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Autor Robert Stripling.
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Autor Robert Stripling.

Roman

Ein befremdlicher Ort

  • vonStefan Michalzik
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Robert Stripling stellt sein „Unter Stunden – Über Flüche“-Werk im Livestream der Frankfurter Romanfabrik vor.

Fast zehn Jahre hat der 1989 in Berlin geborene und heute in Frankfurt lebende Schriftsteller Robert Stripling an den beiden Büchern „Unter Stunden. Album I“ und „Über Flüche. Album II“ gearbeitet. Im Herbst sollen sie bei Kookbooks herauskommen, aus den Manuskripten las Stripling nun in einem Livestream aus der Frankfurter Romanfabrik. Ganz anders ist der Charakter als jener doppelbödig humoristische von Striplings vorhergehendem Buch, „Verpasste Hauptwerke“ – dort hat er als vorgeblicher Herausgeber Zitate erfundener Werke „versammelt“, die in einem Spannungsverhältnis zwischen hochwollendem Nonsens und tieferer Bedeutung stehen.

Die Zeit ist in dem autobiografisch motivierten Schreiben von „Unter Stunden – Über Flüche“ ein grundlegendes Motiv, und die Erinnerung natürlich. Eine einzige Ohrfeige nur will der – trunksüchtige – Vater dem Sohn gegeben haben. In Berlin, sagt er. Am Strand in Dänemark, erinnert sich der Sohn. Das wären also schon einmal zwei Ohrfeigen. Und womöglich habe es eben doch noch mehr gegeben, sagt das autobiografisch-literarische Ich. Der Vater ist im Nationalsozialismus aufgewachsen. Dass er das Horst-Wessel-Lied grölend durch das elterliche Treppenhaus marschiert ist, mag seine Erzählung an den Sohn gewesen sein – oder alles ist überhaupt Erfindung des Autors?

Auch im Wald ist es prekär

Die romantischen Topoi des Waldes und des einsamen Wanderers spielen eine fundamentale Rolle. Der Wald als Fluchtort bleibt jedoch mitnichten von den Spuren der Zivilisation verschont. Mit Neonfarben markierte Baumstämme, Signale für die Holzfäller. Und ins Meer geworfen sind Uranfässer und Glasfaserkabeln. „Die Welt ist ein befremdlicher Ort, nicht wahr?“ Die Gesamtausgabe von Novalis, das Passagenwerk Walter Benjamins stellen das geistige Gepäck dar. Der Wanderer, womöglich eine Wanderin, eine Wandlerin, eine Greisin, geht voraus, führend.

Das Schreiben, die Beschäftigung mit „meiner alten Dame Realität“, als einzige Lebenschance: „Ich wusste, dass ich keine andere Möglichkeit hatte, meinen Verstand zu retten.“ Für seine „Prosagedichte“ bekam Stripling 2014 den Lyrikpreis des Wettbewerbs Open Mike in Berlin. Die Lakonie der wirkmächtigen Sprache in den Texten aus „Unter Stunden – Über Flüche“ legt ihrerseits den Vergleich mit Lyrik nahe. Ausgesprochen talentiert ist, wie zwischen den Texten bewiesen, Robert Stripling auch als Musiker, an der Wave Drum, einem elektronischen Perkussionssynthesizer.

Romanfabrik Frankfurt: Videos bleiben abrufbar unter www.romanfabrik.de

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