Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

PARS PRO TOTO

Einheit von außen

Zum Tag der deutschen Einheit wird man wieder viel Nostalgisches und Selbstbeweihräucherndes zu hören bekommen. Frei davon sind Interviews, die Rita

Von RUDOLF WALTHER

Zum Tag der deutschen Einheit wird man wieder viel Nostalgisches und Selbstbeweihräucherndes zu hören bekommen. Frei davon sind Interviews, die Rita Kuczynski mit Intellektuellen und Deutschlandkennern aus neun osteuropäischen Ländern und aus England, Frankreich und den USA führte. Der Blick von außen auf die Entwicklung seit 1990 verbindet zwei Perspektiven, die man in Deutschland gerne trennt, obwohl sie zusammengehören: Neben der deutschen Einheit und ihren Problemen beginnt 1989/90 auch die Geschichte Europas nach dem Untergang der sowjetisch beherrschten kommunistischen Diktaturen. Den tschechischen Publizisten Tomás Kafka stört an den Ostdeutschen, dass sie glauben, "uns missionieren und belehren" zu müssen über die EU-Standards, aber selbst mit "Minderwertigkeitsproblemen" gegenüber den Westdeutschen zu tun hätten. Er sieht darin einen Ausdruck des Konformismus, der in Ostdeutschland geherrscht habe. Wie Kafka glaubt auch der polnische Intellektuelle Adam Krzeminski, dass die Bürgerrechtsbewegung in der ehemaligen DDR stark überschätzt wird: Sie sei klein gewesen und kippte schnell ins konservative Lager.

Für die meisten Befragten ist die Bundesrepublik "normal" (György Dalos), und selbst im unbestreitbaren Neonazismus sieht der englische Historiker Richard Evans "kein spezifisch deutsches Problem". Dass die ehemalige DDR in der BRD nach 1989 einen reichen Paten fand, betrachtet der ehemalige rumänische Außenminister Andrei Plesu als "ein Glück", das den Ostdeutschen jedoch nicht bewusst geworden sei. Die in Berlin lebende russische Publizistin Sonja Margolina spitzt diese These sozialdarwinistisch zu und meint, weil die Ostdeutschen den Sozialstaat "einfach gratis gekriegt" hätten, sei ihnen die Chance entgangen, "eine höhere Ordnung aus eigener Kraft" zu erkämpfen. Darin wie auch in anderen Beiträgen schimmert Neid durch, aber im Ganzen eröffnet der Band Einsichten jenseits provinziell-deutscher Nabelschau.

Durch den Tunnel

Ebenfalls auf den 3. Oktober, allerdings den des Jahres 1964, fällt die erfolgreichste aller Fluchtaktionen durch einen Tunnel unter der Mauer zwischen der Bernauer Straße im Westen und der Strelitzer Straße im Osten Berlins. 57 Personen gelang damals an zwei Abenden die Flucht. Den Tunnel hatten Westberliner Studenten um Reinhard Furrer, den ersten deutschen Astronauten, Christian Zobel, Hubert Hohlbein und andere gegraben. Unter die Fluchtwilligen mischte sich ein Stasi-Mitarbeiter. Ein Grenzsoldat wurde getötet, der Fall nie geklärt.

Marion Detjen erzählt die Geschichte der Fluchthilfe nach dem Mauerbau von 1961 in all ihren Facetten und jenseits der üblichen Heroisierung oder Dämonisierung. Handelte es sich bei den erwähnten Tunnelbauern um eher idealistisch gesinnte, abenteuerlustige Studenten, so gab es daneben auch professionelle Fluchthelfer, denen es vor allem um Geld ging, sowie fanatisierte Antikommunisten, die alles auf eine Karte setzten und ihr eigenes Leben wie das der Fluchtwilligen fahrlässig aufs Spiel setzten. Nicht zuletzt spielten bei der Fluchthilfe die Politik und die Propaganda auf beiden Seiten ebenso mit wie die Geheimdienste. Die DDR-Propaganda etwa sprach nur von "Menschenhandel" - das aber wird den meisten Fluchthelfern sicherlich nicht gerecht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare