Literatur

Eine Teenagerin namens Sabeth

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Max Frischs "Homo Faber" als Hörspiel von hr2-kultur.

Der schaffende Mensch – er schafft das Unmögliche, das Unbegreifbare und momentan scheint er sich selbst abzuschaffen. Doch was Max Frisch da vor 51 Jahren geschaffen hat, ist nichts von dem oben Genannten, es ist einfach gut. Darum ist es auch wenig verwunderlich, dass hr2-kultur Frischs Werk „Homo Faber“ als Hörbuch aufnehmen ließ und mit hochkarätigen Sprechern und Sprecherinnen wie Matthias Brandt und Paula Beer besetzt hat (im Hörverlag erschienen).

Besonderes Augenmerk lag auf dem von Jörg Achim Keller eigens komponierte und mit der hr-Bigband eingespielte Soundtrack „Die Musik ist mindestens genauso wichtig wie die Sprache“, erklärt Hörbuch-Regisseur Leonhard Koppelmann an diesem Abend im hr-Sendesaal. Gemeinsam gewähren Brandt, Beer und die Bigband Einblicke in den Entstehungsprozess und erwecken die Geschichte um den Schweizer Ingenieur Faber zum Leben.

Die vorgetragenen Kapitel behandeln das Kennenlernen zwischen Walter Faber und Elisabeth (Sabeth) Piper und den Beginn ihrer Romanze. Zu diesem Zeitpunkt hat der Ingenieur, der in Zürich studierte, schon einiges erlebt. Er arbeitete in New York, flog nach Mexiko, doch die Maschine musste notlanden, lernte dadurch den Freund eines alten Schulfreundes kennen und beschloss, mit der neuen Bekanntschaft den alten Gefährten im Urwald zu suchen, nur um festzustellen, dass dieser sich auf seiner Plantage erhängt hatte.

Mit Fabers Rückkehr in New York und Antritt einer Schiffsreise nach Europa steigt das Live-Hörspiel ein. Zu Beginn von der aufgeschlossenen und heiteren Natur des Mädchens fasziniert, entwickelt Faber schnell romantische Gefühle für sie. Es geht so weit, dass er Sabeth auf ihrer Italienfahrt begleitet. Eines führt zum anderen und das ungleiche Paar findet zueinander - doch Faber kurz darauf heraus, dass Sabeth seine leibliche Tochter ist.

Matthias Brandt versteht es, auf fabelhafte Weise den rationalen und distanzierten Faber plausibel zu machen. Seine Stimme, erst noch von einer gleichgültigen Monotonie beherrscht, wandelt sich immer mehr zu einer neugierigen, faszinierten Tonlage. Weniger überzeugend schafft es dagegen Paula Beer, ihre Figur zum Leben zu erwecken. Wird Sabeth im Roman als eine lebensfrohe und naive Persönlichkeit beschrieben, klingt es bei Beer eher nach einer unmotivierten Teenagerin, die ihre Eltern gerade nicht leiden kann. Da hilft auch die sanft swingende 50er Jahre Musik der Bigband nichts, das Erschaffen der Geschichte will nicht so recht gelingen.

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