Einen Terroristen totstarren

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Wie das US-Militär versucht, die Telepathie-Nase vorn zu haben: "Durch die Wand" von Jon Ronson. Von Sylvia Staude

Der Journalist Jon Ronson hat ein ziemlich lustiges Buch geschrieben, das einem Angst macht. Denn einerseits erzählt er in "Durch die Wand" von Experimenten, die grandios absurd sind. Andererseits sind nicht irgendwelche Privatpersonen die Experimentatoren, sondern Militärs oder Leute, die von Militärs beauftragt wurden. Das ist dann doch sehr beunruhigend. Denn diesen Menschen traut man zu, dass sie ganz aus Versehen für einen kleinen Weltkrieg sorgen.

Jon Ronson, der unter anderem für den britischen Guardian schreibt, hat bereits mit "Radikal - Abenteuer mit Extremisten" ein Herz bewiesen für Exzentriker. Nun ist er Gerüchten und Berichten nachgegangen, dass sehr kleine, sehr geheime Teile des US-Militärs sich seit langem mit PSI-Phänomenen befassen, mit Hellsehen, Telepathie, durch die Wand schreiten, mit dem Totstarren von (vorerst) Ziegen und Hamstern. Er hat einen Mann getroffen, der von sich behauptet, mit der Kraft seiner Gedanken einen Hamster umgelegt zu haben. Und erzählt von den Ideen für ein Erstes Erdbataillon, eine Einheit von "Kriegsmönchen", die ohne Waffen, dafür mit übernatürlichen Fähigkeiten eingreifen ins Weltgeschehen.

Wäre das Buch eine Satire, man könnte vergnügliche Stunden damit verbringen. Aber an diesen "Techniken" wird geforscht, um Menschen zu töten, foltern, einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Da ist es gut, dass Erfolge sich nicht so schnell einstellen dürften.

Jon Ronson: Durch die Wand. Aus dem Englischen von Martin Jaeggi. Salis-Verlag, Zürich 2008, 240 Seiten,

16,90 Euro.

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