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„Die Büchse der Pandora“

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Noch ein Detail zu Monika Marons Verlagswechsel.

Der Literaturbetrieb ist nicht die Fußballbranche – man hat es hier einfach viel, viel schwerer, reich zu werden –, aber wir lesen mit Interesse, dass der Literaturagent Matthias Landwehr beim Wechsel Monika Marons vom Fischer Verlag zu Hoffmann und Campe offenbar schon vorab kräftig Dampf gemacht hat. Landwehr vertritt Maron erst seit kurzem. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ referiert einen ihr vorliegenden Brief des Fischer-Anwalts Christian Schertz: Demnach, so die FAS, habe der Literaturagent dem Verlag erklärt, eine Trennung von Maron werde ein großes Thema in der Öffentlichkeit sein. Fischer müsse abwägen, ob er wolle, dass die „Büchse der Pandora“ geöffnet werde.

Es ist einerseits der Job eines Literaturagenten, seine Autorin vor Unbill zu schützen. Es ist andererseits schon eine Art von Drohung („Büchse der Pandora“, Du lieber Himmel), auf die sich ein Verlag, hier die Verlegerin Siv Bublitz, selbstverständlich nicht einlassen kann. Gewissermaßen dürfte das einem Literaturagenten auch klar sein. Und wenn man bedenkt, dass es außerdem zu seinem Job gehört, seiner neuen Autorin (und sich, klar) einen guten Vertrag zu verschaffen, und Hoffmann und Campe nicht gerade drei Monate gezögert hat, wirkt der ganze Maron-Wechsel doch prosaischer, geschäftstüchtiger und letztlich vorbereiteter, als es Teile der erwähnten Öffentlichkeit wahrhaben wollen.

Der Literaturbetrieb ist wirklich nicht die Fußballbranche, aber in beiden Fällen empfiehlt es sich, nicht nur auf dem Platz und am Schreibtisch, sondern auch bei der Beurteilung der jeweiligen Parteien den Ball etwas flacher zu halten. ith

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