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Früher wollte sie Journalistin werden, heute ist sie Lektorin: Mona Lang.
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Früher wollte sie Journalistin werden, heute ist sie Lektorin: Mona Lang.

Junge Lektoren 2016: Mona Lang

„Einen Funken vom eigenen Leben erkennen“

Lektoren im Verlag sind immer alt? Von wegen! Sally-Charell Delin spricht mit drei jungen Lektoren. #2: Mona Lang.

Von Sally-Charell Delin

Wie bist du Lektorin geworden?
Mona Lang: Ich habe während des Studiums angefangen, Gutachten zu schreiben für einen kleinen Verlag in Köln und die haben gesagt: Du passt gut rein ins Verlagswesen, versuch das doch mal. Ich bin relativ schnell nach dem Studium der Germanistik in Bonn zu Dumont gegangen, als Praktikantin im Lektorat. Da war ich ein halbes Jahr. Die waren ganz zufrieden mit mir, konnten mir aber zu diesem Zeitpunkt kein Volontariat anbieten. Die haben mich dann so ein bisschen kölner-klüngel-mäßig zu Kiepenheuer & Witsch rübergeschoben, was für mich natürlich großartig war. Ich habe dort ein einjähriges Volontariat gemacht und wurde danach Assistentin von Kerstin Gleba, der stellvertretenden Verlegerin. So ging das Schrittchen für Schrittchen weiter, bis ich dann Lektorin geworden bin.

Was wolltest du als Kind werden?
Ich wollte immer Journalistin werden. Im Studium habe ich für die Bonner Rundschau geschrieben und ganz schnell gemerkt, dass ich nicht damit klar komme, dass die Artikel immer nur einen Tag bestehen und die Zeitung dann in der Mülltonne landet. Mein logischer Schluss daraus war, dass ich etwas machen muss, was länger besteht und da lag das Buch sehr nah.

Möchtest du eines Tages selbst ein Buch schreiben?
Ich will das nicht ausschließen, aber momentan habe ich überhaupt kein Bedürfnis danach, selber zu schreiben, und ich hab auch gar keinen Stoff in mir, von dem ich sage: Der muss raus. Es ist auch nicht automatisch so, dass, wenn man gut mit Texten umgehen kann, man selber gut Texte schreiben kann. Das ist wirklich eine andere Arbeit. 

Gibt es einen jungen Autor bzw. eine Autorin, die du empfehlen würdest?
Ich bin ein großer Fan von Leif Randt. Der ist noch sehr jung, hat aber schon drei Bücher geschrieben. Ich finde, dass er der interessanteste deutschsprachige Jungautor ist. Dieses Jahr sind aber auch schöne Bücher junger Autoren erschienen. Ich hab Philipp Winklers „Hool“ gerne gelesen. Bei KiWi ist Shida Bazyars „Nachts ist es leise in Teheran“ herausgekommen. Sie ist auch eine wahnsinnig talentierte Erzählerin, von ihr kann man noch sehr viel erwarten. Wir sind sehr verwöhnt momentan mit jungen, talentierten Autoren.

Das Verlagswesen verbindet man oft mit eher älteren Menschen. Ist das immer noch so?
Ich kenne viele junge Lektorinnen und Lektoren. Bei KiWi geht das einfach ineinander über. Die Jungen haben viel von den etwas Älteren gelernt, bringen aber auch ihren Stil mit rein. Ganz Alte gibt es bei KiWi gar nicht, alle sind noch relativ jung. KiWi hat ja auch eine ganz bestimmte Kultur des Lektorats. Das ist ein sehr enges Team, und die Art des Suchens unterscheidet sich von anderen Verlagen. Klar werden wir auch von Agenten und Scouts bedient. Wir gucken aber auch immer, wo man gute Texte in Magazinen oder auf Lesebühnen findet. Ich habe bei KiWi überhaupt nicht das Gefühl, dass es die alte und die junge Riege gibt. Das geht flüssig ineinander über.

Wie kommst du an die Manuskripte?
Den Großteil bekommen wir von Literaturagenten, die uns sehr gut kennen und die wir auf der Buchmesse jetzt gerade treffen. Die wissen sehr genau, wem von uns Lektoren was gefallen könnte.

Ich habe jetzt gerade eine Autorin gewonnen, weil ich einen ihrer Texte in einer Tageszeitung gelesen habe. Ich hab sie dann angeschrieben und sie gefragt, ob sie ein Buch daraus macht. So entwickelt man auch Ideen außerhalb der Agenturen. Es ist schön, nah dran zu sein und von Anfang an mit den Autoren zu arbeiten. Wir versuchen auch, ein bisschen über den Tellerrand zu schauen, wer zu uns passen könnte. Jeder Verlag bekommt natürlich auch die unverlangten Manuskripte. Das fangen aber die Agenten mittlerweile ab. Die gucken wir uns schon an, aber ehrlich gesagt ist das nicht besonders zielführend. Da ist einfach wenig dabei, was für einen Publikumsverlag wie Kiepenheuer & Witsch interessant ist.

