch ein bisschen mit der Kneifzange anfassen. Das deutschsprachige Genre, bei dem ich sehr lange rumgepöbelt habe, dass es endlich mal aus den Kinderschuhen kommen müsse, dass es seinem spießig-behäbigen Image endlich mal entwachsen könnte, dass es mehr Courage braucht – das ist in Bewegung gekommen. Aber es ist immer noch sehr schwer, ich merke das selber. Und antworte darauf mit meinen deutschsprachigen Autorinnen. Es ist aber bis heute schwieriger, mit einer deutschsprachigen Autorin das Feuilleton zu kriegen, als mit internationalen.

Aber es ist deutlich leichter geworden mit „Frauenkrimis“?

Nicht an sich. Da ich seit 1988 feministische Kriminalliteratur mache, habe ich verschiedene Varianten und Schattierungen und Ausdrucksformen von kulturellem Backlash miterlebt, ganz konkret und persönlich. Und bin immer darauf gefasst, dass wieder eine Gegenbewegung kommt. Darum bin ich auch erfreut über diese ganzen geduldigen, fleißigen „Frauen zählen“-Aktionen, die durch den dauernden Irritationsreiz verhindern, dass schnell wieder der Deckel drübergelegt wird nach dem Motto: das ist nun getan, abgegolten, vorbei – reden wir doch mal über was ganz anderes. Das geht nicht mehr so leicht, denn es gibt inzwischen genug Frauen in der Kultur, die sagen: nö.

Was glauben Sie, warum ist so ein ungeheurer Krimi-Boom entstanden? Warum bekam der Krimi etwa in Buchhandlungen immer mehr Platz?

Ich denke, da greifen verschiedene Faktoren ineinander. Natürlich hat sich das Standing des Genres verbessert. Das heißt, es gibt das Verständnis, dass die Kriminalliteratur mindestens wie andere Literaturen relevante Gegenwartserzählungen schaffen kann. Nicht muss, aber kann. Die politische Besetzung des Genres hat dazu geführt, dass der Schmuddelcharakter des Krimis auch Vergangenheit ist. Es gibt zwar immer noch Menschen aus literarischen Kreisen, die spontan sagen: Krimis lese ich nicht. Aber das ist oft gar nicht wahr, durchaus gibt es eine Neigung Richtung Spannungsliteratur, bloß das Attribut Krimi wird noch ein bisschen benaserümpft. Dazu kommt die ökonomische Bredouille der Buchbranche: Die Buchläden müssen sich stark damit auseinandersetzen, dass es immer schwieriger wird, Menschen Bücher zu verkaufen. Erst hat die Expansion großer Filialisten den kulturellen Standort Buchladen beschädigt. Dann kam Amazon. Und der Mythos vom schnellen Konsumgut. Durch die Krise des Buchhandels und die von mir schon erwähnte der Zeitungen wurde alles, was eine Chance auf Popularität hat, auch ökonomisch aufgewertet. Und natürlich ist das Genre populär, weil die großen gesellschaftlichen Fragen hier in Erzählungen reingestrickt werden, die für Menschen, ich sage mal, barrierefrei zugänglich sind.

Barrierefrei bei den literarischeren Krimis jedoch durchaus nicht immer.

Stimmt. Andererseits kann man auch Überraschungen erleben. Nehmen Sie die schon erwähnte Sarah Schulman. Ich hätte nicht gedacht, dass sie es schafft, so viele Menschen zu entzücken, die sagen: Ja, das ist ein starker Fokus auf das urbane Leben unter Trump. Dass auch ihr Humor verstanden wird. Auch bei unserem Hit „Die Alte“ von Hannelore Cayre ist es so, dass das Humoristische daran jetzt auf dankbaren Boden trifft. Ich lehne mich mal ganz weit raus und behaupte, das wäre vor zehn Jahren nicht gegangen. Da war das Publikum noch nicht so weit, diese Art von kritischem Humor erfrischend zu finden. Wenn ich ein Beispiel nennen darf, Liza Codys „Krokodile und andere Ziele“: In der deutschen Krimirezeption gibt es eine Menge Befindlichkeiten, über was man finstere Witze machen darf, und bei der Misshandlung von Kindern hört es auf. Obwohl dieses Buch ein großartiges satirisches Werk über soziale Gewalt ist, ist es nicht durchgekommen. Es ist der einzige Flop der letzten fünfzehn Jahre gewesen, weil der zornige Humor den Leuten noch zu heftig war.

Glauben Sie, dass der allgemeine Krimi-Boom noch eine Weile anhalten wird?

Es gibt, mit einer fließenden Grenze, ohne scharfe Kante, zwei Arten von Kriminalliteratur. Die eine ist die, die reproduziert, was der klassische Schema-Krimi tut, nämlich: Ich serviere euch ein Rätsel, ihr dürft mitraten und am Ende ist alles wieder gut. Das klassische Strickmuster des Whodunnit, wo kein Wert auf Brisanz gelegt wird und es nicht um Inhalte geht, sondern um die Form. Auf der anderen Seite der Krimi als sozialer Realismus, als brisante Gegenwartsliteratur, der über Gesellschaften im Umbruch erzählt, der aus der Perspektive von Menschen erzählt, die sonst im Schatten sind. Der die vertraute Form nutzt, um eine Sicht vorzuschlagen, die für die Lesenden neu ist. Ich denke, dass diese zweite Hälfte der Kriminalliteratur, die erkundende, sondierende, den Blick verrückende, dass die gerade erst angefangen wird zu schätzen. Und dass das noch viel stärker werden wird. Weil es die Literatur der Krise ist und wir in der Krise sind.

Interview: Sylvia Staude

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