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Anfang der 80er: Die Madres de Plaza de Mayo fragen nach ihren verschwundenen Kindern.
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Anfang der 80er: Die Madres de Plaza de Mayo fragen nach ihren verschwundenen Kindern.

Kriminalroman aus Argentinien

Eloísa Díaz „1981“: Hat seine Generation versagt?

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Eloísa Díaz’ Kriminalroman „1981“ über Argentinien unter der Militärdiktatur und die Reue eines Polizisten.

Eloísa Díaz, geboren 1986 in Madrid als Tochter argentinischer Eltern, hat in Paris Jura und in New York Creative Writing studiert. Ihr Debütroman spielt zur Hälfte im Argentinien der Militärdiktatur und wurde gleich nach seinem Erscheinen in diesem Jahr aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. „1981“ ist ein Kriminalroman, der aber mit seinem offenen Ende erheblich abweicht von der Konvention. Und der vor allem die leider in zahlreichen Ländern immer noch sehr aktuelle Frage untersucht, wie feig oder mutig sich Menschen verhalten, wenn ihre Freiheit bedroht ist, ob sie bereit sind, im Widerstand gegen ein Regime ihr Leben aufs Spiel zu setzen, ob sie Kompromisse eingehen. Und was das für ihre Angehörigen an Schmerz und Trauer bedeuten kann.

Der Roman trägt den Titel „1981“, spielt aber in Teilen genau zwanzig Jahre später, als Präsident Fernando de la Rúa den Ausnahmezustand verhängt, als Bürgerinnen und Bürger Argentiniens wieder einmal auf die Straße gehen.

1981 verschwinden Jorge Alzada und seine Frau, werden einfach abgeholt, in einem Folterkeller geschlagen, gequält bis zum Tod. 2001 verschwindet eine junge Frau aus gutem Hause spurlos – und wo keine Leiche, da auch kein Beweis für ein Verbrechen. Es wird aber in einem Müllcontainer eine tote Frau gefunden und als Junkie abgetan. Inspektor Alzada, Bruder des einst von den Schergen der Diktatur ermordeten Jorge, schwankt: Seinem Chef wäre es sehr recht, den Fall der Verschwundenen zu den Akten legen zu können, denn ein Kongressabgeordneter könnte involviert sein; Alzadas Untergebener Estrático aber recherchiert weiter, notfalls heimlich, besteht auf ausführlicher, korrekter Polizeiarbeit, legt den Eltern Fotos der Toten aus dem Müll vor, macht tatsächlich Ermittlungsfortschritte. Ein bloßer Hilfsinspektor, der den Inspektor beschämt.

Das Buch:

Eloísa Díaz: 1981. Kriminalroman.A. d. Engl. von Mayela Gerhardt. Hoffmann und Campe 2021. 320 S., 23 Euro.

Eloísa Díaz hat ihren Roman im Original „Repentance“, Reue, genannt. Joaquín Alzada, der 1981 bereits Polizist war, wird sich vermutlich für den Rest seines Lebens fragen, ob er es hätte besser machen können. Ob er seinen Bruder eindringlicher hätte warnen sollen, ihn schneller aus dem Folterkeller hätte holen können (er riskiert es, aber da stirbt Jorge schon). Ob auch er 1981 auf die Straße hätte gehen sollen, eben nicht, um sich mit seinen Kollegen den Demonstrierenden entgegenzustellen, sondern auf der anderen, der gerechteren Seite. Hat seine Generation versagt? Warum haben damals nur die „Mütter“, die Madres de Plaza de Mayo, regelmäßig protestiert, nach ihren Töchtern und Söhnen gefragt, bis sie „zu einer weiteren argentinischen Eigenart“ wurden?

Eine zweite Chance

Inspektor Alzada bekommt eine Art zweiter Chance, in Gestalt des Sohnes seines Bruders, Sorolla, den er und seine Frau Paula aufgezogen haben, dessen Idealismus ihn an Jorge erinnert. Aber der junge Mann leidet an Panikattacken, eine Demo gegen die Regierung ist ein denkbar schlechter Ort für ihn. Alzada streitet sich mit seinem Neffen, heftig, dann begleitet er ihn doch.

Es gibt keinen Helden in diesem Roman. Die Autorin lässt offen, ob es von Jorge nicht mindestens blauäugig war, auf den Einfluss seines Polizistenbruders zu vertrauen. Ob sein Mutt nicht auch Dummheit war. Ob er seine Frau und sein kleines Kind nicht hätte um jeden Preis schützen, seinen Kampf, seine politischen Überzeugungen hintanstellen müssen. Um jeden Preis? Zwanzig Jahre später ist der Staatsdiener nicht mehr sicher, welche Entscheidung die richtige ist in einem Unrechtsregime. Ob man nicht auch für die Freiheit der anderen kämpfen muss.

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