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Das Messemännchen allein in der Glashalle, hier 2020 bei der ersten, kurzfristigen Absage.
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Das Messemännchen allein in der Glashalle, hier 2020 bei der ersten, kurzfristigen Absage.

Leipziger Buchmesse

Einmal ist keinmal. Aber was passiert nach dem zweiten Mal?

  • vonCornelia Geißler
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Eine entmutigende Nachricht: Die Leipziger Buchmesse, vorsorglich schon auf Mai verlegt, ist erneut abgesagt.

Auf die oft frühsommerlich warmen Tage Ende Mai hatte die Leipziger Messeleitung die sonst im März abgehaltene Buchmesse für 2021 verschoben. Jetzt hat sie die Großveranstaltung doch abgesagt, im Interesse der Gesundheit des Publikums und aller Beteiligten. Das zu langsame Sinken der Ansteckungszahlen mit Covid-19 und die gleichzeitige Verbreitung neuer Mutationen des Virus lassen jede Hoffnung wie Leichtsinn aussehen.

In Leipzig bleiben also auch im Mai Tausende Hotelbetten leer, Restaurantplätze frei, S- und Straßenbahnen dünn besetzt. Die wirtschaftlichen Folgen für die Stadt waren bereits 2020 heftig, als die Buchmesse als eines der ersten Großereignisse in Deutschland abgesagt wurde. Die Stadt und das Land Sachsen sind die Träger der Messe. Die frühe Entscheidung jetzt erleichtert die Planung.

Einmal ist keinmal, sagt der Volksmund, was einmal ausgesetzt wurde, kann im nächsten Versuch in neuem Glanz erblühen. Aber was hat es für Auswirkungen auf solche Branchen- und Publikumstreffen, wenn sie auch ein zweites Mal nicht durchführbar sind? Lohnt es sich noch, vom Jahr 2022 zu träumen?

Es klingt wie ein schiefes Pfeifen im Wäldchen, wenn Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, im Statement für das „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“ parallel zu seinem Bedauern für die Leipziger Messe, für die Autorinnen und Autoren, für die Verlage bekräftigt, dass Ende Oktober die Frankfurter Buchmesse auf dem dortigen Messegelände stattfinden soll.

Das weltgrößte Treffen der Literatur- und Medienbranche hatte im vergangenen Herbst nach seiner kurzfristigen Absage der Präsenzmesse gezeigt, dass sich digital einiges auf die Beine stellen lässt. Die Angebote im Stream und als Foren zählten 200 000 Nutzerinnen und Nutzer, es gab 4440 digitale „Stände“. Aber mögen die Erfahrungen mit Livechats noch so verblüffend direkt sein – jeder wird bestätigen, dass ein Gespräch via Bildschirm eine persönliche Begegnung nur unzureichend ersetzt, dass ein Scrollen über Bildschirmoberflächen dem Stöbern durch Regale und um Tische nicht gleichkommt. Es ist eine Zeitenwende. Die Frankfurter Buchmesse hat Ende 2020 einen „Restrukturierungsprozess“ durchlaufen, das heißt: Es werden Stellen gestrichen.

Anfang der 90er hatte Leipzig es im geeinten Deutschland zunächst schwer, seinen traditionsreichen Standort aufrechtzuerhalten, die Verlage hatten schon den teuren Frankfurter Termin im Kalender. Doch vor allem die schnell gewachsene Initiative „Leipzig liest“, unterstützt vom Bertelsmann-Konzern, ließ das Frühjahrstreffen weniger als Marktplatz denn als Informationsbörse und Begegnungsstätte attraktiv werden. 2019 kamen 286 000 Besucherinnen und Besucher.

Sichtbarkeit ist und bleibt das entscheidende Stichwort in diesem Zusammenhang. Wenn im Laufe des Frühjahrs noch die neuen Bücher von Judith Hermann und Helga Schubert, von Benedict Wells und Christoph Hein, von Ingrid Noll und Peter Handke erscheinen, dann finden die ihr Publikum auch ohne die Leipziger Buchmesse. Sie brauchen nicht mal digitale Veranstaltungen, um im Buchhandel Erfolg zu haben. Aber was ist mit Debüts und ausländischen Titeln, mit noch unbekannten Namen?

Viele geplatzte Träume

Obwohl Buchhandel und Verlage in Deutschland 2020 nur geringe Verluste verzeichneten, weil die Menschen in der Pandemie wenigstens gelesen haben, erlebten viele, wie ihr Traum vom Erfolg mit dem ersten Buch zerplatzte. Die Entscheidung für womöglich weniger Marktgängiges wird künftig in den Verlagen nun noch schwieriger.

Anno 2020 haben Verlage mancherorts sogar Umsatzzuwächse erlebt, in Finnland plus zwei Prozent, in Großbritannien plus 5,5 und in den Niederlanden sogar plus 7 Prozent. Ausgerechnet in mehreren süd- und osteuropäischen Staaten und in Portugal, die Schwerpunktveranstaltungen zur diesjährigen Leipziger Buchmesse gehabt hätten, ist der Umsatz im ersten Corona-Jahr eingebrochen. Erklärt wird das in der Branchenpresse mit unterentwickelten Online-Verkaufsplattformen. Also muss auch da etwas passieren.

Abgesagt soll übrigens nicht ausgefallen bedeuten. Der Direktor der Leipziger Buchmesse Oliver Zille verspricht, es werde Ende Mai „je nach Pandemielage“ neben digitalen Formaten ausgewählte Präsenzveranstaltungen mit Publikum geben, etwa die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung und der Preis der Leipziger Buchmesse. Man müsse aber flexibel reagieren. Wer weiß schon, welche Nachrichten im Mai folgen?

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