Robert Menasse

„Digital-hysterische Gesellschaft“

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Im Fall Robert Menasse sieht es derzeit nicht nach einer rhetorischen Abrüstung aus.

Es machen sich gerade sehr viele Leute Gedanken über den österreichischen Schriftsteller Robert Menasse. Immer noch. Obwohl der doch verspätet – zunächst halbherzig, dann aber reumütig – zugegeben hat, dass er in fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten Zitate als die des einstigen CDU-Europapolitikers Walter Hallstein ausgegeben hatte, die dieser nie gesagt hat. In der rheinland-pfälzischen Landesregierung hat man Menasses Erklärungen und Entschuldigungen angenommen und befunden, ihn weiterhin als einen würdigen Empfänger der vom Bundesland verliehenen Carl-Zuckmayer-Medaille zu betrachten. Die Preisverleihung findet am 18. Januar in Mainz statt.

Der Suhrkamp Verlag, so heißt es in vielen Zeitungen vom Mittwoch, stelle sich hinter seinen Autor Robert Menasse und erkläre die Debatte für beendet. Das ist so nicht ganz richtig. Die Nachrichtenagentur dpa hat im Verlauf des Dienstags bei Suhrkamp angerufen und gefragt, wie man denn eigentlich dort den Fall Menasse betrachte. Eine Nachricht wäre es gewesen, wenn man sich im Hause Suhrkamp nicht hinter seinen Autor gestellt hätte. Aber da man schon einmal eine Meinung eingeholt hat, teilt man diese der Welt auch mit. So entstehen Nachrichten.

In der „Süddeutschen Zeitung“ vom Mittwoch meldet sich die Schriftstellerin Eva Menasse zu Wort. Sie ist eine Halbschwester Robert Menasses und erklärt sich deswegen in der Sache natürlich als befangen. Einerseits. Andererseits aber wendet sie sich vehement gegen die „Vernichtung“ des Autors Robert Menasse. „Am Beispiel meines Bruders lässt sich beobachten, was auch in vielen anderen Fällen stimmt: Eine digital-hysterische Gesellschaft verfällt, aus Angst vor ihren Verächtern und erklärten Zerstörern, einem puristischen Reinigungsfuror.“

Das ist stark gesprochen. Nach rhetorischer Abrüstung im Fall Menasse sieht es derzeit nicht aus.

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