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Durch die Nase

  • VonChristoph Schröder
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Ermanno Cavazzoni, Elettra de Salvo und "Die nutzlosen Schriftsteller"

Ermanno Cavazzoni hatte ein unangenehmes Erlebnis: er hat einen Roman veröffentlicht und ist mithin unter die Schriftsteller gefallen. Und das ist, schenkt man Cavazzoni Glauben, so ziemlich das Schlimmste, was einem passieren kann. Spinner sind das, Neider, Träumer, Blender, eitle Fatzkes und Erotomanen sowieso, wie Tiere in einem Zoo benehmen sie sich, markieren permanent ihr Territorium und nennen es dann Avantgarde, kurz: vollkommen überflüssige Subjekte.

Und darum hat der 1947 geborene Cavazzoni, der an der Universität von Bologna Ästhetik lehrt, sein neues Buch folgerichtig Die nutzlosen Schriftsteller genannt.

Sieben große Kapitel, jedes davon einer der Todsünden gewidmet und wiederum in sieben kurze Texte unterteilt. Das macht 49 kleine Kunststücke, pointiert, witzig, gelehrt, im Frankfurter Literaturhaus abwechselnd vorgetragen von der Schauspielerin Elettra de Salvo und dem Autor selbst.

Der Unterricht in Wollust, derer es ohne Zweifel für eine erfolgreiche Autoren-Karriere bedarf, beginnt mit einer olfaktorischen Unterweisung, denn "die Wollust dringt vor allem durch die Nase ein". Der Geruch der Fahrradsättel schöner Frauen wird zur Quelle der Inspiration, die der weniger schönen riechen nach schwerfälliger Prosa. Das folgende Kapitel zeichnete "das echteste Bild des Schriftstellers im Naturzustand", künstlich isoliert von der Außenwelt, wohl genährt und gerade einmal fähig, den Buchstaben A korrekt zu zeichnen.

Und so ging es weiter. In Ermanno Cavazzonis Romane brechen immer wieder surrealistische Elemente ein, und auch diese (so gar nicht schwerfällige) Kurzprosa ist immer wieder für eine Überraschung gut. Und selbst wer nicht der italienischen Sprache mächtig war, hatte an Cavazzonis gesten- und nuancenreichen Vortrag Freude. So nutzlos kann die Schriftstellerei dann doch nicht sein.

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