Warum sind diese unangeforderten Manuskripte so selten verwertbar?
Das sind oft Leute, die ihre eigene Lebensgeschichte erzählen. Für die ist es ein großes Projekt, das aufzuschreiben und manchmal Jahre daran zu sitzen. Eigentlich müsste man ganz oft sagen: Toll, dass Sie es aufgeschrieben haben. Es ist wichtig für sie, aber es ist nicht wichtig für den Markt, an dem wir teilnehmen. Wir müssen auch etwas verkaufen, obwohl wir natürlich auch Bücher machen, die wir einfach großartig finden und bei denen wir wissen, dass sie nicht das größte Publikum haben.

Was ist denn wichtig für den Markt?
Wichtig finde ich Geschichten, die irgendwas mit uns allen zu tun haben. KiWi ist ja ein sehr realistischer Verlag. Ich finde es immer interessant, wenn man auch nur einen Funken vom eigenen Leben erkennt. Das kann aber verpflanzt sein nach Kambodscha oder Kalkutta oder San Francisco. Es kann auch eine Figur sein, die mir gar nicht nah ist, aber irgendwas mit mir zu tun hat. Dadurch wird mir eine Welt eröffnet, mit der ich noch nicht in Berührung gekommen bin. Das muss aber auch allgemeingültig sein. Es reicht nicht, das eigene Schicksal runterzuschreiben.

Und wie schafft man es dann als noch unbekannte Jungautorin, dass das eigene Buch veröffentlicht wird?
Wir haben in Deutschland das Glück, dass es viele kleinere Literaturpreise, Stipendien und Lesebühnen gibt. Das kann ich immer nur empfehlen, auch bei den kleinsten Sachen mitzumachen. Jeder braucht einen Anfang und ich kenne viele Geschichten, bei denen das den Stein ins Rollen gebracht hat. Auch wenn man nur einen ganz kleinen Stadtpreis gewonnen hat, werden die Agenten oder Lektoren auf einen aufmerksam. Auch Unizeitschriften oder kleine Literaturzeitschriften sind gut. Die suchen nach solchen Stimmen und veröffentlichen junge Autoren. Man kann auch das Manuskript an verschiedene Agenturen schicken. Die geben auch oft Rückmeldung.

Wolltest du schonmal ein Buch herausgeben und jemand anderes im Verlag hat sich dagegen gestellt?
Ja, schon oft. Wir schätzen mit dem Marketing zusammen ein, ob das Buch eine Chance hat. Ich bin vor allem für USA-Literatur zuständig, zusammen mit Kerstin Gleba, der stellvertretenden Verlegerin. Wir haben seit ein paar Jahren das Problem, dass es für Kurzgeschichten keinen Markt in Deutschland gibt. Wir bekommen aber tolle Kurzgeschichtenbände aus den USA angeboten. Dann müssen wir oft mit einer Träne im Auge sagen: Das schaffen wir leider nicht.

Gab es schon den Fall, dass es dann jemand anderes gemacht hat?
Oft. Man geht ja dann auch in die Auktion, wenn mehrere Verlage ein Manuskript toll finden. Da wird man oft überboten, das tut auch weh. Ein paar Mal dachte ich später, die haben das toll gemacht, das hätten wir vielleicht nicht so gut hinbekommen oder hätten einen ganz anderen Weg gewählt. Zum Beispiel bei „Shotgun Lovesongs“: Das hätte ich gerne gemacht. Es ist dann bei Tropen erschienen. Chapeau! Die haben das großartig gemacht. Das hätten wir nicht so hinbekommen.

Gibt es Autoren, die gar nicht in die Auktion gehen wollen, sondern zu einem speziellen Verlag wollen?
Ja, das gibt es auch. Meistens geht man in die Auktion und dann wählen sie trotzdem einen Verlag, der weniger geboten hat. Das geht schon.

Gedrucktes Buch oder eBook?
Privat gern gedrucktes Buch, aber ich bin sehr glücklich über meinen eReader. Auf dem habe ich meine Manuskripte, die ich abends lesen kann und habe rückenschonend nur 200g in der Tasche. Das eBook ist vor allem für Vielleser interessant. In der Frauenunterhaltungsliteratur und im Krimi wird ganz viel auf dem eBook gelesen. Auch für Pendler und Leute, die viel reisen ist das super. Aber das eBook wird das gedruckte Buch nicht ablösen.

Wo siehst du dich selbst in 25 Jahren?
Ich hoffe, dass ich genau an der Stelle bin, wo ich jetzt bin, weil das ein traumhafter Job ist. Bei Kiepenheuer & Witsch kann ich die Bücher machen, die ich selber toll finde. Das ist sehr luxuriös. Ich liebe Literatur aus den USA, das ist meine Leidenschaft und genau dafür bin ich zuständig. Das ist jetzt vielleicht nicht so schlau von mir, das zu sagen, aber ich brauche nicht mehr viel Entwicklung, weil ich im Moment sehr glücklich bin.

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