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Digitale Trends auf der Buchmesse

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Mobile Endgeräte werden immer wichtiger bei der Verbreitung von Inhalten.
Mobile Endgeräte werden immer wichtiger bei der Verbreitung von Inhalten. © Buchmesse/Alexander Heimann

Digitale Veröffentlichungen werden immer beliebter, stellen die Verleger aber auch vor neue technische und wirtschaftliche Herausforderungen. Auf der Frankfurter Buchmesse stellen zahlreiche Dienstleister ihre Lösungen für diese Probleme vor.

Von Daniel Kortschak

Das Geschäft mit elektronischen Büchern wird immer wichtiger: 2013 wurden in Deutschland 21,5 Millionen E-Books verkauft, der Umsatz, den die Publikumsverlage mit elektronischen Veröffentlichungen gemacht haben, ist von 2012 auf 2013 um 60 Prozent gestiegen. Dennoch beträgt der Anteil der elektronischen Bücher am Umsatz der Publikumsverlage gerade einmal 3,9 Prozent.

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass auf der Buchmesse weiter das gedruckte Buch ganz klar im Vordergrund steht. Dennoch will die Frankfurter Buchmesse auch den Anbietern von digitalen Innovationen eine Plattform bieten: "Wir versuchen immer auch die Zukunft des Publishing darzustellen und nicht nur den Status Quo. Deshalb wurden 2010 die 'Frankfurt Hotspots' ins Leben gerufen als digitale Zonen speziell für Technologieanbieter und Dienstleister", erläutert Michael Kirchner von der Frankfurter Buchmesse. "Wir haben vorgefertigte Module mit drei, sechs und zwölf Quadratmetern oder auch größer. Da ist dann alles dabei, es sind Plug-and-Play-Stations mit einem LCD-Monitor, Internetanschluss und so weiter. Damit wollen wir es den Dienstleistern möglichst einfach machen, auf die Buchmesse zu kommen."

Rund 95 Aussteller sind in diesem Jahr an den insgesamt fünf über die Buchmesse verteilten Hotspots vertreten, die sich unter anderem mit den Themen Digitale Innovation, Bildung oder Wissenschaftliche Information auseinandersetzen. Bei den Präsentationen der Aussteller stehen nicht so sehr fertige elektronische Publikationen im Vordergrund, sondern Antworten auf die vielen Fragen, die die fortschreitende Digitalisierung für Herausgeber, Verleger und Wissenschaftler aufwirft.

Eine besondere Herausforderung ist die immer anspruchsvollere Technik, die hinter den digitalen Produkten steckt. Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, die jahrzehntelang mit einem Redaktionssystem ausgekommen sind, stehen vor dem Problem, dass mit jedem neuen digitalen Vertriebskanal auch ein neues System hinzugekommen ist.

Wie aus einer Zeitung eine App wird

Um ein teures und fehleranfälliges Nebeneinander von mehreren Systemen zur Produktion digitaler Inhalte zu vermeiden, bietet etwa das französische Unternehmen Aquafadas Programme, die aus einer für den Druck vorbereiteten Zeitschrift oder einem Lehrbuch mit wenig Aufwand eine digitale Version für Tablet-Computer entstehen lässt. "Mit unserem Plug-In für das Layout-Programm InDesign können Sie etwa ganz leicht interaktive Zusatzelemente kreieren und aus ihrer Zeitung wird eine App", erläutert eine Aquafadas-Mitarbeiterin am Stand. Eine weitere Anwendung erlaubt es dann, die Inhalte in die entsprechenden App-Stores hochzuladen.

Auch bei der Produktion von elektronischen Büchern stellen die zahlreichen unterschiedlichen Dateiformate die Verlage vor immer größere Probleme. Nicht selten muss ein Text mehrmals kopiert und formatiert werden. Diese zeit- und personalintensiven Verfahren zu vereinfachen ist das Ziel des Münchner Unternehmens Textovia. "Ich bin seit zwölf Jahren Verleger, gebe IT-Bücher heraus. Textovia ist entstanden, weil wir eine Lösung für unsere eigenen Probleme bei der Publikation gebraucht haben", erklärt Firmengründer Markus Wirtz. "Das Hauptproblem ist: Wir haben einen Text und brauchen verschiedene Ausgabeformate. Diese Formate sind sehr unterschiedlich - sowohl, was die Technik betrifft, als auch in Bezug auf die Vertriebskanäle."

