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Frankfurter Literaturhaus

Deutscher Sachbuchpreis: Die Welt und ich

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Nominierte für den Deutschen Sachbuchpreis senden aus dem Frankfurter Literaturhaus.

Der erste Deutsche Sachbuchpreis hat zwischen den Lockdowns kein leichtes Dasein, hilft aber gerade im Corona-Jahr, in den Corona-Jahren, den Horizont zu erweitern. Fünf der acht Nominierten konnten nach Frankfurt reisen (oder befanden sich bereits dort), wo aus dem Literaturhaus eine große Vorstellungsrunde auf die Bildschirme daheim gesendet wurde.

Andreas Kossert sprach über sein Buch „Flucht. Eine Menschheitsgeschichte“ (Siedler). Ein Ausgangspunkt sei für ihn die eigene Familiengeschichte gewesen, erklärte er, dazu die Erkenntnis, dass Trauer und Heimweh empirisch schwer beizukommen sei. So solle auch sein Buch keine „Enzyklopädie“ sein, das Fragmentarische müsse, der Situation entsprechend, reichen.

Kossert, hier merken Zeitungsleute besonders auf, sagte „Flüchtlinge“ – der Begriff „Geflüchtete“ erscheine ihm persönlich verharmlosend, sowohl was die Gewalterfahrung der Betroffenen angehe, als auch mit Blick auf die möglicherweise noch nicht und vielleicht noch lange nicht vollzogene Ankunft. Eine triftige Frage im Gespräch und im Buch: Wann kommt der Flüchtling an?

Asal Dardan, nominiert mit „Betrachtungen einer Barbarin“ (Hoffmann und Campe), stammt selbst aus einer Flüchtlingsfamilie. In Teheran geboren worden zu sein, machte sie klar, verschafft ihr im engeren Sinne keine eindeutige Identität. Das (positiv gemeinte) Urteil etwa, sie werfe in ihrem Buch von außen einen Blick auf die deutsche Gesellschaft, sei offensichtlich falsch: Sie sei, seit sie denken könne, ein Teil eben dieser Gesellschaft. Heimat definierte sie als „deutschen Fetisch“. Sie selbst habe nicht das Bedürfnis, das „Hybride“ zu kategorisieren. Andere seien es, die das von ihr verlangten. Selbst offenkundig schlechte Butter werde prahlerisch damit beworben, sie komme „von hier“. Beispielsweise habe sie noch nie so schreckliche Butter gegessen wie „echte sardische“ auf Sardinien.

Als „Europäerin“ will Dardan sich nicht bezeichnen, nicht zu einer Gemeinschaft gehören, die sich so viel einbildet und so viele tödlich ausschließt.

Identität spielte auch im Gespräch mit Daniel Leese eine wesentliche Rolle. Seine aufwendige Recherche zu „Maos langer Schatten. Chinas Umgang mit der Vergangenheit“ (C.H.Beck) führt in eine Gesellschaft, die Anfang des Jahrtausends viel mehr Mut zur offenen Geschichtsschreibung hatte als heute. Das Feldforschungshafte zeigte sich als mindestens so spannend wie die daraus gezogene Erkenntnis.

Alles außer Sport

Um alles ging es wie immer, als Hegel zur Sprache kam: Jürgen Kaube, mit „Hegels Welt“ (Rowohlt Berlin) nominiert, konnte flugs herausarbeiten, dass es jenseits von Sport und Tourismus kein gegenwärtiges Thema gebe, dass nicht auch bei ihm schon eine Rolle gespielt habe. Und selbst für Hegel und den Tourismus hatte er dann ein gutes Beispiel. Hegels Komplexität, so Kaube, sei keine absichtsvolle Verrätselung, sondern eine Folge des Versuches zu denken. Er empfahl, ein eigenes Lesetempo zu finden, nicht zu hurtig, aber auch nicht verbissen.

Die Stilfragen, die überall am Rande anklangen, vertiefte am Ende Michael Maar, nominiert mit „Die Schlange im Wolfspelz. Das Geheimnis großer Literatur“ (Rowohlt). Er liebe es, Stilproben zu nehmen, sagte er als Sprachforensiker, er habe sich für literaturtheoretische Debatten nie interessiert, habe immer nur wissen wollen: Warum ist Gottfried Keller so groß? Viele wichtige Fragen.

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