Deutscher Buchpreis

Die Longlist 2020: Ausgeglichen

  • Judith von Sternburg
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Die Longlist für den Deutschen Buchpreis.

Da der flaue Künstlerroman „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler den Sprung auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat, stellen sich dann doch wieder Fragen wie diese: An welchen Stellen der Diskussion blieben eigentlich auf ihre Art jeweils extrem gegenwärtige Romane wie Thorsten Nagelschmidts „Arbeit“ oder Anna Katharina Hahns „Aus und davon“ zurück? Wollte der eine oder die andere nicht in den Wettbewerb gehen? Und was genau wird noch gleich gesucht, wenn es um den besten Roman des Jahres geht?

Die diesjährige Jurysprecherin Hanna Engelmeier hierzu: Die Longlist spiegele wider, dass viele Romane „das (auto)biographische Erzählen“ nutzten. Stark vertreten gewesen seien zudem „Titel, die sich mit historischen Themen auseinandersetzen“. Die Liste greife aber „zusätzlich Romane auf, die sich jüngeren identitätspolitischen Debatten widmen“. Und sie repräsentiere „nicht nur eine Vielfalt von Themen, sondern auch die Vielfalt poetischer Ausdrucksformen dieser Saison“.

Auch anderes ist weniger überraschend: Dass Bachmannpreisträgerin Brigit Birnbacher mit dem klugen Resozialisations-Roman „Ich an meiner Seite“ (Zsolnay) nominiert wurde, ebenso Bov Bjerg mit dem vielgelobten Vater-Sohn-Drama „Serpentinen“ (Claassen). Dass Olivia Wenzel mit ihrem Debütroman „1000 Serpentinen Angst“ (S. Fischer) über ein Leben als Schwarze Deutsche dabei ist. Und Leif Randt als Vertreter auch der Leipziger-Buchpreis-Liste mit dem coolen Beziehungsroman „Allegro Pastell“ (Kiepenheuer & Witsch).

Schön, dass die verheißungsvollen neuen Romane von Dorothee Elmiger, „Aus der Zuckerfabrik“ (Hanser), und Roman Ehrlich, „Malé“ (S. Fischer), auch die Jury interessierten. Schön, dass ein Titel des Deutsche-Buchpreis-Machers Jung und Jung nominiert ist, Helena Adlers Debütroman „Die Infantin trägt den Scheitel links“. Und dass Christine Wunnicke, die berühmteste zu-wenig-bekannte Autorin der Longlist, mit „Die Dame mit der bemalten Hand“ (Berenberg) erneut eine Chance bekommt. Und dass der bisher größte Überraschungssieger, Frank Witzel (2015), erneut im Rennen ist, diesmal mit „Inniger Schiffbruch“, wodurch Matthes & Seitz zwei Nominierungen hat: Hier erschien auch Anne Webers „Annette, ein Heldinnenepos“.

Plätzchen für Unabhängige

Verlagsdominanzen waren schon auffälliger, die Ausgeglichenheit (10 Frauen, 10 Männer, 5 Nominierte gebürtig in Österreich, 3 in der Schweiz)* wirkt wie immer im Leben nicht kühn, aber respektabel. Suhrkamp ist mit Valerie Fritschs „Herzklappen von Johnson & Johnson“ sowie Deniz Ohdes „Streulicht“ vertreten. Bei Kiepenheuer kommt noch Thomas Hettches „Herzfaden“ hinzu. Rowohlt ist mit Eva Sichelschmidts „Bis wieder einer weint“ dabei, Klett-Cotta mit Iris Wolffs „Die Unschärfe der Welt“, Diogenes mit Charles Lewinskys „Der Halbbart“.

Dafür war Platz für Arno Camenischs „Goldene Jahre“ von Arno Camenisch (Urs Engeler Editor), Stephan Roiss’ Debütroman „Triceratops“ (Kremayr & Scheriau, seit Tonio Schachingers Fußballbuch „Nicht wie ihr“ immer einen zweiten Blick wert) und Jens Wonnebergers „Mission Pflaumenbaum“ (Müry Salzmann, dem einzigen 2019er Titel. Am 15. September geht es mit der Shortlist weiter.

*Sehr geehrte Leser*innen, in einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass neun Frauen und elf Männer nominiert wurden. Das war ein Fehler und wir bitten, dies zu entschuldigen.

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