Man sei nicht sehr gut auf die steigende Nachfrage nach elektronischen Büchern vorbereitet gewesen, gesteht Markus Wirtz. "Also haben wir unsere eigene Lösung geschaffen, die auf einer ganz neuen technischen Basis steht. Und nach drei Jahren Entwicklungsarbeit sind wir draufgekommen, dass unser Produkt auch für andere Verleger interessant sein könnte. Wir hatten dabei einen entscheidenden Vorteil: Wir waren sowohl eine IT-Firma als auch ein Verlagshaus."

Mit dem von Textovia entwickelten Formatgenerator kann ein Text in verschiedenen Layouts und Formaten produziert werden, das Kopieren und Umformatieren des Textes entfällt. Das Redaktionssystem bietet eine vernetzte Zusammenarbeit von Autoren, Lektoren und Übersetzern an ein und demselben Textdokument. Das mehrfache Hin- und Herschicken des Textes wird damit überflüssig. Die ebenfalls von Textovia angebotene Vertriebsplattform ermöglicht es schließlich, die fertige Publikation über eine Vielzahl von Online-Shops anzubieten.

E-Books mit komplexen Schriftzeichen

Ein anderes Problem, das im Zusammenhang mit elektronischen Büchern immer wieder auftaucht, ist die Unterstützung von verschiedenen Schriften. Das zu lösen, hat sich die chinesische Firma "Green Apple Data Center" zur Aufgabe gemacht. Dabei kann das Unternehmen auf mehr als 20 Jahre Erfahrung zurückblicken. "Wir haben die ersten elektronischen Zeitungen und die ersten E-Books in China herausgegeben", erklärt die Firmenvertreterin am Hotspot "Publishing Services" auf der Frankfurter Buchmesse. "Heute haben wir über 10 000 chinesische E-Books aus verschiedenen Genres im Angebot: Literatur, Wissenschaft, Technik. Wir verkaufen diese Bücher über unsere eigene Vertriebsplattform und über die Stores der großen Anbieter."

Durch die starke Präsenz im asiatischen Markt sei es wichtig gewesen, frühzeitig für eine gute Lesbarkeit von Texten mit komplexen Schriftzeichen zu sorgen. "Wir haben dazu unsere eigene technische Plattform aufgebaut. Heute können wir auch auf die verschiedenen Lesegewohnheiten von Kunden in unterschiedlichen Ländern eingehen. So bieten wir etwa für Japan eine vertikale Betrachtungsmöglichkeit", sagt die Repräsentantin von "Green Apple Data Center" auf der Frankfurter Buchmesse.

Auf der Buchmesse herscht an den Ständen, wo digitale Innovationen präsentiert werden, noch nicht das große Gedränge, doch dass im elektronischen Buchmarkt jede Menge Wachstumspotenzial steckt, ist unbestritten: "In Deutschland haben 4,1 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren in den vergangenen 12 Monaten E-Books heruntergeladen. In den USA und Großbritannien sieht der Markt natürlich ganz anders aus: Dort liegt der Anteil der E-Books am Gesamtumsatz der Verlage bei 25 bis 30 Prozent. Es gibt dort jetzt auch schon erste Sättigungsanzeichen, die Werte pendeln sich auf diesem Niveau ein. In Großbritannien ist interessant festzustellen, dass die Zahl der E-Book-Neueinsteiger stark gesunken ist", erklärt Kathrin Grün von der Presse- und Kommunikationsabteilung der Frankfurter Buchmesse. Es sieht also ganz danach aus, als würde auch in den kommenden Jahren in Frankfurt das gedruckte Buch im Mittelpunkt des Interesses von Ausstellern und Besuchern stehen.

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