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Die armen Ecken Edinburghs und seine Underdogs, wie sie in „Der Bruch“ von Doug Johnstone zum Thema werden, sieht man erstmal nicht.
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Die armen Ecken Edinburghs und seine Underdogs, wie sie in „Der Bruch“ von Doug Johnstone zum Thema werden, sieht man erstmal nicht.

Kriminalroman

Doug Johnstone: „Der Bruch“ – Immerhin ist die Aussicht herrlich

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Doug Johnstone erzählt in „Der Bruch“ von einem Jungen, der keine Chance hat, aber sie zu nutzen versucht.

Flick fährt einen roten VW Käfer und geht auf eine teure Schule. Aber ihre Eltern sind viel im Ausland und die sturmfreie Bude in einem Villenviertel Edinburghs bedeutet für sie vor allem Einsamkeit. Tyler lebt mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Bethany, genannt Bean, in einem Hochhausblock im Stadtteil Niddrie – man könnte ihn einen sozialen Brennpunkt nennen. Tylers Mum ist Alkoholikerin und Junkie, er versucht, sie nicht sterben zu lassen und ruft im Zweifelsfall den Notarzt. Scheint regelmäßig nötig zu sein. Gleichzeitig kümmert er sich um Bean. Ach ja, nebenan wohnen noch seine Halbgeschwister Barry und Kelly. Wenn Barry in Häuser einsteigt, muss Tyler mit: Er ist mit 17 noch so dünn, dass er zum Beispiel durch Toilettenfenster passt.

Der in Edinburgh lebende Autor und Physiker Doug Johnstone, Jahrgang 1970, gestattet sich, wenn er Flick und Tyler einander nicht nur kennenlernen, sondern auch lieben und zueinander halten lässt, ein kleines Happyend in seinem Kriminalroman „Der Bruch“ („Breakers“, 2018). Ein zartes Licht in einer ansonsten nachtdunklen, ziemlich schaurigen, gewaltvollen Geschichte.

Das Buch

Doug Johnstone: Der Bruch. Kriminalroman. A. d. Engl. v. Jürgen Bürger. Polar Verlag, Stuttgart 2021. 312 S., 20,50 Euro.

Denn Barry, Kelly und Tyler werden bei ihrem jüngsten Einbruch von der zurückkehrenden Hausherrin überrascht. Barry sticht sie nieder. Und es dauert nicht lang, bis Tyler von der Polizei befragt wird – die kennt ihre Pappenheimer – und erfährt, dass sie in die Villa eines Gangsterbosses eingestiegen sind und Barry dessen Frau lebensgefährlich verletzt hat. Zug um Zug erhöht die Polizei den Druck auf Tyler, die Wahrheit zu sagen über diesen Abend. Kann schon sein, dass das vernünftig wäre.

Denn die Dinge eskalieren, was auch sonst. Johnstone bleibt aber trotz aller Action dicht an Tyler dran, an seiner Ratlosigkeit, Verzweiflung, seinem Durchhaltewillen. Bleibt dran, wenn der Teenager seine Mum mal wieder sauber machen und ins Bett bringen muss. Wenn er seiner kleinen Schwester gegenüber so tut, als wäre alles in Ordnung und ihr auf dem kalten Hochhausdach mit der herrlichen Aussicht auf den Sternenhimmel Gutenacht-Geschichten vom superstarken Bean Girl erzählt. Wenn er ihr vorschwindelt, dass es eine Zahnfee gibt. Dass das Hundebaby sich bestimmt wieder erholen wird. Und, vor allem, dass ihre Mutter gesund werden wird.

„Der Bruch“ ist die Geschichte eines Jungen, dem kaum etwas anderes übrigbleibt, als sich durchzulavieren. Der ganz fest und extrem schmerzhaft zwischen Baum und Borke steckt, der gegen seinen gewalttätigen, sich auch schon mit Drogen hochpushenden Halbbruder keine Chance hat, aber sie nutzen muss. Herzzerreißend ist, wie Tyler versucht, den Schein zu wahren, cool zu bleiben in der Schule und gegenüber der Polizei, glaubwürdig zu lügen, während ihm die Beine zittern und das Herz bis zum Hals schlägt.

Doug Johnstone erzählt von der Angst. Von den Fehlern, die man in der Panik macht. Davon, wie sich einer ducken muss, der in seinem Alter an Mädchen (oder Jungs) und allenfalls noch ans Abi denken sollte. Man gönnt Tyler, dass er Flick begegnet, dass sie von Craigmillar Castle aus auf Edinburgh gucken und einmal nicht allein sind.

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