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Deutsche im afrikanischem Südwesten

Eine Rückkehr (oder ein Comeback) mit dem Deutschland-Thema war bei Eva Leitolf nach so langer Zeit nicht zu erwarten. Doch hier ist sie, mit einem großen,

Von ULF ERDMANN ZIEGLER

Eine Rückkehr (oder ein Comeback) mit dem Deutschland-Thema war bei Eva Leitolf nach so langer Zeit nicht zu erwarten. Doch hier ist sie, mit einem großen, strengen, schmalen Bildband namens "Rostock Ritz", dessen Fotografien in haarsträubender Weise ein deutsches Erbe ausleuchten, nämlich Südwest-Afrika. Hier haben wir die überstrahlte Weite eines Landes, das einerseits Küstenland ist und andererseits so aussieht, als läge es prinzipiell am Meer: Namibia. Der Name muß noch über die Zunge.

Eva Leitolf, fotografisch ganz Essener Schule, hat sich den historischen Raum von vor-den-Füßen bis in den Himmel organisiert, als Hochformat. So falten sich Winkel in der Landschaft auf, in denen die Zeit still zu stehen scheint, aber eben nur scheint. Historienspektakel, Karneval, Reiterdenkmal - am Ende aber läuft es hinaus auf die Trophäenjagd, die Gier nach dem symbolischen Kapital. Eva Leitolf legt ihre steilen Genrebilder an bescheidenen Plätzen aus, an der Peripherie deutscher Farmen, vor dem Zaun eines burischen Anwesens, am Kopfende einer fensterlosen Herero-Hütte. Geduldig kreist sie um das Erbe eines deutschen Anspruchs in einer längst verlorenen Kolonie, einen Völkermord im Marschgepäck, und setzt die Figuren des Alltags, schwarz und weiß, als Embleme in ihre reflexiv angelegten Bilder ein.

Der Titel "Rostock Ritz" ist der Name einer Gästefarm, und das ist nicht ganz ohne Komik, wenn man bedenkt, dass Eva Leitolf ihre Spurensuche nach rechtsradikalen Brandanschlägen vor dreizehn Jahren in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern begann, ein scharf geschnittenes Bildkonvolut, das bis heute die fotografische Szene umtreibt.

Es ist doch interessant, dass Fotograf(inn)en wie sie damals angetreten sind, um alles, was berichtet werden musste, im fotografischen Material niederzulegen; die vorweggenommene Beerdigung der Bild-und-Text-Reportage. Dann, eine Weile lang, die pure Fotografie, um die herum später der exegetische Text sich rankte.

Nun dreht sich der Wind. Hier ist ein scharfsinniges, farbiges Buch, das ohne Verlagsangabe zur Eröffnung einer Ausstellung des Staatlichen Museums für Völkerkunde in München (bis zum 10. April) erscheint. Die Bilder werden begleitet von einem umfassenden Textteil, der die Geschichte und Gegenwart der Deutschen in Namibia in mehreren, präzise akquirierten Beiträgen verständlich und nachvollziehbar macht.

Die sich heute aus unterschiedlichen Gründen in Namibia "Deutsche" nennen, sind eine bizarre Spezies unter den Nachkommen der Kolonialherren: entmachtet in Versailles, ausgebootet von den Buren, den Nazis hinterhergelaufen, vom Apartheid-Regime Südafrikas beschützt, sind sie nun so etwas wie historische Albinos, pragmatisch integriert, und doch in nahezu tragischer Weise ausgestellt. Eva Leitolf beobachtet sie, wie sie feiertags vor Symbolen strammstehen, die nicht einmal mehr goetheinstitutskompatibel sind. Sie gehört zu den wenigen Fotografen, denen es in einer solchen Situation dennoch gelingt, Bilder zu finden, die an unsere Erfahrungen von Vertrautem aufs Unheimlichste anschließen.

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