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Uwe Tellkamp auf dem Stand der Frankfurter Rundschau.
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Uwe Tellkamp auf dem Stand der Frankfurter Rundschau.

Uwe Tellkamp

Dresden googlen

  • Anne Lemhöfer
    vonAnne Lemhöfer
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Buchpreisträger Uwe Tellkamp redet am Stand der Frankfurter Rundschau über die Fahrt mit einem Panzer, nicht offizielle Bildungsbürger und Radieschen. Von Anne Lemhöfer

Doch doch, die Packung Dresdner Christstollen steht schon mit Absicht da auf dem Tisch. Merkt Uwe Tellkamp auch gleich, und stellt sie wieder zurück dorthin, nachdem er sie erst mal reflexartig aus dem Weg geräumt hat.

Die Tellkamp-Spezialdeko ist aber auch groß, sogar größer als Tellkamps Buch "Der Turm", das natürlich auch da liegt, und das will etwas heißen, es ist immerhin 973 Seiten dick. Was seiner Massentauglichkeit nach Ansicht der Buchpreis-Jury keinen Abbruch tut.

Tut es offenbar tatsächlich nicht, wenigstens heute nicht. An diesem frühen Nachmittag in Halle 3.0., Stand B157, drängeln sich die Leute nur so, um den Autor aus Dresden zu sehen, der ein lustiges Kapuzen-Sakko trägt und darunter ein rotweiß gestreiftes Hemd, während FR-Marketingleiter Ralf Walther ihn interviewt.

Er fragt, ob Tellkamp heute so diszipliniert schreibe, wie er früher als Arzt gearbeitet habe. Das verneint der, er schreibe vielmehr "als wäre ich noch in der Braunkohle". In einem Kohlewerk hat er mal gejobbt, kurz vor der Wende, und beim Schreiben habe sich dort besser nicht erwischen lassen sollen, wer nicht unter Stasiverdacht geraten wollte.

"Zuhause arbeite ich in einer Kajüte von 1,60 mal 2,20, ungefähr so groß wie der Raum unter einem IKEA-Hochbett. Dieses Sich-Verbergen-wollen kommt wohl aus der Zeit damals."

Uwe Tellkamp, 1968 geboren und zur Zeit des Mauerfalls Panzerkommandant bei der Nationalen Volksarmee, gewann 2004 den Klagenfurter Lesewettbewerb mit einem Ausschnitt aus "Der Turm". Wann er das Buch abschließen würde, war damals aber nicht klar.

Autor und Verlag (damals Rowohlt, heute Suhrkamp) legten deshalb mit "Der Eisvogel" zunächst ein anderes Buch vor. Die Reaktionen waren zwiespältig: Tellkamp ging auf aktuelle Strömungen im Osten ein und beschrieb die Sogwirkung rechter, elitärer, militanter Intellektuellenzirkel. Manche fanden: etwas zu suggestiv.

Im "Turm" hingegen geht es um eine Szene, die es in der DDR offiziell gar nicht gab: Ein Bildungsbürgertum, das unter anderem im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch zu überwintern versuchte. Ärzte, Musiker, Übersetzer und andere lebten in dieser gefühlten Parallelgesellschaft des SED-Staates, in der Tellkamp selbst groß geworden ist.

Bis heute ist er Dresdner durch und durch. Komischerweise stünden die Bewohner der Elbstadt irgendwie immer so da, als seien sie ungewöhnlich weltabgewandt und läsen nur still ihren Goethe. Das vermutete Tal der Ahnungslosen sei Dresden aber auch heute nicht, von Funkloch keine Spur - "wir können durchaus googlen und das alles und haben Internet."

Mit Böll und Grass wurde der 40-Jährige verglichen, er sagt aber, er sehe sich nicht als ein Mahner wie die beiden. "Außerdem haben die ja auch schon ganz schön was weggemahnt, da bleibt nicht mehr viel übrig." Überhaupt sei es ihm suspekt, als Schriftsteller zu allem und jedem was sagen zu sollen, was Blödsinn sei.

Es gebe nun mal Dinge, von denen er keine Ahnung habe, "zur Radieschenzucht werde ich mich daher nicht äußern." Mit Panzern allerdings kenne er sich gut aus, die Beschreibung einer Fahrt mit dem T55 im Buch stimme in allen Details.

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