Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Einst ein Protagonist des Studentenprotests.
+
Einst ein Protagonist des Studentenprotests.

Peter Schneider im Mousonturm

"Eher ausgelassene Stimmung"

Peter Schneider erzählt in Frankfurt noch einmal von seinem 2. Juni 1967. Am Tag des Shah-Besuchs in Berlin ist er selbst unter den Demonstranten, betroffen also. Aber er kann auch Distanz und Selbstironie.

Von Christoph Schröder

Peter Schneider hat einen Hang zu pointierten Formulierungen: "Der Wetterbericht kann wahr sein, obwohl er in der Bild-Zeitung" steht, sagt er. Oder: "Wenn wir gewusst hätten, dass Karl-Heinz Kurras bei der Stasi war, hätten nicht so viele kluge junge Leute ihre beste Zeit in der DKP verschwendet." Das Publikum auf der saunaähnlich aufgeheizten Studiobühne des Frankfurter Mousonturms ist dankbar für derartige Sätze; nicht wenige nicken permanent zustimmend, während Schneider spricht und liest.

Ein Jahr nach den Gedenk- und Diskussionsveranstaltungen zum 40. Geburtstag von 1968 gab es im Mousonturm noch einmal Nachschub, was durchaus konsequent ist, denn 1968 hätte genauso gut auch 1967 oder 1969 heißen können, wie Harry Oberländer vom Hessischen Literaturforum bemerkte, und der muss es wissen, ist er doch ein ganz echter 68er. In der Galerie Station also eröffnete eine Ausstellung mit Hagen Bonifers Bilderzyklus "Vom Nutzen zu zweifeln. Der 2.6.1967. Eine anachronistische Reflexion"; im Anschluss an die Vernissage las Peter Schneider, geboren 1940 und einer der Protagonisten der organisierten Berliner Studentenproteste, aus seinem autobiografischen Buch "Rebellion und Wahn".

Wo Bonifers Bilder, großformatige Ölgemälde, verwaschenen Schwarzweiß-Fotografien nachempfunden, dem Pathos des Heroischen frönen und die im Eingang aufgehängte Texttafel vor unfreiwillig komischen Polit-Phrasen nur so strotzt, bemühte sich Schneider um Differenzierung und wartete mit zwei für seine Generation tendenziell ungewöhnlichen Eigenschaften auf: Distanz und Selbstironie.

Schneider las eine längere Passage über die Ereignisse des 2. Juni 1967, dem Tag des Schah-Besuches in Berlin, dem Tag der Erschießung von Benno Ohnesorg. Der Autor, selbst unter den Demonstranten, die vor der Deutschen Oper auf den Schah und den Berliner Oberbürgermeister Heinrich Albertz warteten, erzählte von der "eher ausgelassenen Stimmung", die bis zum Angriff der Polizei auf die Demonstranten herrschte. "Eine Prügelorgie ohne jede Vorwarnung", so Schneider, "hätten selbst die Bullenhasser unter uns nicht für möglich gehalten."

Für ihn selbst wurde nicht der Tod Ohnesorgs zum Symbol staatlicher Gewalt, sondern seine eigene Beobachtung eines Polizisten, der eine junge Frau an den Haaren quer über die Straße schleifte. Schneiders Fazit: "Kurras´ Schuss hätte nicht diese breite Wirkung gehabt, wenn Politik, Presse und Justiz nicht so eklatant versagt hätten."

A propos Presse: Die von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner angeregte Nachholveranstaltung des so genannten Springer-Tribunals (für dessen Organi- sation Peter Schneider vor vierzig Jahren verantwortlich war) sagte der Schriftsteller ab. Man glaubt ihm, dass er diese "familientherapeutische Veranstaltung" nicht nötig hat.

Ausstellung in der Galerie Station, Mousonturm Frankfurt: bis 27. September. www.mousonturm.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare