Ende März in Kronberg: Abholstation vor dem Laden.  
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Ende März in Kronberg: Abholstation vor dem Laden.  

Börsenverein

Deutscher Buchhandel: Harte Zeiten, findige Beteiligte

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Der Buchhandel beklagt Umsatzlücke, ist aber ganz guter Dinge.

Die Schließungen wegen der Corona-Pandemie haben den deutschen Buchhandel schwer getroffen, aber da ist er schon wieder und war auch nie wirklich weg. Ein Umsatzminus von 65,7 Prozent für die Buchläden in den Wochen seit Mitte März bis zur Wiedereröffnung meldete der Börsenverein bei seiner Wirtschaft-PK in Frankfurt. Geschäftsführer Alexander Skipis wies darauf hin, dass es immerhin nicht 100 Prozent gewesen seien, Grund hierfür die Findigkeit der Geschäfte, die sich sogleich in irgendwie funktionierende Versandbuchhandlungen umgestellt hätten.

Freilich sei dieser Umsatz teuer erkauft – vom persönlichen Mehraufwand bis zum Einsatz von Fahrradkurieren –, aber: Alles, was die digitale Welt erwarte, habe der Buchhandel bieten können, sagte Börsenvereinsvorsteherin Karin Schmidt-Friderichs, und sei es mit Hilfe der kundigen Azubis, die ja nicht auf Kurzarbeit waren. Das Handwerkszeug der Onlineshops sei längst verbreitet, es habe dadurch eine praktische Grundlage gegeben, auf die auch Läden zurückgreifen konnten, die das bisher kaum nutzten. Ganz schlecht liefen Reisebücher, sehr gut Kinder- und Jugendbücher, darüber kann man sich einfach nicht wundern.

Die Kundenbindung im Sortimentsbuchhandel habe nicht nur zu sagenhaften Hamstereinkäufen am 17. März (dem letzten Öffnungstag in den meisten Bundesländern) geführt, so der Börsenverein weiter. Auch im Anschluss sei es zügig bergauf gegangen. Das Minus beim stationären Buchhandel habe sich im Juni auf 13,9 Prozent abgeschwächt. „Wir haben uns hochgearbeitet“, sagte Skipis. Abgerechnet werden könne erst nach dem Jahreswechsel, nicht zuletzt, weil man nicht wisse, wie es weitergehen werde. Schmidt-Friderichs sprach von existenziellen Sorgen, allerdings wurde klar, dass von Geschäftsaufgaben in nennenswertem Umfang bisher keine Rede sein kann.

Verlage streichen Titel

Interessant und logisch, wie die Schließung auf die Verlage durchgeschlagen hat. Eine Umfrage des Börsenvereins hat erbracht: Mehr als die Hälfte der Verlage gab an, Titel auf den Herbst geschoben zu haben. Knapp 36 Prozent erklärten, Titel gestrichen zu haben, was bitter sei, so Schmidt-Friderichs, denn das werde kaum den neuen Dan Brown, aber den wirtschaftlich weniger vielversprechenden „Nischentitel“ betreffen.

Dem E-Book haben die Ladenschließungen ein kurzes Hoch beschert (zwischenzeitlich plus 50 Prozent), das sich nach der Wiedereröffnung gleich verlor. Die insgesamt etwa fünf Prozent Anteil am Umsatz, berichtete Skipis, entsprächen durchaus den Zahlen im Ausland. Selbst in den USA – viel Fläche, wenig Buchhandlungen – habe sich zumindest das rasante Wachstum mittlerweile abgeschwächt.

Wie soll es weitergehen? Schmidt-Friderichs und Skipis lobten im Prinzip die Politik für die Bewilligung von Zuschüssen (es werde wohl noch mehr nötig sein) und namentlich Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Ihr sei es gelungen, Kultur in dieser Gemengelage allgemeiner Bedürftigkeit zu positionieren. Skipis erinnerte an den Wunsch, Verlage künftig wieder an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften zu beteiligen.

Nötig seien jetzt „Hoffnungsimpulse“, sagte Schmidt-Friderichs, wie die Frankfurter Buchmesse, die übrigens als starker Organismus keine weiteren Partner brauche. Gleichwohl, so Skipis, seien Grenzen heute schwimmend, darauf müsse man sich einstellen. Dieser Teil bleibt spannend.

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